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Donnerstag, 16. Februar 2012
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Fiat Zu wenig Rendite für zu viel Risiko

27.04.2009 ·  Der italienische Autokonzern Fiat sorgt in der Branche derzeit für viel Wirbel. Doch das Unternehmen hat für umfangreiche Allianzen und Übernahmen alleine nicht genügend Spielraum. Das macht die Investition in Schuldtitel riskant.

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Der italienische Autokonzern Fiat sorgt in der Automobilbranche derzeit für viel Wirbel. War zunächst nur von Allianzen die Rede, wird er jetzt als Investor ins Spiel gebracht, zuletzt als Retter für Opel. Das sorgte für Aufsehen, obgleich der Automobilhersteller erst Berichte über ein Interesse dementiert hatte. Man schaue sich den deutschen Automobilhersteller nicht an, sagte der Verwaltungsratsvorsitzende Luca Cordero de Montezemolo noch vor zehn Tagen.

Mittlerweile ist alles anders: Fiat ist interessiert, obwohl die Skepsis groß ist. Synergieeffekte gebe es im Grunde wenig, meinen Experten. Die Modellpalette der beiden Unternehmen sei in weiten Teilen austauschbar. Die Wagen könnten praktisch auf den gleichen Produktionsstraßen gebaut werden.

Nur kurz aus der Krise gekommen

Doch ist die Branche von Überkapazitäten gekennzeichnet, die sich in einem gemeinsamen Unternehmen um so deutlicher bemerkbar machen würden. Vieles wäre schlicht überflüssig. Der größte Vorteil für Fiat wäre daher, einen Konkurrenten los zu sein - ein Schreckgespenst für Opel-Mitarbeiter, die auch der angeblichen Standortgarantie misstrauen, zumal sich diese nicht auf die aktuellen Kapazitäten erstrecken soll.

Betrachtet man die Finanzlage des Fiat-Konzerns, so überraschen die Übernahme-Ambitionen. Der Konzern hatte sich bis 2008 mühsam von der Krise erholt, in die ihn eine verfehlte Modell- und Qualitätspolitik in den siebziger und achtziger Jahren geführt hatte. Ende 2002 war das Rating-der Fiat-Anleihen, das einst im mittleren Investment-Grade-Bereich gelegen hatte auf spekulatives Niveau gesunken, ein Jahr später erreichte es mit der Moody's-Note „Ba3“ sein tiefstes Niveau. Mehr als fünf Jahre, bis zum Mai 2008, dauerte es, bis die Rating-Agentur Fiat-Anleihen wieder für würdig hielten, ein niedriges Investment-Grade-Rating zu erhalten.

Doch dessen konnte sich der Konzern nur gerade einmal neun Monate erfreuen. Ende Februar 2009 senkte Moody's die Bonitätsnote wieder auf „Ba1“, Standard & Poor's folgten einen Monat später. Die Aussichten seien düster, schrieb Moody's-Analyst Falk Frey, entsprechend ist auch sein Rating-Ausblick negativ.

Schwache Liquiditätsposition, hohe Verpflichtungen

Fiat musste 2008 per saldo einen Mittelabfluss verschmerzen, damit habe sich die finanzielle Flexibilität des Unternehmens deutlich verschlechtert. Mittelfristig würden Mittelzufluss und Rentabilität aufgrund der schlechten Entwicklung des Automarktes sehr schwach bleiben. Fiat sei davon abhängig, dass die Hausbanken die kurzfristigen Kreditlinien verlängerten und dass es dem Management gelinge, liquide Mittel aus dem operativen Geschäft generieren könne.

Standard & Poor's-Analystin Barbara Castellano missfallen vor allem die Pläne für eine Allianz mit Chrysler. Die Liquiditätsposition des Unternehmens sei schwach, da 2009 und 2010 eine Reihe von Schulden fällig werden. 2011 werden zudem Euro-Anleihen im Volumen von 2,37 Milliarden Euro fällig. Fiat habe keine ausreichenden Kreditlinien um seine Verpflichtungen in den kommenden 12 Monaten zu erfüllen. Durch eine Allianz mit Chrysler werde sich die Kreditaufnahme weiter verteuern. Fiat hat Nettoschulden von fast 19 Milliarden Euro.

Spekulationen auf Subventionen

Letztlich ergibt sowohl die Allianz von Fiat und Chrysler - mit der ja schon Daimler zu Zeiten gescheitert ist, als es für die Branche noch erheblich besser aussah - als auch ein Engagement von Fiat bei Opel nur dann Sinn, wenn Fiat in den Genuss von Subventionen kommt.

Immerhin haben sowohl die die Auto-Kommission der amerikanischen Regierung als auch die deutsche Politik massive Hilfen für beide Unternehme in Aussicht gestellt, wenn diese eine Perspektive aufweisen können.

Das macht Fiat-Anleihen, die schon jetzt als spekulativ gelten, für Investoren letztlich noch riskanter. Sollte Konzernchef Sergio Marchionne, der oft genug betont hat, dass Fiat zu klein sei, um langfristig bestehen zu können, seinen Expansionsdrang gerade in der derzeitigen Finanz- und Branchenkrise verfolgen wollen, so grenzt das an Hasardeurtum. Im besten Falle liefert sich Fiat dem wendischen Wind der Industriepolitik aus. Niemand kann garantieren, dass die Übernahmen funktionieren. Die Pläne sind groß, die Risiken mindestens ebenso.

Unter diesen Umständen erscheinen die Renditen der 2010 und 2011 fälligen Anleihen mit kleiner Stückelung von 4,8 bzw. 6,2 Prozent niedrig. Die 2013 fällige Anleihe bietet mit einer Rendite von knapp 12 Prozent noch eine etwas angemessenere Entlohnung.

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