14.09.2011 · Anleihen französischer Banken weisen spätestens seit der Rating-Abstufung vom Mittwoch interessante Renditen auf. Die wahre Frage ist das künftige Ausmaß der Krise.
Von Martin HockEs muss wohl die Tatsache gewesen sein, dass Banken immer mit Geld zu tun haben, die Anleger einst dazu verleitete, anzunehmen, Banken hätten auch immer Geld und deren Anleihen seien darob besonders sicher.
Spätestens seit der Finanzkrise und dem Untergang einiger großer Namen und der Rettung anderer durch Regierungen ist klar, dass das ein Irrtum war. Die Abkehr von dieser Auffassung zeigt sich schon seit längerem in mitunter höheren Risikoaufschlagen. Beispielsweise rentiert eine Inhaberschuldverschreibung der Deutschen Bank mit zweijähriger Restlaufzeit derzeit mit 1,9 Prozent, eine vergleichbare Anleihe von Toyota trotz gleichen Ratings mit 1,4 Prozent.
Crédit Agricole und Société Générale abgestuft
Derzeit stehen nun die Anleihen französischer Banken unter Druck. So ist die Rendite der mit 5,4 Prozent verzinsten, im Juni 2014 fälligen Anleihe des Credit Agricole von 4,89 Prozent am vergangenen Freitag auf 5,27 Prozent gestiegen. Die Rendite einer 2015 fälligen Anleihe der Société Générale mit einem Zinskupon von 6,625 Prozent stieg gar von 5,92 auf 7,14 Prozent.
Grund sind verstärkte, konkrete Sorgen um die Bonität der Banken im Zusammenhang mit ihrem Engagement in Südeuropa, vor allem in Griechenland. Im Juni hatte die Rating-Agentur Moody's die Bonitätsnote mit einem negativen Ausblick versehen, nun handelte die Agentur und senkte die Bewertung für den Credit Agricole und die Société Générale um jeweils eine Stufe auf „Aa2“ für den Credit Agricole und „Aa3“ für die SocGen. Beim Marktführer BNP Paribas wurde die Frist für die Überprüfung verlängert. Dabei sei eine Abstufung um mehr als eine Note unwahrscheinlich, hieß es.
Banken bemühen sich, Zweifel zu zerstreuen
Moody's betonte allerdings, die französischen Großbanken größtenteils ausreichend auf mögliche Zahlungsausfälle der hoch verschuldeten Eurozonen-Staaten vorbereitet. Alle drei Banken versuchen vergebens den Märkten ihre Solvenz zu beweisen.
Am Montag schon hatte die Société Générale die Beschleunigung ihres Konsolidierungsprogramms angekündigt. Bis ins Jahr 2013 will die Bank mit der Veräußerung von Unternehmensteilen und Sparmaßnahmen vier Milliarden Euro gebundenes Kapital freisetzen. In mehreren Ländern sollen Stellen abgebaut und Kosten gesenkt werden.
Auch die Beteuerungen des von Badouin Prot, Vorstandsvorsitzender der BNP Paribas, das mit hohem Risiko behaftete Geschäft in den Vereinigten Staaten zurückfahren zu wollen und das Engagement in Griechenland und in anderen Eurozonen-Schuldenstaaten im Griff zu haben, halfen nicht wirklich.
Griechische Töchter belasten
Die BNP Paribas will mit diesen Maßnahmen das harte Kernkapital, die sogenannte „Common Equity Tier 1 Capital Ratio“, bestehend aus Stammaktien und Gewinnrücklagen bis 2013 auf 9 Prozent erhöhen. Dies wäre der doppelte Wert dessen, was nach den Richtlinien von „Basel III“ verlangt wird. Gleichzeitig will die BNP paribas ihre Bilanzsumme um rund 60 Milliarden Euro verringern. Die Außenstände in Bezug auf Griechenland seien handhabbar. Bei einem Wertverlust von 55 Prozent betrüge die Belastung vor Steuern lediglich 1,7 Milliarden Euro.
Der Credit Agricole und die SocGen haben indes Beteiligungen an zwei Verluste bringenden griechischen Banken, der Emporiki Bank bzw. der Geniki Bank. Nichtsdestoweniger betont Moody's, dass auch die SocGen über ausreichend Kapital verfügt, um Belastungen sowohl aus Griechenland als auch Portugal und Irland zu verkraften. Die Societe Generale hatte schon im zweiten Quartal den Wert der von ihr gehaltenen griechischen Anleihen um 395 Millionen Euro nach unten korrigiert.
Der Credit Agricole bezifferte die Belastungen aus den Abschreibungen auf die von ihr gehaltenen Griechenland-Anleihen und der Tochter Emporiki im zweiten Quartal auf netto 640 Millionen Euro.
Verluste bedeuten keine Zahlungsausfälle
Letztlich also muss man die Kirche im Dorf lassen. Natürlich würde ein Zahlungsausfall und eine Verschärfung der Depression in Griechenland die Bilanzen französischer Banken belasten. Doch in die Pleite würde es sie nicht treiben. Schließlich ist Griechenland klein. Das gesamte ausstehende Anleihevolumen beträgt 285 Milliarden Euro. Die Bilanzsumme der SocGen allein betrug im zweiten Quartal etwa das Vierfache.
Unter diesen Umständen könnten Bank-Anleihen vielleicht doch interessant sei, bietet doch etwa eine im Dezember 2012 fällige Anleihe der BNP Paribas eine Rendite von 4,4 Prozent. Das Problem ist indes ein hohes Misstrauen gegen die Bilanzen der Banken im allgemeinen, was nicht in jedem Fall unfundiert sein mag.
Das Ausmaß der Krise ist der springende Punkt
Und das geht weit über den engen Zusammenhang zwischen französischen Banken und griechischem Staat und Geldhäusern hinaus. „Ein Ausfall Griechenlands alleine wäre höchstwahrscheinlich für die Banken auch ohne staatliche Hilfe zu verkraften, sofern eine Ausbreitung der Krise vermieden werden kann“, sagte der Finanzexperte der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P), Stefan Best, der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch in Bezug auf deutsche Banken.
Doch hätte eine Ausweitung der Schuldenkrise andere gravierende Folgen, denn ein Vertrauensverlust im Falle einer Ausbreitung könnte Unterstützungsbedarf auslösen. Die Refinanzierung der Banken bleibe ein sensibles Thema, betonte Best. Die Gewinnaussichten für die deutschen Banken seien derzeit negativ, aber noch nicht bedrohlich. Das könne sich ändern, wenn sich die Krise verschärfe oder es zu einer Rezession in Deutschland komme. Es hänge damit auch vom Ausmaß der Krise ab, ob S&P die Ratings der deutschen Banken senke, so Best.
Und die Problemfelder gehen auch weit über den Euroraum hinaus. Erstmals seit einem Monat haben am Mittwoch zwei nicht näher genannte europäische Banken einen Notkredit in Dollar der Europäischen Zentralbank in Anspruch nehmen müssen, obgleich diese dafür hohe Zinsaufschläge fordert. Dieses Angebot nehmen die Banken nur in Anspruch, wenn sie gar nicht mehr anders an Dollar kommen. Die Summe ist zwar nicht aufsehenerregend, aber dass europäische Banken überhaupt in Dollarnot geraten, gilt auf dem Geldmarkt als Warnsignal.
Es kommt insofern darauf an, wie sehr man den Banken zutraut, die Krise zu meistern. Wer Anleihen bis zur Endfälligkeit und sowohl Euro-System als auch Banken bis dahin für überlebensfähig hält, für den könnten sich Gelegenheiten auftun. Allerdings sollte er dabei tunlichst darauf achten, keine nachrangigen Schuldverschreibungen zu erwerben, die an hohen Verlusten teilnehmen können.
Herr Klein
dirk warschkow (nelemaus)
- 14.09.2011, 19:59 Uhr
Der springende Punkt?
Ruben Rybnik (makrologistiker)
- 14.09.2011, 18:21 Uhr
Fran. Banken
Teito Klein (Pandora0611)
- 14.09.2011, 18:05 Uhr