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Studie : EZB-Strafzins wird für Banken immer teurer

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Die Europäische Zentralbank im Frankfurter Ostend Bild: dpa

Die Banken der Euro-Zone müssen an die Europäische Zentralbank immer mehr Strafzinsen zahlen. Alleine für die deutschen Institute fielen dafür seit Jahresbeginn 900 Millionen Euro an.

          Der Strafzins der Europäischen Zentralbank (EZB) kommt die Banken der Euro-Zone immer teurer zu stehen. Das geht aus Berechnungen der Düsseldorfer Beratungsfirma Barkow Consulting hervor, die Reuters am Dienstag exklusiv vorlagen. Demnach zahlten alleine die deutschen Institute, die überschüssige Liquidität auf Konten der Bundesbank beziehungsweise bei der EZB hielten, seit Jahresbeginn dafür 900 Millionen Euro Zinsen. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr hatten die heimischen Banken rund eine Milliarde an Strafzinsen berappen müssen.

          Die EZB hatten den Strafzins auf Bankeinlagen von momentan 0,4 Prozent Mitte 2014 eingeführt, um die Banken dazu zu bewegen, Kredite an Firmen und Privatleute auszureichen, statt das Geld bei der Notenbank zu parken. Ihr Ziel hat die EZB bislang nur teilweise erreicht, da die Kreditvergabe nur zögerlich in Schwung kommt: im Juni dieses Jahres parkten alleine die deutschen Institute rund 550 Milliarden Euro bei der EZB, im Mai hatte der Wert sogar noch etwas höher gelegen.

          Rechnet man die Werte des ersten Halbjahres auf das gesamte Jahr 2017 hoch und unterstellt einen unveränderten Strafzins der EZB, dann dürften bis zum Jahreswechsel Zinsen von 2,2 Milliarden Euro aufgelaufen sein. Dies entspräche laut Barkow Consulting mehr als 8 Prozent des Vorsteuergewinns aller deutschen Banken im Jahr 2015 beziehungsweise neun Prozent der Gewinne der Jahre 2103 bis 2015. Konsolidierte Daten für die Ertragslage der deutschen Banken im vergangenen Jahr, die die Bundesbank berechnet, liegen noch nicht vor. Barkow erwartet jedoch, dass sich das Bild 2016 kaum geändert hat.

          Strafzins nur eine der Belastungen durch die aktuelle Geldpolitik

          Blickt man über die deutsche Grenze hinaus, sehen die Perspektiven für die Banken der Euro-Zone kaum besser aus: Den Berechnungen zufolge hielten alle an der EZB hängenden Institute in den 19 Euro-Ländern im Juni Überschussliquidität in Höhe von 1,6 Billionen Euro bei der Notenbank - ein Rekord. Die dadurch entstehenden Kosten beliefen sich im ersten Halbjahr auf 2,9 Milliarden Euro. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr wird der EZB-Strafzins die Banken rund 6,6 Milliarden Euro kosten.

          Der Strafzins der Notenbank ist nur eine der Belastungen durch die aktuelle Geldpolitik, der sich die Banken ausgesetzt sehen. Da viele, gerade kleinere Institute, in der Vergangenheit vom Zinsgeschäft gelebt haben, also vom Unterschied zwischen Sparzinsen und Kreditzinsen, leiden sie bei einer niedrigen Zinsmarge wie derzeit besonders. Um die Kosten für den EZB-Strafzins wieder hereinzubekommen, haben inzwischen einige Banken damit begonnen, diese auf ihre Kunden abzuwälzen.

          Dass die Banken so viel Geld bei der EZB parken, liegt unter anderem an der Geldpolitik der Notenbank selbst. Da sie den Banken massenhaft Wertpapiere abkauft, um das allgemeine Niveau der Zinsen auch bei einem Leitzins von null Prozent zu drücken, entsteht bei den Instituten überschüssige Liquidität. Dieses Geld treibt die Guthaben der Banken bei der Zentralbank in die Höhe.

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