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Finanzkrise Ende der Notpolitik von Zentralbanken nicht in Sicht

10.07.2009 ·  Die Bank von England wird die Politik der quantitativen Lockerung nicht ausweiten. Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs warnt indessen, dass es zu früh für eine Beendigung dieser Maßnahme sei.

Von Bettina Schulz, London
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Die Bank von England hat die Finanzmärkte am Donnerstag damit überrascht, das Volumen der quantitativen Lockerung der Geldmenge nicht auszuweiten. Bei der quantitativen Lockerung handelt es sich um ein Notprogramm, zu dem Notenbanken nur in extremen Situationen wie in dieser Finanzkrise greifen. Anders als bei der „normalen“ Zinspolitik, bei der Notenbanken die kurzfristigen Zinsen in volkswirtschaftlichen Krisensituationen senken, führt die quantitative Lockerung zu niedrigeren Zinsen im mittelfristigen und langfristigen Laufzeitenbereich der Anleihemärkte. Die Notenbanken erreichen dies durch systematischen Ankauf von mittel- und langlaufenden Anleihen. Die in Folge niedrigeren Renditen sickern durch das Finanzsystem bis zu den Kreditmärkten durch, so dass Banken den Privathaushalten und Unternehmen günstigere Kreditkonditionen gewähren können.

Im Laufe der Finanzkrise hatten die Vereinigten Staaten, Großbritannien, die Schweiz, Japan und in gewissem Maße auch die Europäische Zentralbank (EZB) die Politik der quantitativen Lockerung eingeführt. Da die quantitative Lockerung bei einer Konjunkturerholung zu deutlich höheren Inflationserwartungen führen kann, wird an den Finanzmärkten bereits spekuliert, wann die Notenbanken diese Sonderpolitik auslaufen lassen.

„Das ist verfrüht“

Der Bank von England ist vom britischen Finanzministerium zugestanden worden, ihren bisherigen Rahmen der Wertpapierankäufe von 125 Milliarden Pfund auf 150 Milliarden Pfund auszuweiten. Die Bank von England überraschte die Marktteilnehmer jedoch nach ihrer geldpolitischen Sitzung am Donnerstag damit, dies zunächst nicht zu tun, obwohl sich Großbritannien immer noch mitten in einer schweren Rezession befindet. Die Bemerkung der Bank von England, sie werde das Programm auf ihrer Sitzung im August überprüfen, lässt Marktbeobachter wie Morgan Stanley nun vermuten, dass sie ihre August-Sitzung und die dann fällige Vorlage ihrer neuen volkswirtschaftlichen Einschätzung dazu nutzen wird, eine Ausweitung und damit Verlängerung ihrer quantitativen Lockerung zu verkünden. Würde sie dies nicht tun, wäre ihr Rahmen im August ausgeschöpft.

Auch wenn die Bank von England nach Einschätzung von Goldman Sachs die erste Notenbank sein wird, die ihre Sonderpolitik wird auslaufen lassen, so wird es noch lange dauern, bis die Notenbanken wirklich wieder zur Tagesordnung übergehen können. „Die Finanzmärkte haben bereits eingerechnet, dass die Politik der quantitativen Lockerung im Jahr 2010 beendet wird und dann auch wieder mit Zinserhöhungen reagiert wird. Das ist verfrüht“, warnt Goldman Sachs. Bei Großbritannien sei dies vielleicht der Fall, aber die Vereinigten Staaten und Japan würden diese Politik nicht vor 2011 beenden können.

Überzogene Inflationssorgen

Nach Einschätzung der amerikanischen Investmentbank müssen folgende Parameter gegeben sein, bevor die Notenbanken überhaupt darüber nachdenken können, ihr Sonderprogramm der extrem lockeren Geldpolitik zurückzufahren: Die Finanzinstitute und Finanzmärkte müssen wieder absolut stabil sein; die Wachstumsraten der Volkswirtschaften und die Kapazitätsauslastung muss sich nachhaltig wieder beginnen zu bessern und davon kann noch lange keine Rede sein. Im Vergleich zu anderen Rezessionen werde die Produktionslücke dieses Mal so extrem groß sein, dass sie sich erst in den Jahren von 2014 bis 2020 schließen werde, prognostiziert Goldman Sachs. So würden Deutschland und die Vereinigten Staaten überhaupt erst im Jahr 2012 wieder ihr langfristiges Wachstumspotential erreichen, Großbritannien im Jahr 2011 und Japan im nächsten Jahr.

Auch seien die Inflationssorgen überzogen und allein deshalb müsse die quantitative Lockerung noch viel länger dauern. Die Gefahr sei, dass die EZB auf politischen Druck ihre Politik der quantitativen Lockerung zu früh einstellen werde, dann die Renditen und Zinsen wieder stiegen und dies die Konjunkturerholung gleich wieder erschwere, gibt Goldman Sachs zu bedenken.

Politik der quantitativen Lockerung

Ein Ende der quantitativen Lockerung muss von den Notenbanken zudem sorgfältig eingefädelt und dem Markt frühzeitig und vorsichtig signalisiert werden. Im Prinzip muss die Nachfrage der Notenbanken nach Wertpapieren und Anleihen mit Fingerspitzengefühl reduziert werden, um die Renditen an den Märkten nicht wieder in die Höhe schnellen zu lassen. Einen direkten Verkauf von Anleihen werden die Notenbanken vermeiden wollen.

Ob die quantitative Lockerung bisher wirklich zu weiterer Kreditvergabe der Banken geführt hat, wie erhofft, steht auf einem anderen Blatt. In Großbritannien zeigt die Entwicklung der Geldmenge M4, dass die Kreditausleihungen an Privathaushalte in der Zeit der quantitativen Lockerung nur um 0,3 Prozent stieg, die Ausleihungen an Unternehmen sogar um 0,8 Prozent gesunken sind und die Ausleihungen an andere Finanzinstitute (dies sind oft auch die außerbilanziellen Finanzierungsinstitute der Banken) um 4,7 Prozent zulegten. Kauft die Notenbank zudem britische Staatsanleihen von ausländischen Investoren auf, die sich von britischen Pfund-Investitionen trennen, wirkt die Politik der quantitativen Lockerung vor allem auch über einen niedrigeren Wechselkurs.

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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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