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Finanzkrise Sorge um Freddie Mac und Fannie Mae

11.07.2008 ·  Die beiden amerikanischen Hypothekenfinanzierer sind von der Immobilienkrise schwer getroffen. Jetzt machen sogar Gerüchte einer bevorstehenden Zahlungsunfähigkeit die Runde. Aus der Luft gegriffen sind diese nicht. Die amerikanische Regierung arbeitet schon an einem Rettungsplan.

Von Claus Tigges
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Die Talfahrt der Aktienkurse der beiden staatlich geförderten amerikanischen Immobilienfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae hat sich am Donnerstag beschleunigt. Freddie Mac verloren bis zu 34 Prozent an Wert. Fannie Mae büßten um bis zu 24 Prozent ein. Die Kurse beider Aktien erreichten das tiefste Niveau seit Anfang der neunziger Jahre. Beide Papiere haben im vergangenen Jahr schon mehr als drei Viertel an Wert verloren.

Als Grund für den jüngsten Kursrutsch nannten Marktbeobachter zum einen die Herabstufung der Freddie-Mac-Aktie durch die Analysten der Investmentbank UBS, und zum anderen Äußerungen des früheren Präsidenten der Fed von St. Louis, William Poole. Dieser hatte darauf hingewiesen, dass die Verbindlichkeiten von Freddie Mac Ende des ersten Quartals 5,2 Milliarden Dollar höher waren als die Vermögenswerte. „Der Kongress sollte einsehen, dass diese Unternehmen zahlungsunfähig sind. Sie bestehen als Festungen der Privilegierten fort, finanziert durch die Steuerzahler“, sagte Pool der Nachrichtenagentur Bloomberg. Eine staatliche Rettung, die er ablehne, werde immer wahrscheinlicher, sagte Poole.

Washington arbeitet an Rettungsplänen

Zuvor war bekannt geworden, dass die amerikanische Regierung Rettungspläne schmiedet für den Fall, dass Freddie Mac und Fannie Mae vom Zusammenbruch bedroht wären. In der Diskussion, die zwischen dem Finanzministerium, der Notenbank Federal Reserve (Fed) und anderen Behörden geführt wird, geht es unter anderem um eine mögliche Kapitalspritze Washingtons, sollte es beiden Gesellschaften nicht gelingen, frisches Kapital auf dem Finanzmarkt aufzunehmen. Details verschiedener Rettungsszenarien sind noch nicht bekannt; doch bereiten sich Finanzminister Henry Paulson, der Fed-Vorsitzende Ben Bernanke und andere hochrangige Beamte auf den Ernstfall vor.

Freddie Mac und Fannie Mae stehen durch die Krise auf dem amerikanischen Häusermarkt und auf dem Markt für Hypothekendarlehen unter erheblichem finanziellen Druck. Beide Gesellschaften sind zwar privatwirtschaftlich organisiert, doch sie wurden in den sechziger Jahren vom Kongress mit dem Auftrag geschaffen, das Wohneigentum in Amerika zu fördern.

Sie tun dies vor allem, indem sie Hypothekendarlehen von traditionellen Baufinanzierern aufkaufen, diese bündeln und als Sicherheit für Anleihen benutzen, die dann auf dem Kapitalmarkt verkauft werden. Auf diese Weise versetzen sie die herkömmlichen Hypothekenbanken in die Lage, zusätzliche Kredite zu einem günstigeren Zins an Hauskäufer zu vergeben. Zusammen besitzen oder bürgen Freddie Mac und Fannie Mae für Hypothekenkredite von rund 5 Billionen Dollar; das entspricht rund der Hälfte aller Hypothekendarlehen in Amerika.

Märkte vertrauen auf die Regierung

Die amerikanische Regierung bürgt zwar nicht direkt für die Anleihen, doch es gilt weithin als wahrscheinlich, dass sie im Notfall einspringen würde. Diese implizite Garantie ermöglicht es Freddie Mac und Fannie Mae, sich besonders günstig auf dem Kapitalmarkt zu verschulden. Der Zins, den die beiden Gesellschaften für ihre Schuldverschreibungen bezahlen müssen, liegt nur wenig höher als der der Staatsanleihen mit erstklassiger Bonität.

Durch die Hypothekenkrise ist das Vertrauen vieler Investoren in Anleihen geschwunden, die mit Forderungen aus diesen Darlehen besichert sind. Freddie Mac und Fannie Mae haben in den neun Monaten bis Ende März zusammen Verluste von rund 11 Milliarden Dollar erlitten. Sie benötigen dringend frisches Kapital, doch es ist fraglich, ob sie dies im aktuellen Marktumfeld von privaten Investoren auftreiben können.

Kongress blockiert stärkere Kontrolle

Anleger sind zum einen besorgt, dass den beiden Gesellschaften durch fallende Hauspreise und eine steigende Zahl von Zwangsversteigerungen weitere Verluste beschert werden. Zum anderen befürchten Aktionäre eine Verwässerung ihres Firmenanteils durch eine Kapitalerhöhung. Anleihen von Freddie Mac und Fannie Mae finden immer noch Käufer, allerdings verlangen sie einen höheren Zins als noch vor einigen Monaten.

Verschiedene Versuche, Freddie Mac und Fannie Mae einer stärkeren Kontrolle zu unterziehen und eine Ausweitung ihres mitunter riskanten Geschäfts zu begrenzen, sind bisher im Kongress gescheitert. Die Parlamentarier sind dafür nur schwer zu gewinnen, denn keiner will sich vorhalten lassen, indirekt den Bürgern einen Stein in den Weg zu ihrem eigenen Heim gelegt zu haben.

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