19.06.2009 · Unternehmensanleihen sind bei Anlegern begehrt - vor allem wegen der hohen Risikoprämien. Die Lage an den Kreditmärkten hat sich etwas entspannt. Das steht aber im Gegensatz zu den skeptischen Erwartungen der Ratingagenturen.
Von Stefan RuhkampArcandor, General Motors und Chrysler sind schon zum Schrecken für ihre Gläubiger geworden. Und die Liste der Unternehmen, die ihre Schulden nicht vollständig begleichen, wird täglich länger. Trotzdem hat sich die Stimmung auf den Kreditmärkten entspannt. Der Itraxx-Crossover, ein verlässliches Krisenbarometer, ist seit seinem Rekordhoch im März von rund 1200 auf 750 Punkte gefallen.
Die Absicherung von Forderungen gegen 50 finanzschwache europäische Unternehmen hat sich also um durchschnittlich rund 3,5 Prozentpunkte im Jahr verbilligt. Auch die Risikoprämien der Unternehmensanleihen, also der Zinsabstand zu sicheren Staatsanleihen, ist seitdem spürbar gefallen.
Entspannung am Kreditmarkt steht im Gegensatz zu den Erwartungen der Ratingagenturen
Diese Entspannung steht im Widerspruch zu den Erwartungen der Ratingagenturen. Die Analysten der Ratingagenturen warnen vor der wohl schlimmsten Pleitewelle seit dem Zweiten Weltkrieg. Schon in den vergangenen zwölf Monaten konnten in Amerika 8 Prozent und in Europa 5 Prozent der finanzschwachen Unternehmen nicht mehr genug Geld für Zins und Tilgung aufbringen. Standard & Poor’s erwartet, dass der Höhepunkt der Zwölfmonats-Ausfallrate in Amerika im ersten Quartal des kommenden Jahres erreicht wird. Dann werden rund 14 Prozent der heute mit der Note „BB+“ oder schlechter bewerteten Unternehmen insolvent sein. Wenn es schlecht läuft, könnte die Ausfallrate sogar auf 18 Prozent der finanzschwachen amerikanischen Anleiheemittenten steigen.
„Aber man muss ja auch nicht unbedingt die riskantesten Anleihen kaufen“, sagt Uwe Burkert, Leiter des Kredit-Research der Landesbank Baden-Württemberg. Eine bessere Wahl seien Unternehmensanleihen der Kategorie Investment Grade, die mit „BBB–“ oder besser bewertet sind. Sie böten verlockende Risikoprämien bei geringeren Ausfallrisiken. Die höchste jemals erreichte einjährige Ausfallrate für Investment-Grade-Unternehmensanleihen habe es mit 1,5 Prozent im Jahr 1938 gegeben. Für eine Periode von fünf Jahren sei die höchste Ausfallrate in der Zeit von 1981 bis 1986 erreicht worden. Damals fielen 2,4 Prozent der 1981 als solide bewerteten Unternehmen in den folgenden fünf Jahren aus. Selbst wenn es wieder so schlimm käme, würden die Gläubiger mit den derzeitigen Risikoprämien gut entlohnt.
2009, ein Einkaufsjahr für Unternehmensanleihen?
Im Durchschnitt bieten mit „BBB“ bewertete europäische Industrieanleihen zum Beispiel eine Verzinsung von 5,8 Prozent bei einer Laufzeit von fünf Jahren. Das sind 3 Prozentpunkte mehr, als Käufer von Bundesanleihen erwarten dürfen. „Obwohl die Risikoprämien schon gefallen sind, bekommt man also immer noch deutlich mehr bezahlt, als man selbst für ein pessimistisches Szenario als Ausgleich fordern müsste“, sagt Burkert. Auch bei der DZ-Bank rät man trotz der Pleitewelle zum Mut: 2009 sei sicher schon ein Einkaufsjahr für Unternehmensanleihen. Vor allem die Branchen Telekommunikation und Versorger seien vielversprechend. Sie seien wenig abhängig von der Konjunktur.
Und wie viel Rendite ist mit solchen Anleihen möglich? Die im Jahr 2020 fällige Eon-Anleihe ermöglicht Käufern eine Rendite von etwa 4,8 Prozent. Autoanleihen sind höher verzinst, werden von vielen Analysten allerdings argwöhnisch beurteilt. Wer sich dennoch schon im vergangenen Winter für die im Jahr 2015 fällige Daimler-Anleihe entschieden hat, freut sich heute über einen Kursgewinn von gut 25 Prozent. Wer nun zum höheren Preis einsteigt, kann mit einer jährlichen Rendite von 5,5 Prozent rechnen – sofern das Unternehmen auch in sechs Jahren noch zahlen kann. Noch mehr Zinsen musste kürzlich der Stahlkonzern Thyssen-Krupp bieten, um genügend Käufer für die neue fünfjährige Anleihe zu finden. Sie ist mit 8 Prozent verzinst, und der Kupon erhöht sich auf 9,125 Prozent, wenn die Kreditnoten unter „BBB–“ gesenkt werden.
Auch bei Unternehmensanleihen ist Gier schädlich -
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 18.06.2009, 21:51 Uhr