http://www.faz.net/-gv6-7454m

Fitch stuft Türkei herauf : Türkische Anleihen erstmals seit 1994 kein Ramsch mehr

  • Aktualisiert am

Türkische Staatspapiere sind der Ratingagentur Fitch zufolge wieder „investitionswürdig“. Bild: dpa

Die Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit der Türkei heraufgestuft. Türkische Anleihen gelten damit zum ersten Mal seit 18 Jahren als „durchschnittlich gute Anlage“.

          Zum ersten Mal seit 18 Jahren bewertet die Ratingagentur Fitch die Staatsanleihen der Türkei nicht mehr als Ramsch. Die Bonitätsnote für Papiere mit langer Laufzeit in ausländischer Währung wurde um eine Note auf „BBB-“ angehoben, die für Anleihen in heimischer Währung sogar um zwei Noten auf „BBB“. Das teilte Fitch am Montag in Istanbul mit.

          Damit gelten Investitionen in diese Papiere nicht mehr als hochspekulativ, sondern als „durchschnittlich gute Anlage“. Diesen „Investment Grade“-Status hatte die Türkei zuletzt 1994. Das dürfte neue Investoren in das Boomland locken und die Kreditkosten drücken, erwarten Experten.

          Türkische Lira wertete auf

          Die Aktienkurse in Istanbul stiegen nach Bekanntgabe der Entscheidung auf ein Rekordhoch. Die türkische Lira wertete auf, während die Zinsen für türkische Staatsanleihen auf ein Rekordtief fielen. „Das ist der Beginn einer neue Ära für den Zugang unseres öffentlichen und privaten Sektors zu den internationalen Kapitalmärkten“, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Ali Babacan. Die türkische Regierung zeigte sich trotz der Heraufstufung unzufrieden. Wirtschaftsminister Zafer Caglayan sagte: „Dieses Rating ist nicht genug für uns. Bulgarien, Lettland und Island haben das gleiche Kreditrating. Wir erwarten in der Zukunft schnellere und objektivere Bewertungen.“

          Fitch begründete die Entscheidung mit der sinkenden Schuldenlast, dem stabilen Bankensystem und günstigen Wachstumsaussichten für den EU-Beitrittskandidaten. „Die Türkei ist auf dem Weg zu einem nachhaltigen Wachstum“, hieß es. „Das Leistungsbilanzdefizit wurde reduziert und die Inflation gedämpft.“ Der Ausblick sei stabil. Nach Prognose des Internationalen Währungsfonds wird das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr trotz der schweren Schuldenkrise in Europa um 3 Prozent wachsen. 2011 waren es sogar 8,5 Prozent.

          Moody’s und Standard & Poor’s könnten nachziehen

          Die Zinsen für türkische Staatsanleihen gaben nach Bekanntwerden der Fitch-Entscheidung nach. Die Renditen für die zehnjährigen Staatsanleihen fielen von 6,98 auf 6,86 Prozent. „Die Heraufstufung wird zu mehr Investitionen und geringeren Kreditkosten führen“, sagte UBS-Analyst Manik Narain. Je schlechter die Bonitätsnote ist, desto größer sind die Risikoaufschläge, die Investoren verlangen. „Das ist ein großer Vertrauensschub für die Türkei“, sagte Ökonom Timothy Ash von der Standard Bank. „Das könnte helfen, neue Investoren anzulocken.“

          Ash rechnet wie viele andere Experten damit, dass mit Moody’s und Standard & Poor’s auch die beiden anderen großen Ratingagenturen der Türkei den „Investment Grade“-Status zurückgeben werden. Diesen hatte sie 1994 während der schweren Wirtschaftskrise verloren. Das Rating von Standard & Poor’s für die Türkei liegt derzeit zwei Stufen unter der Investmentklasse, während die Bewertung Moody’s um eine Stufe darunter liegt.

          Quelle: FAZ.net mit Reuters/Dow Jones

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Jamaika-Koalition : Der Grünstreifen am Horizont

          Vor vier Jahren haben die Grünen ihre Chance auf eine Beteiligung an der Regierung vertan. Diesmal wollen sie ernsthaft verhandeln. Das geht nur, wenn die Parteilinken mitmachen. Doch, sind die dazu bereit?
          Die britische Regierungschefin Theresa May und der EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bei ihrem Treffen in Brüssel.

          Treffen von May und Juncker : Jetzt aber flott!

          Das Stocken der Brexit-Verhandlungen sorgte zuletzt für viel Kritik. Nun machen Jean-Claude Juncker und Theresa May Dampf. Bis Dezember soll ein Plan für die Scheidung stehen.
          Jordi Ciuxart, Vorsitzender des katalanischen Kulturvereins Omnium Cultural, und ANC-Chef Jordi Sànchez vor dem Gerichtstermin in Madrid.

          Krise in Katalonien : Führende katalanische Separatisten inhaftiert

          Die spanische Staatsanwaltschaft hat zwei katalanische Separatistenführer festnehmen lassen. Auch gegen Polizeichef Josep Lluís Trapero wurde Untersuchungshaft beantragt, er kam gegen Kaution jedoch vorerst frei.
          „Es war eine Landtagswahl“: Merkel am Montag in Berlin

          Nach der Niedersachsen-Wahl : Runter vom Baum und Schwamm drüber

          Die Parteien, die eine schwarz-gelb-grüne Bundesregierung bilden wollen, haben bei der Niedersachsen-Wahl alle verloren. Angeblich schadet das nichts. Denn nach der Wahl ist vor der Sondierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.