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Finanzaktien Finanzierungskosten der Investmentbanken steigen kräftig

28.07.2008 ·  Anleihegläubiger verlangen von Investmentbanken so hohe Zinsen wie zuletzt im Jahr 2000. Die Refinanzierungskosten liegen auf einem Niveau, das inzwischen das Geschäftsmodell der Wall-Street-Unternehmen gefährdet.

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Anleihegläubiger verlangen derzeit von Investmentbanken so hohe Zinsen wie zuletzt im Jahr 2000. Die Refinanzierungskosten liegen dabei auf einem Niveau, das inzwischen das Geschäftsmodell der Wall Street - mit geliehenem Geld renditeträchtige Investments tätigen - gefährdet.

Besonders hart trifft es Lehman Brothers Holdings Inc. Hier ist der Zinssatz für fünfjährige Anleihen der Investmentbank in den vergangenen sechs Monaten von 5,2 auf 7,7 Prozent gestiegen. Der Renditeaufschlag gegenüber fünfjährigen amerikanische Staatsanleihen hat sich auf 4,3 Prozentpunkte ausgeweitet und ist damit fast doppelt so hoch wie Ende Januar. Auch bei Anleihen von Merrill Lynch ist die Risikoprämie von 2,57 Prozentpunkten auf 4,21 Prozentpunkte geklettert. „Das ist fast eine selbst herbeigeführte Bilanzzerstörung“, sagt Joseph Balestrino, Stratege für festverzinsliche Papiere bei Federated Investors.

Hohe Finanzierungskosten gefährden die Gewinnentwicklung der Banken

Letztmals waren die Anleihespreads 1998 stark gestiegen, als Russland auf Rubelanleihen zahlungsunfähig wurde und der Hedgefonds Long-Term Capital Management beinahe zusammenbrach. Die Finanzierungskosten normalisierten sich jedoch innerhalb von ein paar Monaten.

Diesmal dürften sie für längere Zeit hoch bleiben und die Bankengewinne gefährden. Allerdings versuchen die Investmentbanken die Anleger zu beruhigen, indem sie Aktiva, die sie mit geliehenem Geld gekauft haben, wieder abstoßen, um ihren Fremdkapitalanteil zu senken.

So haben Goldman Sachs Group, Morgan Stanley und Lehman im ersten Halbjahr 2008 ihre Aktiva zusammen um etwa 97,5 Milliarden Dollar beziehungsweise 3,4 Prozent verringert. Ihre durchschnittliche Fremdkapitalquote - also die gesamten Vermögenswerte dividiert durch das Eigenkapital - ist von 30,1 auf 26,1 gefallen. Trotzdem kletterten im Juni und Juli die Anleiherenditen. „Es hat nicht funktioniert“, erläutert Eileen Fahey, Kreditanalystin bei Fitch Ratings. „Das ist das Problem. Niemand weiß wirklich, wie lange das noch weiter geht.“

Als die Zinsen niedrig waren, häuften alle Investmentbanken Kapital an. Daher können sie neue Geldbeschaffungsmaßnahmen ein paar Monate hinauszögern. Aber wenn sich die Lage nicht ändert, müssen sie fällig werdende Papiere zu höheren Zinsen als in den vergangenen zehn Jahren ablösen. „Es wird für sie immer schwerer werden, in diesem Umfeld langfristig Kapital zu beschaffen und die Spreads zu zahlen, die die Anleger verlangen werden“, prognostiziert David Hendler, Analyst bei CreditSights.

„Werden sie mit diesem Finanzierungsumfeld zurechtkommen?“

Langfristige Kapitalbeschaffung ist bei den Häusern von der Wall Street populärer geworden, denn sie wollen ihre Abhängigkeit von kurzfristigen Krediten verringern. Der Beinahe- Kollaps von Bear Stearns hat ihnen vor Augen geführt, was passieren kann, wenn sie am Markt für kurzfristige Finanzierungen das Vertrauen verlieren. Die langfristigen Verbindlichkeiten sind bei Lehman von 123 Milliarden Dollar auf 128 Milliarden Dollar gestiegen, bei Morgan Stanley haben sie sich von 191 Milliarden Dollar auf 211 Milliarden Dollar erhöht. Zur Verlängerung dieser Verbindlichkeiten sind sie von institutionellen Investoren abhängig.

Papiere von Finanzinstituten sind das größte Segment am Anleihemarkt. Daher haben die meisten Investoren bereits einige Verluste erlitten und versuchen, ihre Positionen zu reduzieren, erläutert Fondsmanager William Larkin von Cabot Money Management.

Er meidet Papiere von Lehman, deren Kreditausfallkosten sich dieses Jahr mehr als verdoppelt haben. Die Kreditausfallswaps auf die vorrangigen, unbesicherten Anleihen von Lehman sind um 2,38 Prozentpunkte auf 3,58 gestiegen. Das bedeutet, es würde jährlich 358.000 Dollar kosten, Anleihen im Volumen von 10 Mill. Dollar fünf Jahre lang gegen Zahlungsausfall zu versichern. Ende 2007 lagen die Kosten noch bei 120.000 Dollar, wie aus Zahlen von CMA Datavision hervorgeht.

Auch zeigen die Renditen, dass Investoren mehr Vertrauen in die Aussichten Russlands als in die Zukunft von Lehman haben. Ein Jahrzehnt nach dem Zahlungsausfall Russlands rentieren zehnjährige russische Anleihen bei 5,68 Prozent, das liegt satte zwei Prozentpunkte unter der Rendite, die Lehman für ein 2012 fälliges Papier bieten muss. Dabei hat Lehman eine um 2 Stufen höhere Bonitätsnote von Standard & Poor's als Russland.

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