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EZB Zinssenkung auf zwei Prozent erwartet

13.01.2009 ·  Aufgrund der schlechten Konjunkturdaten aus dem Euro-Raum dürfte der Rat der Europäischen Zentralbank nach Einschätzung von Fachleuten am kommenden Donnerstag einen „großen Zinsschritt“ von 50 Basispunkten beschließen.

Von Benedikt Fehr
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Nach der Serie von schlechten Konjunkturdaten aus dem Euro-Raum gehen die meisten Anleger und die professionellen Beobachter der Europäischen Zentralbank (EZB) von einer weiteren Senkung des Leitzinses am kommenden Donnerstag aus. „Wir erwarten, dass der EZB-Rat den Leitzins am Donnerstag von 2,5 auf 2 Prozent senkt“, sagt Ulrich Kater, der Chefvolkswirt der Deka-Bank. Der außerordentliche Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage mache eine expansive Geldpolitik erforderlich, erläutert Kater seine Erwartung.

Ähnlich argumentiert die große Mehrheit der EZB-Beobachter in den Banken des Euro-Raums. In einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters vom 6. Januar gaben 46 von 70 befragten Bankökonomen an, eine Leitzinssenkung von 50 Basispunkten auf 2 Prozent zu erwarten. Neun Prognosen lauteten auf einen Zinsschritt von 25 Basispunkten, 15 Volkswirte meinten, dass der EZB-Rat den Leitzins am Donnerstag auf 2,5 Prozent belassen werde. Nicht zuletzt aufgrund der schlechten Konjunkturdaten aus der deutschen Wirtschaft erwarten inzwischen aber wohl noch mehr Bankökonomen als vor einer Woche einen großen Zinsschritt.

Trichet bis 2010 pessimistisch

Auch EZB-Präsident Jean-Claude Trichet malte zuletzt ein eher pessimistisches Bild der Konjunktur. Er rechne erst 2010 mit einer leichten Erholung der Weltwirtschaft, sagte Trichet nach Agenturberichten am Montag nach einem Treffen der Zentralbankgouverneure bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel. 2009 dürfte die Wirtschaftsleistung in allen wichtigen industrialisierten Volkswirtschaften schrumpfen. Auch die Schwellenländer könnten sich diesem Trend nicht entziehen.

Langfristig dürften der kräftige Rückgang des Ölpreises, die Konjunkturprogramme zahlreicher Regierungen, die großen Zinssenkungen und die Liquiditätsspritzen der Zentralbanken aber positiv wirken, zeigte sich Trichet überzeugt. „Das sind Gründe, weshalb wir glauben, dass 2010 das Jahr der Erholung werden kann, einer signifikanten Erholung.“ Alle Maßnahmen zusammen hätten eine Kernschmelze der Märkte verhindert.

Es werde aber noch dauern, bis verlorenes Vertrauen wieder zurückgekehrt sei und die Finanzmärkte die Bemühungen von Regierungen und Zentralbanken eingepreist hätten. Auch Axel Weber, der als Präsident der Deutschen Bundesbank dem EZB-Rat angehört, hat in der vergangenen Woche einen ziemlich düsteren Ausblick für die deutsche Wirtschaft gegeben.

Wegen Winterpause könnte die EZB untätig bleiben

Wie die Deka-Bank geht auch die Commerzbank davon aus, dass sich der EZB-Rat am Donnerstag zu einer Zinssenkung auf 2 Prozent entschließen wird. Allerdings seien die Signale aus dem EZB-Rat diesbezüglich in jüngster Zeit nicht so deutlich gewesen wie üblicherweise, meint Christoph Balz, ein Volkswirt der Commerzbank. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Sitzung des EZB-Rats in diesem Monat wegen der Winterferien nicht wie üblich zu Monatsbeginn stattfinde, sondern zur Monatsmitte. Die nächste Sitzung finde deshalb schon in drei Wochen statt. Das könnte den EZB-Rat dazu veranlassen, in diesem Monat den Leitzins nicht zu senken oder nur um 25 Basispunkte - da er schon bald neue geldpolitische Beschlüsse fassen könne und dann auf Basis weiterer Konjunktur- und Inflationsdaten.

Diesen Überlegungen steht gegenüber, dass der Euro-Leitzins derzeit höher ist als in den anderen großen Volkswirtschaften. So liegt er in den Vereinigten Staaten und Japan nahe null Prozent, in der Schweiz bei 0,5 Prozent und in Großbritannien bei 1,5 Prozent. Das könne den EZB-Rat zu einem größeren Zinsschritt bewegen, da andernfalls der Euro aufwerten könne, geben Devisenhändler zu bedenken. Das wiederum würde die Exporteure des Euro-Raums, die ohnehin unter Nachfrageschwäche litten, zusätzlich belasten. Kater erwartet vor diesem Hintergrund, dass der Euro-Leitzins bis Juli auf 1 Prozent zurückgehen wird. Um die Investitionsnachfrage zu stimulieren, sei angesichts des von düsteren Erwartungen geprägten Umfelds ein negativer Realzins vertretbar, meint der Ökonom.

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