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Freitag, 17. Februar 2012
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Finanzmärkte Anleger lassen sich Risiken höher bezahlen

22.04.2005 ·  Die Risikoprämien an den Zinsmärkten sind zuletzt wieder gestiegen. Insgesamt bewegen sich die Renditeaufschläge aber noch immer auf niedrigem Niveau. Auch die Ausfallraten gehen weiter zurück.

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Die Gefahrenzulagen sind auf den Zinsmärkten in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Für Anleger, die heute kaufen, hat das den Vorzug, daß sie für das Risiko, daß ein Schuldner nicht zahlt, besser entlohnt werden. Wer allerdings schon solche Anleihen besitzt, muß Kursverluste hinnehmen. Bei Unternehmensanleihen war es die Krise um den Autohersteller General Motors, die die Investoren stutzig gemacht hat.

Aber auch auf anderen Märkten, insbesondere bei Schwellenländeranleihen, hat die Risikoscheu zugenommen. Doch trotz der wieder wachsenden Zurückhaltung vieler Anleger ist das Niveau der Renditeaufschläge für riskantere Titel immer noch niedrig.

"Deshalb glaube ich auch nicht, daß die Korrektur auf den Markt für Schwellenländeranleihen bereits beendet ist", sagt Oliver Stönner, Anleihe-Experte bei der Commerzbank. Im März war die durchschnittliche Risikoprämie für Schwellenländer auf ein langjähriges Tief gefallen. Käufer konnten nur noch ein Renditeplus von durchschnittlich 3,3 Prozentpunkten im Vergleich zu Titeln der Vereinigten Staaten erwarten.

Inzwischen ist dieser Abstand zwar auf knapp 4 Prozentpunkte gestiegen, aber selbst das ist relativ wenig. Im vergangenen Jahr waren noch mehr als 5 Prozentpunkte drin, und während der Asien-Krise Ende der neunziger Jahre waren die Risikoprämien sogar zweistellig.

Unterschiedliche Annahmen zum Konjunkturwachstum sorgen für Verwirrung

Stönner glaubt nicht, daß dieses Niveau wieder erreicht wird. Aber mit einer weiteren Ausdehnung der Renditeaufschläge sei zu rechnen, was mit Kursverlusten verbunden wäre. Ursache für die jüngste Schwäche des Marktes seien die Zinserwartungen in Amerika, wo die Notenbank ihren Leitzins in den vergangenen Monaten schon von 1 auf 2,75 Prozent erhöht hat und weitere Anhebungen absehbar sind. Das verteuere den Schuldendienst für die Schwellenländer und es mache sichere Anlagen wieder interessanter im Vergleich zu Risikopapieren, sagt Stönner. Da die amerikanische Wirtschaft weiterhin mit hohem Tempo wachse, sei auch mit weiter steigenden Zinsen zu rechnen.

Paradoxerweise werden die Wachstumsaussichten der Wirtschaft auf dem Markt für Unternehmensanleihen umgekehrt eingeschätzt. Hier werden derzeit eher die Risiken betont, daß sich das Wachstumstempo der Vereinigten Staaten abschwächen wird. Das würde zwar die Notwendigkeit von weiteren Leitzinserhöhungen verringern. Zugleich würden aber die Ertragsaussichten der Unternehmen verschlechtert und damit ihre Fähigkeit, den Schuldendienst zu verrichten.

Diese Befürchtungen hält Robert McAdie, Stratege für Unternehmensanleihen bei Barclays Capital, für übertrieben. Selbst wenn sich das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft unerwartet stark verlangsame und statt der erhofften 4 nur 3,5 Prozent erreiche, seien das immer noch gute Bedingungen für die Schuldner. Das Wachstum der Unternehmensgewinne habe sich zwar bereits abgeschwächt, "aber das ist nichts Dramatisches", sagt McAdie. Er glaubt deshalb nicht, daß die jüngsten Kursverluste auf dem Markt für Unternehmensanleihen der Beginn einer grundlegenden Neubewertung sind.

Kein Ausverkauf erwartet

Die kann auch Jan Holthusen, Rentenexperte der DZ Bank, nicht erkennen. Es habe eine heilsame Korrektur der niedrigen Risikoprämien gegeben, aber es werde nicht zu einem Ausverkauf kommen. Dazu sei die Liquidität der Anleger und damit ihr Appetit auf Anlagen mit höheren Renditen zu groß.

Unterstützt wird die optimistische Einschätzung von den Daten der Ratingagenturen. So hat Standard&Poor's am Dienstag den langjährigen Tiefstand der Ausfallraten gemeldet. In den vergangenen zwölf Monaten konnten nur 2 Prozent der besonders bonitätsschwachen amerikanischen Unternehmen (BB+ oder schlechter) nicht mehr genug Geld für Zins und Tilgung ihrer Anleihen aufbringen. Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre lag dieser Wert bei 4,8 Prozent. S&P erwartet, daß die Ausfallquote in den kommenden Monaten weiter fällt.

Quelle: F.A.Z., 23.04.2005, Nr. 94 / Seite 25
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