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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Finanzmärkte Hoffnung und Unsicherheit vor der Wahl in Griechenland

 ·  Die griechische Krise bewegt die Gemüter. Während Verwegene nun Wertpapiere kaufen, sorgen sich die Bankkunden nicht nur in Griechenland. Es herrscht Zurückhaltung.

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© dpa Erstmal entspannen: Touristen an der Akropolis kurz vor der Wahl in Griechenland

Hoffnung und Zurückhaltung haben das Geschehen an den Finanzmärkten kurz vor den Wahlen in Griechenland geprägt. Während besonders aus der angelsächsischen Welt ein weiteres Mal Warnungen vor Chaos an den Märkten nach einem als ungünstig aufgenommenen Wahlergebnis beschworen wurden, nutzten risikobereite Investoren die Gelegenheit zu Käufen. So ist der Index der griechischen Bankaktien seit dem 5. Juni um 32 Prozent gestiegen. Das führende Marktbarometer für den spanischen Aktienmarkt, der Ibex-Index, hat seit Monatsanfang um 12 Prozent zugelegt.

Bemerkenswert ist auch die Kursentwicklung am portugiesischen Anleihemarkt, an dem ganz anders als am nachbarlichen spanischen Anleihemarkt die Renditen seit einiger Zeit fallen (siehe Grafik). Die Rendite der zweijährigen Staatspapiere liegt nur noch knapp über der Marke von 8 Prozent. Die Renditeabstände zwischen portugiesischen und spanischen Staatspapieren haben sich in den vergangenen Wochen deutlich reduziert.

Hoffnungen ruhen auf Export

Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat in einem Zeitungsgespräch mit einem portugiesischen Medium die Reformfortschritte in dem südwesteuropäischen Land gelobt. Nach einem Bericht der Bank von Portugal haben die Geschäftsbanken des Landes trotz ihrer schwierigen Lage im Frühjahr ihre Kredite an die Exportwirtschaft ausgeweitet. Auf dem Export ruhen die Hoffnungen auf eine Erholung der Konjunktur.

Der Risikofreude mancher Anleger in Europa steht eine Verunsicherung von Bankkunden gegenüber. Das gilt unter anderem für deutsche Kunden der deutschen Tochtergesellschaft der spanischen Großbank Santander. Die auf Privatkunden spezialisierte Santander Consumer Bank verwies in Reaktion auf zahlreiche Anfragen, dass sie der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken angeschlossen sei. Über diese gesetzliche Sicherungseinrichtung werden maximal 100.000 Euro je Kunde geschützt. Darüber hinaus gehört das Institut dem Einlagenfonds deutscher Banken an, der vom privaten Bankenverband verwaltet wird. Dieser Sicherungstopf sichert die Einlagen, die nicht von der gesetzlichen Einlagensicherung abgedeckt werden. Das sind je Kunde der Santander Consumer Finance 459 Millionen Euro.

Für die Kunden der ING-Diba, einer Tochtergesellschaft der niederländischen ING, liegt der durch die Sicherungseinrichtung der privaten Banken abgesicherte Betrag sogar bei 1,35 Milliarden Euro je Kunde. Der Einlagenfonds schützt alle Guthaben von Privatpersonen, Unternehmen und öffentlichen Stellen. Allerdings hat der Einlagenfonds der privaten Banken nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers eine staatliche Garantie benötigt, um die Einlagen deutscher Kunden bei der Frankfurter Tochtergesellschaft von Lehman zurückzahlen zu können.

„Wir haben die Instrumente dafür“

Deshalb wird die Einlagensicherung der privaten Banken auch reformiert und stufenweise reduziert. Im Jahr 2025 sinkt damit der Betrag für die ING-Diba auf knapp 395 Millionen Euro je Kunde. Dagegen setzen Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken auf das Konzept der Institutsicherung. Damit werden letztendlich alle Kundeneinlagen garantiert, weil angeschlagene Institute durch andere Sparkassen oder Volksbanken aufgefangen werden.

Unterdessen wird die Kapitalflucht aus Euroländern mit Finanzproblemen für Nicht-Euroländer in Skandinavien immer mehr zum Problem. So hat die dänische Notenbank im Mai ihre Zinsen zwei Mal gesenkt. Für Übernachteinlagen bei der Notenbank erhalten Geschäftsbanken nur noch 0,05 Prozent. Um die Krone im Zielband gegenüber dem Euro zu halten, ist die Notenbank inzwischen bereit, negative Zinsen einzuführen. „Wir haben die Instrumente dafür“, kündigte sie nach der jüngsten Zinssenkung an. Die Renditen dänischer Staatsanleihen sind im Laufzeitenbereich von bis zu zwei Jahren negativ.

Angebot eignet sich nicht für Kleinanleger

Als sicheren Hafen für ihr Geld nehmen besorgte Anleger seit Beginn der Euro-Krise nicht nur Dänemark, sondern auch die ebenfalls in Kronen zahlenden skandinavischen Nachbarländer Schweden und Norwegen wahr. Eine Sonderstellung genießt dabei Norwegen: Das Königreich gehört weder der Europäischen Union noch der Währungsunion an und verfügt außerdem über reiche Öl- und Gasvorkommen vor seiner Küste.

In der vergangenen Woche hat die mit Abstand größte norwegische Bank DNB unter anderem in dieser Zeitung für sogenannte Multiwährungskonten geworben, die sie ausländischen Kunden über ihre Tochtergesellschaft in Luxemburg anbietet. Sicher dürfte diese Anlagemöglichkeit tatsächlich sein: Zum einen hat das Institut für das vergangene Jahr einen Gewinn von rund 1,5 Milliarden Euro und eine Kernkapitalquote von 9,4 Prozent ausgewiesen, zum anderen ist der überaus liquide norwegische Staat mit 34 Prozent der Anteile größter Aktionär. Für den Kleinanleger eignet sich das Angebot jedoch nicht: Die Mindesteinlagensumme beträgt 500.000 Euro.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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