05.09.2011 · Ein Girokonto hat fast jeder. Nur selten werden jedoch die Konditionen verglichen. Dabei sind die Unterschiede erheblich. An der Trägheit vieler Kunden verdienen die Banken gut.
Von Daniel MohrDas erhebende Gefühl, mit einer vollen Lohntüte nach Hause zu gehen, gehört nicht mehr zur Lebenswirklichkeit in Deutschland. Lediglich die Änderung einer Zahl auf dem Kontoauszug zeigt nun die Wertschätzung für geleistete Arbeit.
Der Zahlungsverkehr wird immer bargeldloser. Nach Angaben der Bundesbank tätigt ein erwachsener Deutscher im Durchschnitt 92 Überweisungen im Jahr, bekommt 123 Mal eine Lastschrift abgebucht und zahlt 31 Mal per Karte. 67 Billionen Euro werden so im Jahr bewegt, ohne dass ein Schein das Portemonnaie wechselt.
Vergleich lohnt immer
Möglich ist das nur, weil fast jeder Deutsche ein Girokonto hat. Gehälter und Renten, Mieten, Versicherungen und etliche Rechnungen werden darüber ohne den Austausch von Bargeld abgewickelt. Zur Teilnahme am wirtschaftlichen Leben ist die Führung eines Girokontos unerlässlich. Schon 1995 haben sich die Banken deshalb dazu verpflichtet, jedem unabhängig von seiner finanziellen Lage auf Antrag ein Girokonto zu eröffnen, wenn auch nicht allen Kunden die Möglichkeit zur Kontoüberziehung gegeben wird.
Die Kosten für ein Girokonto sind jedoch höchst unterschiedlich, deshalb lohnt sich ein Vergleich. „Die Banken wissen, dass viele Kunden den Aufwand eines Girokontowechsels scheuen, deswegen sind die Girokonten eine sehr gute Verdienstquelle für Banken“, sagt Sigrid Herbst von der FMH-Finanzberatung, die regelmäßig Girokontenvergleiche durchführt. „Gerade die Sparkassen, Volksbanken und die großen Privatbanken nutzen die enge Kundenbindung hierbei aus.“
Mehr Wechsler könnten Konten verbilligen
Auch Jörg Schädtler, Vorstand der Schutzgemeinschaft für Bankkunden, wünscht sich mehr Girokontowechsler: „Dann würden sich mit Sicherheit die Konditionen generell verbessern.“ Bislang würden die Banken bei ihren Konditionen systematisch gegen Recht und Gesetz verstoßen. „Wo kein Kläger, da kein Richter, ist das Motto“, sagt Schädtler: „In den meisten Fällen, in denen Kunden horrende Gebühren monierten, haben die Banken diese zurückgenommen, aber nur für den beschwerdeführenden Kunden, der Rest durfte weiter bezahlen.“
Die Banken sind gerade in Girokontostreitfragen gerne kulant, verlieren wollen sie ihre Girokontoinhaber nämlich nicht. Das Girokonto gilt als Türöffner für alle weiteren Geschäfte mit dem Kunden. Durch das Girokonto ist der Kunde ständig in Kontakt mit seiner Bank und kann daher gut für zahlreiche andere Finanzprodukte angesprochen werden.
Diese Bedeutung des Girokontos haben auch immer mehr Direktbanken erkannt. Diese Institute, bei denen Konten nur im Internet geführt werden können, werben verstärkt um Neukunden. Die ING-Diba als führende Direktbank bearbeitet den Markt seit Herbst 2007 intensiv und hat mittlerweile mehr als 700.000 Kunden mit einem Girokonto. Bei Tagesgeldkonten stellte sich der Erfolg schneller ein, hier zählt die ING-Diba mittlerweile mehr als 5 Millionen Kunden.
Direktbanken sind meist billiger
Welches Girokonto für wen am günstigsten ist, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Die wichtigste Grundsatzentscheidung ist, ob der Kunde bereit ist, seine Geschäfte ausschließlich per Internet und Telefon zu erledigen. Dann empfehlen sich für ihn die Angebote der Direktbanken. Sie sind in der Regel deutlich günstiger als die Konditionen der Filialbanken. So verlangt die ING-Diba bedingungslos keinerlei Gebühren und stellt kostenlos eine EC-Karte und eine Visa-Karte zur Verfügung. Mit der Visa-Karte kann an allen Geldautomaten mit Visa-Zeichen - und das sind fast alle in Deutschland und mehr als 400.000 in Euroländern - kostenlos Geld abgehoben werden.
Der Dispozins liegt mit 9 Prozent deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von gut 11 Prozent. Wer einen Neukunden anwirbt, erhält 20 Euro Prämie, der Neukunde bei einem regelmäßigen Geldeingang auf dem Konto von mehr als 1000 Euro im Monat zudem eine Prämie von 50 Euro. „Bei der ING-Diba können die Kunden sicher sein, dass dies kein bloßes Lockangebot ist“, sagt Herbst: „Die Konditionen gehören seit Jahren konstant zu den besten im deutschen Markt.“
Teure Bequemlichkeit
In unserer von der FMH-Finanzberatung zusammengestellten Tabelle ist eine Übersicht über die Konditionen der Direktbanken zu finden. Wer ständig hohe Beträge auf dem Girokonto liegen hat, sollte verzinste Girokonten bevorzugen oder besser über die Einrichtung eines höher verzinsten Tagesgeldkontos nachdenken. Dort ist das Geld ebenfalls täglich verfügbar.
Wer hingegen statt höherer Habenbeträge regelmäßig den Dispositionskredit in Anspruch nimmt, findet bei der Deutschen Skatbank mit nur 6 Prozent den niedrigsten Sollzins, muss dafür aber einen regelmäßigen Geldeingang vorweisen. Das Girokonto ständig im Soll zu führen ist jedoch unklug. Wer mit seinem Geld regelmäßig nicht hinkommt und auch nicht zu einem eingeschränkteren Lebensstil bereit ist, findet in Rahmenkrediten oder Ratenkrediten deutlich günstigere Möglichkeiten der Kreditfinanzierung. Der Dispo und erst recht die Überziehung des Disporahmens sind die teuersten Formen der Geldleihe bei Banken.
Auch bei Filialbanken deutliche Unterschiede
Mittlerweile werden gut ein Drittel der Girokonten im Internet geführt. Der Trend dorthin ist eindeutig, gleichwohl legen viele Kunden Wert auf den persönlichen Kontakt zu ihrer Bank in einer Filiale. Marktführer sind hier eindeutig die Sparkassen mit insgesamt 45 Millionen Girokonten vor den Volks- und Raiffeisenbanken mit 28 Millionen Kunden mit Girokonten.
Doch auch bei den Filialbanken gibt es erhebliche Unterschiede in den Kosten für Girokonten. Die meisten Banken bieten mehrere Typen von Girokonten an. Wir haben im unteren Teil der Tabelle die günstigsten Angebote der größeren überregionalen Filialbanken aufgelistet und mit der Hamburger Sparkasse und der Berliner Volksbank zwei der größeren Regionalbanken aufgenommen.
Kostenlos ohne Mindestgeldeingang sind nur die Norisbank und die Wüstenrot Bank. Geldabhebungen sind in den Filialen der zur Deutschen Bank gehörenden Norisbank und an den Geldautomaten der Cashgroup möglich, also von Commerzbank, Deutscher Bank, Hypo-Vereinsbank, Postbank und deren Tochterunternehmen.
Gebühren machen erfinderisch
Bei der Wüstenrot Bank stehen für Geldabhebungen neben den Filialen die 2800 Automaten der Cashpool-Gruppe zur Verfügung. Zudem sind 24 Abhebungen im Jahr mit der Visa-Karte kostenlos, danach werden 99 Cent je Abhebung berechnet.
Das Beispiel zeigt, an welchen Stellen die Banken überall mit ihren Gebühren ansetzen. Neben der monatlichen Grundgebühr verlangen manche Institute für jede Überweisung Gebühren, andere für Abhebungen und Einzahlungen, viele für die Nutzung von Karten, einige Banken unterlagen kürzlich vor Gericht, weil sie unaufgefordert Kontoauszüge zusendeten und dafür neben dem Porto auch noch Gebühren in Rechnung stellten, andere berechneten bei Beschwerden und Rückfragen horrende Bearbeitungsgebühren, und auch Mahngebühren sind immer wieder Gegenstand von Auseinandersetzungen. „Die Banken sind bei ihrer Preisgestaltung relativ frei“, sagt Schädtler von der Schutzgemeinschaft für Bankkunden: „Vor einem Girokontowechsel sollte sich der Kunde daher unbedingt mit dem Preis- und Leistungsverzeichnis auseinandersetzen.“
Auch FAZ-Finance.net bietet einen . Hier kann jeder seine Nutzungsgewohnheiten beim Girokonto eingeben und zudem durch Eingabe der Postleitzahl auch regionale Anbieter in den Vergleich einbeziehen. Ihm werden dann die besten Angebote mit ihren Konditionen angezeigt. Die kann er mit den Kosten seines aktuellen Girokontos vergleichen.
Hat sich der Kunde einmal für einen Wechsel entschieden, unterstützt ihn seine neue Bank häufig bei allen Formalitäten zum Beispiel mit vorformulierten Kündigungsschreiben oder automatischen Änderungen von Einzugsermächtigungen oder Dauerüberweisungen. Das alte Konto sollte in der Regel noch einige Wochen parallel geführt werden. Es kann fristlos gekündigt werden, und die alte Bank darf den Kunden hier nicht noch einmal mit zusätzlichen Gebühren belasten.