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Samstag, 11. Februar 2012
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Finanzmärkte Staatsschulden führen zu Inflationsrisiken

23.02.2010 ·  Die fiskalischen Probleme der Industriestaaten nähern sich langsam aber sicher einem Siedepunkt, zeigt eine Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Ändert sich das Ausgabeverhalten nicht, explodieren die Staatsschulden.

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Das absolute Niveau von Schulden spielte in der konventionellen Makroökonomie, wie sie an den Universitäten gelehrt und in der Praxis gelebt wurde, bisher kaum eine Rolle. Das scheint sich nun langsam zu ändern, nachdem das Platzen von Vermögenspreisblasen in Verbindung mit dem Abbau der Überschuldung von Konsumenten und Finanzunternehmen zur jüngsten Krise maßgeblich beigetragen haben.

Nun allerdings geraten die öffentlichen Haushalte im Rahmen zum Teil gigantischer keynesianischer Ausgabenprogramme bei gleichzeitig massiv sinkenden Einnahmen in eine Schuldenspirale. Manchen, zum Beispiel einem bekannten Nobelpreis tragenden Kolumnisten, gehen die Schulden nicht weit genug. Sie wollen noch mehr Verbindlichkeiten anhäufen, um gegen die deflationären Effekte ankommen zu können.

Wie lange haben Rentenhändler noch Vertrauen in die Staatsfinanzen?

Solche Ansinnen werden jedoch nicht nur durch die offensichtliche Erfolglosigkeit solcher Strategien in Japan ad absurdum geführt, sondern eine Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zeigt die immensen Risiken, die sie mit sich bringen. Unter dem Titel ”The Future of Public Debt: Prospects and Implications” analysieren die Autoren S. Cecchetti, M. Mohanty und F. Zampolli die Lage der öffentlichen Haushalte der Industriestaaten und die möglichen Konsequenzen des Ausgabeverhaltens.

Die im historischen Vergleich sehr tiefen Renditen an den Rentenmärkten zeige zwar, dass die Rentenhändler bisher noch Vertrauen in die finanzielle Substanz der Industriestaaten hätten. Allerdings sei ihr Zeithorizont vergleichsweise kurz und betrage nur Tage oder gar Wochen. Blicke man dagegen weiter in die Zukunft, so näherten sich die fiskalischen Probleme der Industriestaaten langsam aber sicher einem Siedepunkt. Angesichts der alternden Bevölkerungen, unterfinanzierter Rentenversprechen, niedriger Einnahmen und geringer Wachstumsaussichten sei es nur eine Frage der Zeit, bis die Märkte viel höhere Risikoprämien von den Regierung für die Finanzierung ihrer extravaganten Ausgabeverhalten einforderten, heißt es in der Studie.

In manchen Staaten sei schon jetzt eine Schuldendynamik erkennbar, in der zunehmende Schulden zu steigenden Zinsen und in der Folge zu noch höheren Schuldenniveaus führten. Sollten die Industriestaaten dieser Dynamik nicht bald und rigoros begegnen, so werde es für die Zentralbanken bald schwierig werden, die Inflationserwartungen unter Kontrolle zu halten. Letztlich entstehe die Gefahr, dass das gegenwärtige Finanzsystem als solches seine Glaubwürdigkeit verliere. Die Ankündigung solcher Maßnahmen gebe Raum, eine weitere Erholung von der Krise abzuwarten, bevor gespart werden und die Einnahmen erhöht werden müssten.

Sollte sich das Ausgabeverhalten der Staaten nicht ändern, werden die Staatsschulden explodieren

Die aktuelle Krise gleiche keiner der vergangenen, erklären die Autoren der Studie weiter. Denn viele Staaten seien auf absehbare Zeit nicht in der Lage, auf das Wachstumsniveau vor der Krise zurückzukehren. Aus diesem Grund müssten Arbeitsmarktmaßnahmen und öffentliche Investitionen länger als in Krisen der Vergangenheit beibehalten werden, während das Einnahmeniveau dauerhaft vergleichsweise tief bleibe. Das macht die Lage in vielen Industriestaaten schwierig, nachdem sie sich bisher vielfach selbst in Boomphasen durch strukturelle Defizite - unter anderem auch chronisch unterfinanzierte Rentensysteme - auszeichneten. Die Erfahrung lehre, dass Wirtschafts- und Finanzpolitiker nicht sparen können und wollen, es sei denn, es bleibe keine andere Lösung mehr.

Sollte sich das Ausgabeverhalten der Staaten jedoch nicht ändern, würden die Schulden der Industriestaaten selbst bei vergleichsweise tiefen Zinsen und moderatem Wachstum in den kommenden Jahren förmlich explodieren (baseline scenario). Aus diesem Grund haben Länder wie die Vereinigten Staaten oder auch Großbritannien abgekündigt, ihre Budgetdefizite in den kommenden Jahren deutlich reduzieren zu wollen. Das jedoch würde die dramatische Entwicklung nur etwas vermindern (small gradual adjustment). Um zu einer Schuldenstabilisierung oder einem -abbau zu kommen, müssen Sparmaßnahmen mit der Deckelung von Rentenzahlungen verknüpft werden, zeigt die Studie.

Sollten solche Maßnahmen nicht eingeleitet werden, seien inflationäre Risiken wahrscheinlich. Denn erstens sei es praktisch unmöglich, stetig zunehmende Staatsschulden bei divergierenden monetären und fiskalischen Zielen ohne aufkommende Inflationserwartungen in die Zukunft zu rollen. Zweitens könnten die Zentralbanken politisch unter Druck geraten, die realen Schulden „weg zu inflationieren“. Das jedoch würde zu steigenden Realzinsen führen.

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