Die Anleger agieren manchmal sehr kurzsichtig. Anders lassen sich kurzfristige Kursreaktionen auf viele Meldungen nicht erklären. Das wurde am Dienstag wieder einmal deutlich am Beispiel eines Interviews, das der bekannte, erfolgreiche und entsprechend vermögende Anleger Warren Buffett mit dem amerikanischen Fernsehsender CNBC geführt hatte.
Er hatte im Verlauf der Gesprächs erklärt, den angeschlagenen Kreditversicherern MBIA, Ambac und FGIC angeboten zu haben, die finanzielle Verantwortung für kommunale Anleihen im Wert von 800 Milliarden Dollar zu übernehmen. Schnellatmige, reflexorientierte Anleger werteten diese Aussage positiv in dem Sinne, dass sie daraus eine Lösung der schwierigen Lage dieser Unternehmen ableiteten.
Buffett versucht Rosinen zu picken - und läßt die wirklichen Risiken liegen
Das ist allerdings ein Trugschluss. Denn Buffett hat lediglich Interesse an soliden Anlageformen bekundet und die Übernahme der wirklichen Risiken dagegen ausdrücklich ausgeschlossen. So dürfte kaum verwundern, dass die Anleiheversicherer ablehnend oder überhaupt nicht auf Buffetts Angebot eingingen. Schließlich hat Buffett vor kurzem ein Konkurrenzunternehmen gegründet und versucht auf diese Weise den originären und profitablen Teil des Geschäfts an sich zu ziehen, während die bestehenden Kreditversicherer auf den problematischen Positionen sitzen blieben.
Aus diesem Grund ist Buffetts Angebot nicht nur keine Lösung für die Probleme der durch die leichtsinnige Versicherung hoch riskanter und vielfach wertloser Kreditderivate entstandenen Probleme dieser Unternehmen, sondern er verschlimmert ihre Lage zusätzlich: Da künftig der Wettbewerb noch intensiver werden wird, dürfte die Aussicht auf eine ertragreiche Fortsetzung des operativen Geschäfts und indirekt auf eine Rekapitalisierung zu vernünftigen Konditionen noch geringer werden, als sie bisher schon war.
Aus diesem Grund dürften die Verlustrisiken in der Finanzbranche, die viele ihrer Kreditkontrakte bei den so deutlich angeschlagenen Kreditversicherern rückversichert hatte, noch größer werden als bisher schon. MBIA, Ambac und FGIC und kämpfen trotz massiver Verluste und trotz der hohen Wahrscheinlichkeit, künftig für Werteinbußen bei Kreditderivaten in Anspruch genommen zu werden, um ihr AAA-Rating, das nach Ansicht kritischer Beobachter von Anfang an auch schwachen Füssen stand.
Krasses Missverhältnis zwischen versicherter Summe und Kapitalbasis
Denn sollte sie den Status der höchsten Kreditqualität verlieren, so müssten viele institutionelle Anleger aufgrund ihre Anlagebestimmungen Papiere, die sie bei ihnen versichert hatten, verkaufen. Auf diese Weise könnte eine wahre Kettenreaktion ausgelöst werden, die an den Kreditmärkten und indirekt an den Finanzmärkten in Form von Zwangsverkäufen zu einer Wertspirale nach unten führen könnten. Denn wer auf die Schnelle Kapital benötigt, wird zuerst die Vermögenswerte verkaufen, die am liquidesten sind.
Die Kreditversicherer konnten im Rahmen des hohen Risikoappetits der vergangenen Jahre und im naiven Glauben an die Diversifikationskünste der Finanzingenieure aufgrund ihres AAA-Ratings mit einer sehr geringen Kapitalbasis Kreditinstrumente im Nominalwert von 2,4 Billionen Dollar versichern. Eine Analyse von JPMorgan Chase zeigt, dass daraus - insbesondere aber aus der Expansion in die Versicherung von CDOs und ähnlichen Kreditderivaten, Verluste von mehr als 40 Milliarden Dollar resultieren könnten. Das ist deutlich mehr, als das, was die Kapitalbasis der Unternehmen tragen kann. MBIA kommt nach den massiven Kursverlusten der vergangenen Monate noch auf eine Marktkapitalisierung von 2,7 Milliarden Dollar und Ambac ist gerade noch eine Milliarde Dollar wert.
Insgesamt wird deutlich, dass die Kreditversicherer noch lange nicht gerettet sind. Deswegen und aufgrund des anhaltenden Preisverfalls am amerikanischen Immobilienmarkt dürften weder die Kreditkrise beendet noch die Risiken für die Finanzmärkte ausgestanden sein.
Ein dauerhaftes Downsizing der US-Wirtschaft?
Fionn Huber (fionn)
- 14.02.2008, 11:12 Uhr