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F.A.Z.-Umfrage Vermögensverwalter raten zu Aktien und Kasse

 ·  In den Depots sollten 2008 überwiegend Aktien liegen, lautet der Rat von Vermögensverwaltern. Als nächstgrößte Position empfehlen sie liquide Mittel. Langlaufende Anleihen halten die meisten Vermögensverwalter dagegen für kein gutes Investment.

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Viele Vermögensverwalter raten zum Jahresbeginn 2008 zu einer etwas geringeren Aktienquote als vor einem Jahr. Damit reagieren sie auf die vom amerikanischen Immobilienmarkt ausgelöste Kreditkrise, die 2008 zu einer Rezession in den Vereinigten Staaten und sinkenden Unternehmensgewinnen führen kann. Gleichwohl sollten gerade für junge Anleger Aktien unter den verschiedenen Anlageklassen die erste Wahl sein, sagen sechs von neun Befragten in einer F.A.Z.-Umfrage.

Neun Vermögensverwalter raten dazu, dass Dreißigjährige ins Jahr 2008 im Durchschnitt mit einer Aktienquote von 54 Prozent und 60 Jahre alte Anleger mit einer Aktienquote von 32 Prozent gehen sollten. Hinter der niedrigen Aktienquote für Ältere steht, dass Aktien in der Regel stärker schwanken als andere Anlageklassen und weniger laufende Erträge liefern. Gerade Rentner aber wollen auf ihr Gespartes oft kurzfristig zugreifen.

Auch unabhängig vom Alter der Anleger geben die Vermögensverwalter derzeit auffällig oft den Rat, viel Geld in der Kasse zu halten. „Als Barreserve, wenn sich günstige Einstiegskurse bieten“, erklärt Gottfried Heller von der Vermögensverwaltung Fiduka und Weggefährte des verstorbenen Börsengurus André Kostolany. Hellers Erwartung nach ist in Deutschland die Aktienhausse auch nach fünf Jahren Dauer nicht zu Ende. „Die Kurse sind bislang im Gleichklang mit den Unternehmensgewinnen gestiegen. Am Ende einer Hausse aber gibt es oft eine Phase, in der sich höhere Kurs-Gewinn-Verhältnisse durchsetzen. Das ist bisher noch kaum geschehen“, meint Heller.

Martin Mack: „Die Finanzkrise ist erst am Anfang“

Gleichwohl hat Heller, mit stark schwankenden Kursen im ersten Halbjahr rechnend, im Depot des 30 Jahre alten Anlegers wie Jens Ehrhardt die Aktienquote um 5 Prozentpunkte gesenkt. Auch PEH Wertpapier senkte die Quote um 3 Prozentpunkte, PSM um 10 und Mack & Weise sogar um 40 gegenüber dem Vorjahr. Ehrhardt stockt den Anteil an Gold zur Sicherung des Vermögens vor Inflation auf. Am häufigsten aber werden liquide Mittel erhöht. Die Position Kasse, auf die nach Ansicht der neun Vermögensverwalter im Durchschnitt 17 Prozent (30 Jahre alter Anleger) und 21 Prozent (60 Jahre alter Anleger) des Vermögens entfallen sollte, ist damit die zweitwichtigste Position im Depot.

Mack & Weise raten mit einer Barreserve von 60 Prozent zu einer besonders großen Kasse. Nimmt man noch die kurzlaufenden Anleihen hinzu, machen beide Positionen zusammen 70 Prozent aus. „Die Finanzkrise ist erst am Anfang“, begründet Martin Mack die defensive Ausrichtung. Amerika werde in die Rezession fallen und Konjunktur sowie Unternehmensgewinne in der gesamten Welt belasten. „Gleichzeitig läuft die Inflation aus dem Ruder“, befürchtet Mack. Joachim Paul Schäfer von der Vermögensverwaltung PSM erwartet sogar eine derart scharfe Rezession in Amerika, dass zumindest kurzfristig der allgemeine Preisauftrieb weitgehend zum Erliegen kommt. „Die Europäische Zentralbank wird die Leitzinsen senken, um die Liquiditäts- und Finanzkrise zu bekämpfen“, sagt Schäfer voraus.

Nur wenige glauben, dass sich die Kreditkrise schnell beruhigt

Bislang allerdings hat die EZB eine Neigung erkennen lassen, die Leitzinsen weiter zu erhöhen. Da auch die meisten Vermögensverwalter mit konstanten oder steigenden Leitzinsen rechnen, raten sie von langlaufenden Anleihen wegen der drohenden Kursverluste und der kaum die Inflation ausgleichenden Verzinsung ab. Leitzinssenkungen dagegen hätten gerade für langlaufende Anleihen Kursgewinne zur Folge.

Da PSM mit sinkenden Leitzinsen und im Gegenzug steigenden Kursen auch in Europa rechnet, hält Schäfer lang laufende Staatsanleihen mit einer Rendite von derzeit 4 Prozent für eine gute Wahl. Mit der Erwartung sinkender Leitzinsen ist PSM Außenseiter. Die meisten Vermögensverwalter wie Jens Ehrhardt machen aber um den Krisenherd Amerika einen Bogen oder legen nur einen kleinen Teil ihres Geldes dort an. Nur wenige glauben wie Johannes Führ, dass sich die Kreditkrise schnell beruhigt und Amerika von einer Rezession verschont bleibt.

Georg Thilenius: „Japan geht an seinen hohen Schulden ein“

Trotz der gestiegenen Risiken setzen die meisten Vermögensverwalter auch im fünften Jahr der Hausse auf Aktien - auch aus den Schwellenländern. Japan dagegen, das 2007 von den etablierten Aktienmärkten besonders schlecht abschnitt, steht weiterhin nicht hoch im Kurs. „Japan geht an seiner schrumpfenden Bevölkerung und seinen hohen Schulden ein“, meint Georg Thilenius. Der Vermögensverwalter rät von langfristigen Engagements an diesem seit 1989 auf der Stelle tretenden Aktienmarkt ab.

Gerade junge Menschen, für die zur Sicherung der Altersversorgung die langfristig 10 bis 20 Prozent jährlichen Zuwachs versprechende Aktienanlage unentbehrlich sei, sollten 40 Prozent ihres Depots gut verteilt in Aktien in den stark wachsenden lateinamerikanischen und asiatischen Schwellenländern investieren. „Allerdings nur in solchen Volkswirtschaften, die auf dem richtigen und weitgehend unumkehrbaren Weg zur Sozialen Marktwirtschaft sind“, schränkt Thilenius ein. Dazu zählt er Mexiko, Türkei, Indien und China sowie mit Abstrichen Brasilien und Russland.

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01.01.2008, 20:56 Uhr

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