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Finanzkrise „Blindflug mit Subprime-Hypotheken“

05.06.2009 ·  Die juristische Aufarbeitung der Finanzkrise gewinnt an Fahrt. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hat den früheren Vorstandschef und Mitbegründer des Hypothekenanbieters Countrywide Financial, Angelo Mozilo, wegen Betrugs angeklagt.

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In den Vereinigten Staaten gewinnt die juristische Aufarbeitung der Finanzkrise an Fahrt. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hat jetzt den früheren Vorstandschef und Mitbegründer des einst größten amerikanischen Hypothekenanbieters Countrywide Financial, Angelo Mozilo, sowie zwei weitere ehemalige Spitzenmanager wegen Betrugs verklagt.

Mozilo werden zudem illegale Geschäfte mit Aktien von Countrywide aufgrund öffentlich nicht bekannter Informationen, sogenannter Insiderhandel, vorgeworfen. Dabei geht es um den Verkauf von Countrywide-Aktien im Wert von knapp 140 Millionen Dollar. Mozilo hatte die Papiere abgestoßen, bevor sich die Zahlungsausfälle von Kunden des Hypothekeninstituts häuften und dessen Aktienkurs kollabierte.

Insider wussten längst Bescheid ...

In der Klageschrift zitiert die Behörde E-Mails von Mozilo, in denen er von Countrywide vertriebene zweitklassige Hypotheken schon auf dem Höhepunkt des Aufschwungs im amerikanischen Häusermarkt als „giftig“ bezeichnete. Die damals von Mozilo befürchteten Ausfälle bei Subprime-Hypotheken, Darlehen für wenig kreditwürdige Schuldner, hatten ab 2007 in einer Kettenreaktion eine immer noch anhaltende Finanz- und Wirtschaftskrise ausgelöst. Das Verfahren gegen die früheren Countrywide-Manager ist der bisher prominenteste rechtliche Schritt einer Regierungsbehörde gegen Personen, die im Zentrum dieser Entwicklung standen. Neben Mozilo wurden auch der einst für das operative Geschäft verantwortliche David Sambol und der ehemalige Finanzchef Eric Sieracki angeklagt.

Countrywide war 2007 wegen hoher Ausfälle bei Subprime-Krediten zunehmend unter Druck geraten und musste Tausende Mitarbeiter entlassen. Mitte 2008 wurde das in Kalifornien ansässige Institut schließlich für 2,5 Milliarden Dollar von der Bank of America übernommen.

... als den Aktionären noch eine „heile Welt“ vorgegaukelt wurde

„Das ist eine Geschichte von zwei Unternehmen“, sagte Robert Khuzami, der neue Chef der Strafverfolgungssparte der SEC. Countrywide habe sich immer als Anbieter von Hypotheken für Kunden mit hoher Kreditwürdigkeit sowie als Unternehmen mit hohen Standards bei der Kreditvergabe ausgegeben. Den Aktionären sei aber die „wahre Countrywide“ verheimlicht worden, ein "zunehmend waghalsiger Kreditanbieter, der immer größere Risiken eingegangen ist", sagte Khuzami.

In einer internen E-Mail vom April 2006 beschrieb Mozilo von Countrywide angebotene Hypotheken, die praktisch keine Anzahlung des Hauskäufers verlangten, als „Gift“. In einer weiteren E-Mail vom September des gleichen Jahres äußerte sich Mozilo kritisch über später in Verruf geratene Hypotheken, die Hausbesitzern erlaubten, nur einen Bruchteil ihrer Zinsen zu zahlen. „Wir haben keine Möglichkeit, die wahren Risiken dieser Kredite in unserer Bilanz mit angemessener Gewissheit zu bewerten“, schrieb Mozilo. „Im Endeffekt fliegen wir blind dabei, wie diese Kredite sich in einem angespannten Umfeld von steigender Arbeitslosigkeit, reduzierter Preise und nachlassender Hausverkäufe entwickeln werden“, schrieb Mozilo. Gleichzeitig hatte Countrywide der SEC damals aber mitgeteilt, dass das Risiko von Ausfällen kontrolliert sei, weil die meisten Hypotheken an Investoren weiterverkauft würden. Countrywide selbst hielte nur Darlehen mit hoher Qualität auf den eigenen Büchern.

Weitere Klagen dürften kaum überraschen

An der Wall Street und in Juristenkreisen wird mit weiteren Verfahren gegen prominente Manager gerechnet. Bei einer Pressekonferenz sagte SEC-Strafverfolger Khuzami, dass die Behörde Fälle zur Priorität mache, die zum Ursprung der Finanzkrise gehörten. Die Börsenaufsicht steht selbst unter Druck, weil sie den langjährigen Milliardenbetrug des New Yorker Börsenmaklers Bernard Madoff nicht aufgedeckt hatte. „Die SEC will gern ihre Reputation als harter Strafverfolger wieder zurückbekommen“, sagte der Juraprofessor Carl Tobias von der Universität Richmond. „Es würde mich nicht überraschen, wenn es noch weitere Klagen geben würde.“

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