30.12.2009 · Skeptisch beurteilen die Banken die Perspektiven an den Anleihemärkten im kommenden Jahr. In den bevorstehenden zwölf Monaten rechnen die Analysten mit einem Renditeanstieg bei den maßgeblichen Schuldtiteln, was mit Kursverlusten verbunden ist.
Skeptisch beurteilen die Banken die Perspektiven an den Anleihemärkten im kommenden Jahr. In den bevorstehenden zwölf Monaten rechnen die Analysten mit einem Renditeanstieg bei den maßgeblichen Schuldtiteln, was mit Kursverlusten verbunden ist.
Für die zehnjährige Bundesanleihe prognostizieren die Kreditinstitute für das Jahresende 2010 eine Rendite von 3,83 Prozent. Dies entspricht einem Anstieg gegenüber dem aktuellen Niveau von fast einem halben Prozentpunkt.
Erwartungen eines geldpolitischen Wechsels nehmen zu
Nicht ganz so pessimistisch wirken die Erwartungen für die zehnjährige amerikanische Staatsanleihe, die Ende 2010 bei 4,07 Prozent gesehen wird. Das sind gerade mal 22 Basispunkte mehr als gegenwärtig. Doch ist dies vor allem darauf zurückzuführen, dass die Rendite seit Anfang Dezember bereits um 60 Basispunkte gestiegen ist. Auslöser dafür waren die positiv interpretierten amerikanischen Arbeitsmarktdaten, die auf eine Stabilisierung der Konjunktur hindeuten. Damit nehmen aber die Erwartungen eines geldpolitischen Wechsels zu, also des Ausstiegs aus dem extrem expansiven Kurs, mit dem die Notenbanken auf die Krise reagiert hatten. Dass die amerikanische Zentralbank Federal Reserve nun ein Instrument zur Beendigung der Nullzinspolitik vorgestellt hat, bestätigt die Markterwartungen.
Für Birgit Figge, Zinsstrategin der DZ Bank, wird das beherrschende Thema am Rentenmarkt im kommenden Jahr der Ausstieg der Notenbanken aus der expansiven Politik sein. Ihrer Ansicht nach wird die Rendite bei der zehnjährigen Bundesanleihe aktuell noch durch die reichlich am Markt vorhandene Liquidität gedrückt. Diese dürfte aber mit der schrittweisen Rückführung der Liquidität ansteigen. So wird die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Offenmarktgeschäfte wieder etwas restriktiver gestalten. Die Geschäftsbanken werden 2010 nicht mehr so viel Liquidität erhalten, wie sie nachfragen. Insgesamt wertet Figge das Umfeld für Staatsanleihen negativ. Neben der Diskussion über das Ende der Niedrigzinspolitik der Notenbanken belasten ihrer Ansicht nach aufkeimende Inflationssorgen und die exzessive Staatsverschuldung den Markt.
Steigen auch die Geldmarktsätze?
Auch für Unicredit-Analyst Kornelius Purps werden die Ausstiegsmaßnahmen der Notenbanken die stärkste Triebkraft hinter den Renditeveränderungen im kommenden Jahr sein. "Die Zentralbanken in den Vereinigten Staaten, Großbritannien und im Euro-Raum sind bereits jetzt dabei, Maßnahmen zu ergreifen, um die Hunderte Milliarden Dollar, Pfund und Euro an überschüssiger Liquidität aus dem Finanzsystem abzuziehen", sagt er. Dies werde im Jahresverlauf zu einem deutlichen Anstieg der Geldmarktsätze wie etwa Eonia oder Euribor führen, was gleichbedeutend mit höheren Finanzierungskosten sei. Damit würden Zinsdifferenzgeschäfte unattraktiver. Darunter verstehen Marktteilnehmer eine Anlagestrategie der Banken im zu Ende gehenden Jahr. Die Institute haben sich bei den Notenbanken extrem günstig Geld beschafft und dieses dann in höherverzinsliche, länger laufende Anleihen investiert.
"Mit steigenden Geldmarktsätzen werden diese Geschäfte zunehmend unattraktiver", sagt Purps. Das Auflösen bestehender Positionen wird seiner Ansicht nach zu einem Anstieg der langfristigen Renditen führen. Den größten Schub in Richtung höherer Renditen erwartet der Unicredit-Analyst im Sommer, wenn ein Offenmarktgeschäft der EZB über 442 Milliarden Euro fällig wird.
Wie die Analysten der Société Générale in ihrem Jahresausblick schreiben, stehen für die Investoren am Anleihemarkt belastende Themen im Vordergrund. Dazu zählen die mittelfristigen Inflationssorgen, aber auch die Kreditwürdigkeit einzelner Staaten. Die Überschuldung Griechenlands und anderer Staaten dürfte weiterhin für Verunsicherung sorgen.