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Veröffentlicht: 25.01.2013, 09:15 Uhr

Finanzkrise Fed drängte die EZB zur Dollarleihe

Die Protokolle der amerikanischen Notenbank korrigieren ein falsches Bild. Nicht die EZB verlangte nach Dollar in der vergangenen Finanzkrise. Die Initiative ging von Amerika aus.

von , Washington
© REUTERS U.S. Federal Reserve Chairman Ben Bernanke

Am Jahresende 2007 war die Finanzkrise, die am amerikanischen Markt für Hausfinanzierungen ihren Ausgang genommen hatte, einige Monate alt. Seit dem Sommer hatte eine schärfer werdende Liquiditätsknappheit die amerikanischen und europäischen Finanzmärkte erfasst. Im August stand die Industriekreditbank in Düsseldorf vor dem Abgrund. Sie wurde von der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zusammen mit anderen heimischen Banken herausgepaukt. Die IKB war über ein Finanzvehikel in großem Stil in amerikanische Immobilienpapiere schlechter Qualität (subprime) investiert.

Patrick Welter Folgen:

Der Fall der Hauspreise in den Vereinigten Staaten und die Neubewertung der Subprime-Papiere durch die Ratingagenturen riss die IKB als erste Bank in Europa in den Abgrund und ließ die Händler an den Finanzmärkten schaudern. Aus Unsicherheit hielten Banken und andere Finanzhäuser in Amerika und Europa ihr Geld zusammen. Für die Geldhäuser und auch Unternehmen wurde es schwieriger bis unmöglich, sich kurzfristig Geld zu leihen.

Die Sperrfrist ist vorbei...

Am 11. Dezember schritt die amerikanische Zentralbank Federal Reserve abermals zur Tat. Zum dritten Mal seit September senkte sie den Leitzins. In einer konzertierten Aktion verkündeten am folgenden Tag fünf Zentralbanken weitere Maßnahmen, um dem „erhöhten Druck auf den kurzfristigen Finanzierungsmärkten“ entgegenzuwirken. „Die Zentralbanken fluten die Geldmärkte“, hieß es damals in dieser Zeitung. Eine der Maßnahmen: Die Federal Reserve lieh in einem Tauschgeschäft (Swap) der Europäischen Zentralbank (EZB) 20 Milliarden Dollar und der Schweizerischen Nationalbank 4 Milliarden Dollar, um der Dollarknappheit in Europa entgegenzuwirken.

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Die in Amerika und in Europa weit verbreitete Erklärung dieser Dollarleihe ist, dass die Federal Reserve der EZB zu Hilfe eilte. Die Europäer hätten darum nachgesucht, um die Knappheit amerikanischer Devisen in Europa zu lindern. Tatsächlich aber ging die Initiative von der Federal Reserve aus. Das geht aus den Protokollen der Sitzungen des Offenmarktausschusses der Fed hervor, die jetzt nach fünf Jahren Sperrfrist veröffentlicht wurden.

“Wir sind schon seit einiger Zeit der Meinung, dass es hilfreich wäre, wenn die EZB mit uns eine Swap-Vereinbarung einginge“, sagte der Fed-Vorsitzende Ben Bernanke während einer Telefonkonferenz des Offenmarktausschusses am 6. Dezember. „Sie waren unwillig, sich darauf einzulassen, ausgenommen im Rahmen einer breiter angelegten Operation.“ Schon im August 2010 hatte Bernanke die Möglichkeit einer Dollarleihe erwogen, um die austrocknenden Dollar-Märkte in Europa zu stützen. Bis September hatte er darüber mehrfach mit dem damaligen EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet gesprochen, wie die Protokolle zeigen.

TAF - ein Instrument zur Krisenabwehr

Erst im Dezember aber akzeptierte die EZB dann die Dollarleihe - unter der Bedingung, dass die Federal Reserve zugleich mit der Term Auction Facility (TAF) monetäre Liquidität in die amerikanischen Geldmärkte einschleuste. „Okay, also ist es eine Paketlösung“, sagte der damalige Präsident der regionalen Fed von Minneapolis, Gary Stern, in der Sondersitzung des Offenmarktausschusses.

Mit der TAF schuf die Fed sich das erste neue geldpolitische Instrument zur Krisenabwehr. In mehreren Auktionen bot sie den Geschäftsbanken gegen Sicherheiten befristete Kredite im Wert von anfänglich insgesamt 40 Milliarden Dollar an. Die Fed erhoffte sich so, mehr Liquidität bereitzustellen als bei traditionellen Offenmarktgeschäften oder über das Diskontfenster. Sie hielt zugleich die Dollarleihe an die EZB für wünschenswert, weil auch in Amerika tätige europäische Banken, die ihren Finanzbedarf am dortigen Geldmarkt gedeckt hatten, in Dollar-Engpässe geraten waren. In Europa war ein weiteres Argument, dass mit der Dollarleihe der europäische Außenhandel gestützt werde.

 Dollar-Liquidität über den Umweg der EZB

Die Protokolle zeigen, dass den Mitgliedern des Offenmarktauschusses die Vorteile klar waren, Dollar-Liquidität über den Umweg der EZB an europäische Finanzhäuser zu verteilen, anstatt selbst direkt aktiv zu werden. Die EZB bot die Dollar den Banken im Euroraum gegen erstklassige Wertpapiere zur Leihe an und übernahm so das Risiko. Dennoch wurde die Fed später für die Dollarleihe in Amerika scharf kritisiert. Bernanke musste sich vor dem Kongress mehrfach gegen den Vorwurf verteidigen, er pauke auf Kosten Amerikas Europa und den Euro heraus.

Auch in der Fed gab es Bedenken: William Poole, der damalige Präsident der regionalen Fed von St. Louis, fragte in der Telefonkonferenz am 6. Dezember, ob die EZB denn mit rund 200 Milliarden Dollar nicht genügend eigene Reserven zur Verfügung habe, um Engpässe mildern zu können. Die Fed-Mitarbeiter verwiesen darob auf einen weiteren Vorteil des Tauschgeschäfts: Die Kooperation mit der EZB verschaffe der Fed bessere und frühzeitigere Informationen, was die EZB zur Bekämpfung der Krise tun wolle.

Die Dollarleihe zwischen der Fed und der EZB wurde mehrfach verlängert, dabei auch aufgestockt und endete im Februar 2010. Doch schon im Mai während der Griechenland-Krise erneuerten die Zentralbanken das Tauschgeschäft. Erst im vergangenen Dezember wurde die Dollarleihe bis 1. Februar 2014 verlängert. Aktuell wird sie nur in sehr geringem Umfang von europäischen Banken genutzt.

Quelle: F.A.Z.

 

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