05.06.2008 · Moody's, Standard & Poor's und Fitch müssen selbst transparenter werden. Denn ihre finanzielle Abhängigkeit von den Emittenten erwies sich als problematisch. Nun stehen sie vor einem Vergleich mit dem New Yorker Generalstaatsanwalt. Aber einige Kritikpunkte bleiben offen.
Von Norbert Kuls, New YorkDie wegen ihrer Rolle in der Finanzkrise in die Kritik geratenen drei großen amerikanischen Kreditbewertungsagenturen wollen ihre Gebührenstruktur ändern. Damit sollen in Zukunft Anreize für die Agenturen vermieden werden, Wertpapieren möglichst hohe Bonitätsnoten zu geben. Die Pläne sind einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge Teil eines Vergleichs der Ratingagenturen mit dem Generalstaatsanwalt von New York, Andrew Cuomo.
Mit einer offiziellen Ankündigung wird noch in dieser Woche gerechnet. Cuomo hatte seit Monaten auf eine Reform der Bewertungsmethoden bei den Ratingagenturen gedrängt. Den Agenturen Moody's Investors Service, Standard & Poor's und Fitch Ratings wurde vorgeworfen, Kreditverbriefungen mit zu hohen Bonitätsnoten versehen und zu spät auf deren Wertverfall reagiert zu haben. Zweitklassige, mit sogenannten Subprime-Hypotheken besicherte komplexe Anleihen stehen im Zentrum der aktuellen Kreditkrise. Der Wert dieser Anleihen war aufgrund steigender Zahlungsausfälle bei Immobiliendarlehen stark gefallen. In einer Kettenreaktion hatte die Krise im amerikanischen Hypothekenmarkt zu starker Verunsicherung an den internationalen Kapitalmärkten geführt.
Ratingagenturen sind abhängig von den Emittenten
Die Einigung mit Cuomo reagiert auf eine zunehmend kritisierte Praxis der Bonitätsbewertung: Die Emittenten der Anleihen zahlen für die Bewertung. Diese finanzielle Abhängigkeit wurde als Grund für die späte Reaktion der Ratingagenturen auf die Subprime-Krise angeführt.
Bisher sah die Praxis so aus: Alle Ratingagenturen prüften vorläufig eine neue Emission. Aber nicht alle Agenturen bewerteten letztlich das Wertpapier. Gezahlt wurde nur, wenn es zu einem Auftrag für die Bewertung, einem Rating kam. Das sorgte theoretisch für einen Anreiz bei den Agenturen, eine möglichst gute Note zu vergeben, um den Auftrag des Emittenten zu erhalten. In Zukunft sollen die Ratingagenturen schon für ihre vorläufige Prüfung bezahlt werden. Das heißt, selbst bei einer potentiell schlechten Bonitätsnote und harten Bewertungsstandards erhielten die Firmen Geld.
Nicht alle Kritikpunkte sind berücksichtigt
Das Abkommen zwischen Cuomo und den Agenturen geht damit allerdings nicht auf Forderungen einiger Kritiker ein, die Zahlungen von Bewertungen durch die Emittenten ganz zu stoppen.
Die Ratingagenturen haben vorläufig auch zugestimmt, vierteljährlich die Gebühren zu veröffentlichen, die sie für die Bewertung von zweitklassigen Hypothekenanleihen erhalten. Brian Clarkson, der früher für das operative Geschäft von Moody's zuständige Manager, hatte im vergangenen Jahr eingeräumt, dass Anleiheemittenten auf der Suche nach den besten Noten mehrere Agenturen prüften.
Marktteilnehmer wussten bisher nicht, welche Agenturen zwar bestimmte Emissionen analysiert haben, aber nicht den Auftrag für ihre Bewertung erhielten. Clarkson, der als die treibende Kraft von Moody's in dem Bereich komplexer hypothekenbesicherter Anleihen galt, verließ die Agentur Anfang des vergangenen Monats.
Erste Verbesserungen tat Cuomo als „Kosmetik“ ab
Die Ratingagenturen hatten im Februar bereits mit eigenen Verbesserungsvorschlägen auf die anhaltende Kritik an ihren Methoden reagiert. Moody's wollte die Noten für die komplexen Anleihen, die auch als strukturierte Finanzinstrumente bekannt sind, unter anderem mit Warnhinweisen für Investoren versehen. Zudem sollen die Unterschiede zu traditionellen, etwa von Unternehmen oder Staaten emittierten Anleihen deutlicher gemacht werden.
Fitch forderte höhere Sicherheiten, bevor die Agentur Spitzennoten vergibt. Standard & Poor's wollte interne Interessenkonflikte reduzieren und die Qualität der Bewertung verbessern. Cuomo hielt diese freiwilligen Reformvorschläge allerdings nicht für ausreichend und bezeichnete sie als „Augenwischerei“ und „kosmetische Vertrauenswerbung“.
Er drängte daher weiter auf einen branchenweiten Vergleich, um die Reformvorschläge der Agenturen zu koordinieren. Das ähnelt dem Vorgehen von Cuomos Vorgänger Eliot Spitzer, der vor einigen Jahren mit einem branchenweiten Vergleich eine Reform der Aktienanalyse bei Investmentbanken erreicht hatte. Cuomo, der als weniger konfrontativ als Spitzer gilt, verzichtete allerdings auf Geldstrafen für die Ratingagenturen. Spitzer, der später zum Gouverneur gewählt wurde und jüngst über einen Sex-Skandal gestolpert ist, hatte bei Investmentbanken auf Geldstrafen in Milliarden-Dollar-Höhe gedrängt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.757,94 | +0,44% |
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| REX | 421,24 | −0,10% |
| Eurostoxx 50 | 2.493,96 | +0,23% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,55 | +0,36% |
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| Nasdaq 100 | 2.556,01 | −0,75% |
| S&P500 | 1.343,23 | −0,54% |
| Nikkei225 | 9.260,34 | +2,30% |
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