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Finanzkrise Die Aktien- und Zinsmärkte sind sehr nervös

16.09.2008 ·  Die Stimmung an den internationalen Finanzmärkten bleibt im Vorfeld der amerikanischen Leitzinsentscheidung, dem anstehenden Verfall an den Terminbörsen und mit Blick auf die fragile Lage bei den Finanzunternehmen weltweit fragil.

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Die Stimmung an den internationalen Finanzmärkten bleibt im Vorfeld der amerikanischen Leitzinsentscheidung, dem anstehenden Verfall an den internationalen Terminbörsen und auch mit Blick auf die fragile Lage bei den Finanzunternehmen weltweit nach dem Konkursantrag von Lehman Brothers, der überraschenden Übernahmen von Merrill Lynch durch die Bank of America und der andauernden Krise bei AIG brisant. Daran dürfte sich wenig ändern, auch wenn die amerikanische Regierung dem Versicherer zur Seite springen sollte.

Das zeigt sich daran, dass der VDax New vom Freitag bis Dienstag von 25,3 auf 31,2 Prozent gestiegen ist. Das ist der höchste Stand seit März des laufenden Jahres. Noch dramatischer sieht es jedoch auf der Unternehmensebene aus. Denn dort sind die Prämien für die Absicherung gegen den Zahlungsausfall bei Verbindlichkeiten in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen.

Credit Default Swaps bei einzelnen Unternehmen sind stark gestiegen

Die so genannten Credit Default Swaps (CDS) mit einer Laufzeit von einem Jahr legten bei AIG in fünf Tagen bis zum Montag um 2,792 Basispunkte zu, bei Washington Mutual ging es um 2.500 Basispunkte nach oben, bei FGIG um 855, bei der Radian Group um 756, bei Syncora Garantee um 740 und bei Hopson Development um 653 Punkte. Das zeigt, welche Wellen die amerikanische Immobilienkrise indirekt schlägt.

Sie zeigen sich jedoch auch am Geldmarkt. So hat sich der so genannte Overnight-Zinssatz, der für die sehr kurzfristig Ausleihung von Dollarbeträgen berechnet wird, vom 15. auf den 16. September des laufenden Jahres von 3,1 auf 6,44 Prozent mehr als verdoppelt. Der so genannte TED-Spread, der die Differenz zwischen dem Drei-Monats-Libor und den Renditen amerikanischer Schatzanleihen mit einer Restlaufzeit von drei Monaten anzeigt, lief in den vergangenen Monaten deutlich nach oben und hat in den vergangenen Tagen stark zugelegt.

Neben den CDS dient auch er als Indikator für die Kreditrisiken, die im Finanzsystem gerade präsent sind. Die amerikanische Schatzanweisung gilt als risikofrei, während der Libor - beziehungsweise die London inter bank offered rate - das Kreditrisiko der Finanzunternehmen im Handel untereinander widerspiegelt. Je höher der TED-Spread liegt, desto größer ist das Gegenparteienrisiko.

Notenbanken geben viel Liquidität in den Markt

Der Insolvenzantrag von Lehman zeigt, wie schnell sich die Situation ändern kann. Wer in den vergangenen Tagen noch Gelder am die amerikanische Investmentbank überwiesen hatte, muss sie nun möglicherweise abschreiben. Dazu kommen bestehende Kredit- und Wertpapierpositionen. Niemand kann sagen, wo noch welche Risiken lauern. Aus diesen Gründen halten sich die Finanzunternehmen nun mit entsprechenden Transaktionen zurück.

Dagegen helfen tiefe Leitzinsen nicht. Aus diesen Gründen sorgen die Zentralbanken schon seit Monaten und zum Teil mit neuartigen Instrumenten für Liquiditätsspritzen. So hat die amerikanische Zentralbank alleine am Dienstag 50 Milliarden Dollar in den Markt gegeben und auf diese Weise den Overnightsatz in den Vereinigten Staaten von 3,75 auf zwei Prozent reduziert. Am Montag hatte die Bank schon 70 Milliarden Dollar in den Markt gegeben. Andere Zentralbanken von Tokio bis Frankfurt waren ähnlich „spendabel“. Die europäsiche Zentralbank gab am Dienstag 70 Milliarden Euro in den Markt.

Insgesamt bleibt die Lage nervös. Daran dürfte sich bis auf weiteres wenig ändern. Denn das Grundproblem, die fallenden Preise am amerikanischen Immobilienmarkt und die wirtschaftlichen Folgen, sind noch lange nicht behoben.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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