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Veröffentlicht: 04.12.2012, 17:10 Uhr

EZB Ökonomen erwarten keine Zinssenkung

Die EZB wird den Leitzins von 0,75 Prozent am Donnerstag wohl nicht ändern. Aber die Wachstumsprognose wird sie deutlich senken.

von
© Fricke, Helmut Bei der EZB gibt es immer viel zu tun

Eine Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) im Dezember gilt als unwahrscheinlich. Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters sehen Volkswirte in Banken und Konjunkturforschungsinstituten nur eine 20-Prozent-Wahrscheinlichkeit, dass die EZB auf ihrer Ratssitzung am Donnerstag den Leitzins vom bisherigen Rekordtief 0,75 Prozent weiter senkt, obwohl die Eurozone in der Rezession steckt. I

Philip Plickert Folgen:

m Mittelpunkt der Pressekonferenz dürften die neuen Projektionen des EZB-Stabs zu Wachstum und Inflation stehen. „Insbesondere die Vorhersage für das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr sollte spürbar nach unten korrigiert werden“, erwartet die Deka-Bank. Im September lag die Prognose für 2013 zwischen minus 0,4 und plus 1,4 Prozent - im Mittel 0,5 Prozent Wachstum. Angesichts der Misere in Südeuropa ist das nicht zu halten.

Lieber Anleihen kaufen als Zinsen senken

Die meisten Ökonomen erwarten, dass die EZB für das Gesamtjahr 2013 im Eurodurchschnitt Stagnation prognostiziert. Einige halten eine leicht negative Prognose für möglich. „Dennoch dürfte EZB-Präsident Mario Draghi weiterhin wenig Neigung zu einer erneuten Senkung der Leitzinsen zeigen“, schreibt die Deka-Bank. Der EZB-Chef sei zuversichtlich, allein mit seiner Ankündigung eines Anleihekaufprogramms eine nachhaltige Verbesserung des finanziellen Umfelds erzielt zu haben. Diese werde mittelfristig die Realwirtschaft beleben.

Thema Einlagenzins

Einige Analysten glauben, dass der EZB-Rat in der Frage einer Zinssenkung gespalten ist. Denkbar ist, dass Vertreter der Südländer auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik dringen. Die Kreditvergabe in den Krisenländern schrumpft. Billigeres EZB-Geld könnte das Kreditgeschäft beleben. Ein Thema auf der Ratssitzung könnte auch der Einlagenzinssatz sein, der seit Juli bei null Prozent liegt. Im Frühjahr und Sommer hatten die Banken extrem viel Geld bei der EZB geparkt, jetzt sind es noch 238 Milliarden Euro.

Den Einlagenzinssatz unter null zu senken, würde in „unbekanntes Gewässer“ führen, wozu die EZB wohl nicht bereit sei, meint Richard Barwell von der Royal Bank of Scotland. Nach Ansicht von EZB-Chef Draghi ist die „Fragmentierung der Finanzmärkte“ das Hauptproblem. Dem will er mit seinem angekündigten Kaufprogramm entgegenwirken, das die Anleihezinsen in Krisenländern schon gesenkt hat.

Unterschiedlichste Prognosen

Auch für die Inflation legen die EZB-Ökonomen neue Projektionen vor. Diese sind eine zentrale Richtgröße für die Geldpolitik. Im November ist die Inflationsrate im Euroraum von 2,5 auf 2,2 Prozent gesunken, vor allem weil die Jahresrate für Energie deutlich nachgegeben hat. Für das Jahr 2013 erwarteten die EZB-Ökonomen im Durchschnitt 1,9 Prozent. EZB-Präsident Draghi hatte wiederholt betont, dass die Inflationsrisiken „ausgeglichen“ seien. Hohe Energiepreise und Mehrwertsteuererhöhungen heben das Preisniveau. Von der Lohnseite wird der Preisdruck wegen der hohen Arbeitslosigkeit aber gering sein.

Zwei Hauptargumente sprächen gegen eine Zinssenkung, sagt Marco Valli, Euro-Chefvolkswirt der Bank Unicredit. Erstens nennt die EZB ihre gegenwärtige Geldpolitik schon „sehr akkommodierend“, also unterstützend für die Wirtschaft. Zweitens gebe es in einigen Stimmungsindikatoren leichte Hoffnungsschimmer für eine Umkehr des Abwärtstrends der Konjunktur. Mit Spannung verfolgen Volkswirte, ob der EZB-Präsident erste Hinweise auf mögliche Zinssenkungen im neuen Jahr gebe.

Am Donnerstag wird die EZB zudem einen Ausblick auf das Jahr 2014 wagen. Valli von der Unicredit glaubt an eine Beibehaltung des 0,75-Prozent-Leitzinses „für die absehbare Zukunft“. Carsten Brzeski von der ING-Bank erwartet, die Tür zu einer Senkung sei noch nicht geschlossen. Draghis Ausspruch, „alles zu tun“, um den Euroraum zusammenzuhalten, sei noch nicht genug für eine Wiederbelebung des Wachstums. Christian Schulz von der Berenberg Bank hält es hingegen für denkbar, dass die EZB bei einer Rückkehr des Wachstums Ende 2013 als erste westliche Notenbank die Zinsen erhöht.

Quelle: F.A.Z.

 

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