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Finanzwerte Mit guten Noten vor dem Abgrund

09.10.2008 ·  Die Bonitätsnoten der deutschen Banken sind immer noch gut. Anleger sollten allerdings nicht viel darauf geben. Manche Banken stehen vor dem Abgrund und wären ohne die Hilfe des Staates schon einen Schritt weiter.

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An den Börsen fällen die Anleger seit Jahresbeginn ein vernichtendes Urteil über die Banken. Die Kursstürze zeugen von einem tiefen Misstrauen. Abgesehen von einzelnen Instituten wie Lehman oder Hypo Real Estate, blieben die Rating-Noten der Banken in den vergangenen Wochen dagegen weitgehend konstant; allenfalls wurde der Ausblick herabgesetzt.

Ist die Bankenkrise also halb so schlimm? Nach Ansicht von Branchenkennern ist die scheinbar heile Welt der Rating-Agenturen ein Trugbild. Entscheidend für die gute Bewertung sei das Signal der Regierungen, dass keine große Bank fallengelassen wird, heißt es auf dem Markt. „Die Ratings der Banken werden durch die staatlichen Rettungszusagen gestützt", sagt Johannes Wassenberg, Leiter des Europäischen Bankenteams bei der Rating-Agentur Moody's in London. Das Ausfallrisiko sei deshalb über den gesamten Bankensektor verteilt noch immer vergleichsweise gering. „Aber natürlich muss jeder Gläubiger mit der Ungewissheit leben, dass es eine einzelne Bank so treffen könnte wie Lehman", fügt er hinzu. Im Grunde, sagt ein Branchenexperte, müssten die Ratings für die Banken nun sogar angehoben werden, da ihre Bonität durch den Staat verbessert worden sei.

Aussagekraft der Banken-Ratings sei derzeit eingeschränkt, heißt es

Allerdings würden sich die Rating-Agenturen damit wohl dem Vorwurf aussetzen, die Gefahren schon wieder falsch einzuschätzen. Die Reputation der Bonitätsprüfer hat ohnehin gelitten, weil zum Beispiel die amerikanische Investmentbank Lehman bis kurz vor ihrem Fall noch gute Ratings hatte. Die Aussagekraft der Banken-Ratings sei derzeit eingeschränkt, heißt es auf dem Markt. „Die Rating-Agenturen haben viel zu wenig Zeit, um die Geschehnisse vernünftig aufzuarbeiten und ihre Methoden anzupassen", sagt Uwe Burkert, Leiter der Abteilung Kreditresearch bei der Landesbank Baden-Württemberg. Dennoch sei das Vertrauen der Marktteilnehmer in die Ratings der Finanzinstitute nach wie vor hoch, weil es bei diesen Beurteilungen um die Zahlungsfähigkeit der Bank als Ganzes gehe und nicht um einzelne strukturierte Produkte, sagt Thomas von Luepke, ein unabhängiger Rating-Berater, der lange für die Agentur Fitch gearbeitet hat. „Nach all den staatlichen Garantien ist es überzeugend, jetzt keine starken Herabstufungen der Banken vorzunehmen", argumentiert er.

Mancher Beobachter vermutet jedoch, dass die Agenturen auch noch aus einem anderen Grund mit Herabstufungen vorsichtig sind. Die Bonitätsprüfer wissen nur zu gut, dass ihre Urteile angeschlagene Banken erst richtig in die Krise treiben könnten. So war die Herabstufung mehrerer Hypo-Real-Estate-Tochterfirmen wohl mitverantwortlich dafür, dass das ursprüngliche Rettungspaket um 15 Milliarden Euro aufgestockt werden musste. Laut dem Verhaltenskodex der Rating-Agenturen dürfen solche Überlegungen bei der Bonitätseinstufung zwar keine Rolle spielen, aber die Rating-Analysten seien sich der Wirkung ihrer Urteile durchaus bewusst, sagen Beobachter. Die täglich wachsenden Risiken für das Finanzsystem machen die Aufgabe nicht einfacher. Bedenklich sei, dass die Finanzspritzen der EZB nicht alle Refinanzierungsrisiken der europäischen Banken abdecken. „Es kommen Fälligkeiten auf die Institute zu, die nicht durch EZB-fähige Papiere besichert werden können", erläutert Moody's-Fachmann Wassenberg. Sollte der Markt, auf dem sich die Banken untereinander Kredit gewähren, weiterhin ausfallen, dann müsse die EZB entweder noch mehr Wertpapiere der Banken als Sicherheiten akzeptieren. „Oder man braucht andere Unterstützung. Die Notwendigkeit der staatlichen Hilfen steigt derzeit jeden Tag", sagt Wassenberg.

Privatanleger sollten sich für die Stabilität ihrer Bank interessieren

Herabstufungen der Rating-Agenturen hätten auch zur Folge, dass manche Banken auf den Derivatemärkten zu zusätzlichen Sicherungsleistungen gezwungen wären. Das kann leicht zu riesigen Nachforderungen führen. In den vergangenen Jahren ist zum Beispiel ein riesiger Markt handelbarer Kreditabsicherungen entstanden. Ursprünglich wurden dafür Credit Default Swaps als Versicherung geschaffen. Sie sichern Gläubiger für den Fall ab, dass eine Forderung ausfällt. Längst überwiegt aber außerhalb von Börsen die unregulierte Spekulation von Banken, Hedge-Fonds, Versicherungen und Fonds mit diesen Swaps. Marktteilnehmern graust es angesichts des riesigen Marktvolumens von zeitweise 62.000 Milliarden Dollar, das derzeit rund 50.000 Milliarden Dollar beträgt.

Auch Privatanleger sollten sich für die Stabilität ihrer Bank interessieren und dabei nicht blind auf die Bonitätsnoten der Rating-Agenturen vertrauen. Relativ sicher können sie sich mit Einlagen deutscher Banken fühlen, dazu zählen zum Beispiel Girokonten, Sparbücher, Tagesgeld und Termingeld. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat für solche Forderungen eine staatliche Garantie ausgesprochen. Besicherte Anleihen wie Pfandbriefe versprechen Stabilität. Unbesicherte Forderungen sind dagegen eine heikle Angelegenheit. Dazu zählen nicht nur normale Anleihen der Banken, sondern auch alle Zertifikate, die in den vergangenen Jahren in Massen an deutsche Privatanleger verkauft worden sind. Sie sind Inhaberschuldverschreibungen und weder vom Einlagensicherungsfonds noch durch die staatliche Garantie geschützt. Geht die emittierende Bank pleite, bleibt dem Anleger nur eine Forderung an den Insolvenzverwalter. Diese Erfahrung machen gerade Inhaber von Zertifikaten der Lehman Bank. Fonds sind im Fall einer Bankenpleite nicht unmittelbar betroffen. Sie sind Sondervermögen. Allerdings können die vom Fonds gehaltenen Wertpapiere wegen der sinkenden Kurse natürlich an Wert verlieren.

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