17.07.2008 · Die Finanzkrise hält die Märkte in Atem. Verunsichert trennen sich viele Privatanleger von riskanten Wertpapieren und schichten in risikoarme Geldanlagen um. Das Angebot an soliden Liquiditätsparkplätzen mit einer attraktiven Verzinsung ist überschaubar.
Von Steffen UttichSeit zwei Monaten befindet sich der Deutsche Aktienindex Dax inzwischen auf Talfahrt. Von rund 7.200 Punkten Mitte Mai führte der Weg am Mittwoch erstmals seit über zwei Jahren kurzzeitig wieder unter die Marke von 6.000 Punkten. Gleichzeitig markierte der Euro-Stoxx-50-Index mit den wichtigsten Standardwerten aus dem Euro-Raum sogar ein Dreijahrestief.
In der seit zwei Wochen beschleunigten Abwärtsbewegung der Aktienkurse spiegelt sich die Flucht zahlreicher Anleger aus risikobehafteten Wertpapieren wider. Gefragt sind stattdessen Zinsanlagen ohne Verlustrisiko, um das zur Verfügung stehende Bargeld erst einmal zu parken, bis sich die Lage an den Börsen wieder beruhigt.
Regelungen im Insolvenzfall überprüfen
Als einer der beliebtesten Liquiditätsparkplätze von Privatanlegern hat sich dabei in der Vergangenheit das Tagesgeldkonto etabliert. Die Verzinsung liegt im Normalfall deutlich über dem Sparbuch, und das Geld ist täglich verfügbar. Die Direktbank ING-Diba, einer der führenden Anbieter im Lande, spricht von einer „starken Nachfrage“. Sie bietet derzeit eine Verzinsung von 3,25 Prozent, hat aber eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte in den nächsten Wochen in Aussicht gestellt. Der Marktdurchschnitt liegt nach Angaben der Frankfurter FMH-Finanzberatung derzeit bei 3,9 Prozent. Darin fließen aber auch Lockangebote von Banken ein, die meist nur für Neukunden gelten.
Unter den Banken mit den höchsten Tagesgeldzinsen sind derzeit zahlreiche ausländische Institute vertreten. Verbraucherschützer empfehlen jedoch, vor der Einzahlung die Regelungen im Insolvenzfall zu überprüfen. So bietet zwar die isländische Kaupthing-Bank aktuell mit 5,65 Prozent die höchste Verzinsung. Das Kundengeld ist aber nur bis etwa 21.000 Euro durch die isländische Einlagensicherung gedeckt. Bei der indischen ICICI-Bank, die 4,75 Prozent bietet, sind immerhin 1,5 Millionen Euro je Kunde über den Sicherungsfonds der Banken geschützt.
Bundesanleihe mit einem Jahr Restlaufzeit
Auch Festgeld ist angesichts einer attraktiveren Verzinsung als in den vergangenen Jahren für viele Anleger wieder eine Alternative geworden. Zwar können sie mit diesem Sparprodukt nicht so flexibel wie mit Tagesgeld agieren. Diese verminderte Reaktionsfähigkeit wird aber bei einer Anlage über zwölf Monate nach der Erhebung von FHM im Durchschnitt inzwischen mit 4,6 Prozent vergütet.
Der direkte Einstieg in Anleihen mit kurzen Restlaufzeiten von Emittenten mit ausgezeichneter Bonität ist unter Privatanlegern noch nicht weit verbreitet. Er bietet sich aber ebenfalls als sichere Anlageform mit einer Verzinsung an, die nach dem Abzug der Inflation von zuletzt 3,4 Prozent noch etwas übrig lässt. Der klassische Zugang ist hierbei eine Bundesanleihe mit einem Jahr Restlaufzeit, die derzeit immerhin mit 4,5 Prozent rentiert. Werden die Schuldtitel bis zur Endfälligkeit gehalten, entfällt für den Käufer zudem das Kursrisiko.
„Qualität deutscher Emittenten bleibt unangetastet“
Daneben ist der Kauf kurz laufender Pfandbriefe deutscher Emittenten in den vergangenen Monaten immer interessanter geworden. Am Mittwoch rentierten entsprechende Titel mit einer Restlaufzeit von einem Jahr im Durchschnitt mit 5,4 Prozent. Wobei sich in dem Renditeaufschlag zu Bundesanleihen weniger ein gestiegenes Bonitätsrisiko widerspiegelt, sondern die angespannte kurzfristige Liquiditätsausstattung des Marktes.
Für Anleger, die die Papiere ohnehin bis zur Endfälligkeit halten wollen, ist dies ein vernachlässigenswerter Faktor. Das Ausfallrisiko ist wiederum nicht nur durch die kurze Restlaufzeit, sondern auch durch die rechtliche Ausgestaltung des deutschen Pfandbriefs mit seinen bewährten Sicherungsschwellen sehr niedrig. „Die Qualität der deutschen Emittenten bleibt unangetastet“, sagt Thomas Kaminski von der Kölner Kapitalanlagegesellschaft Monega.
Erstmals Verluste
Dagegen haben Geldmarktfonds als klassischer Liquiditätsparkplatz in der Vergangenheit seit dem Ausbruch der Finanzkrise vor einem Jahr viel Vertrauen verspielt. Portfoliopositionen in forderungsbesicherten Wertpapieren (Asset Backed Securities, ABS), die zuvor der Wertentwicklung auf die Sprünge geholfen hatten, erweisen sich seither als kontraproduktiv.
Einzelne Fonds müssen sogar erstmals Verluste ausweisen. Nach der jüngsten Wertentwicklungsstatistik des Bundesverbandes Investment (BVI) verzeichneten Euro-Geldmarktfonds über die vergangenen zwölf Monate einen Wertzuwachs von 2,2 Prozent. Der Geldmarktsatz, gemessen am 3-Monats-Euribor, bewegte sich gleichzeitig zwischen 4 und 5 Prozent.
Steffen Uttich Jahrgang 1970, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.
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