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Renditeverfall : EZB muss Unternehmensanleihen mit negativem Zins kaufen

Das EZB-Gebäude in Frankfurt. Bild: dpa

Negativzinsen plagen nicht nur die Anleger sondern auch die Zentralbank. Sie muss immer öfter schlechte Geschäfte machen.

          Mehr als jede fünfte Unternehmensanleihe, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) gekauft wurde, hat eine negative Rendite. Darauf weist die Zentralbank in ihrem am Donnerstag erscheinenden Zwischenbericht „Economic Bulletin“ hin.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Analyse zu den Käufen von Unternehmensanleihen im Zeitraum zwischen dem 8. Juni und dem 15. Juli ist schon am Mittwoch vorab veröffentlicht worden. In dem Zeitraum hat die EZB Unternehmensanleihen im Volumen von 10,4 Milliarden Euro erworben. Nach den am Montag vorgelegten Zahlen hat sich das Kaufvolumen bis Ende Juli auf 13,2 Milliarden Euro erhöht.

          Bundesanleihen werden knapp

          Blickt man auf die ersten fünf Wochen, dann hat die EZB Anleihen mit negativen Zinsen im Wert von rund 2 Milliarden Euro erworben. Nach eigenen Angaben liegen die Renditen aber nicht unterhalb des Einlagensatzes von minus 0,4 Prozent. Diese Schranke gilt auch für alle anderen Käufe: Die Rendite darf nicht geringer sein als der Strafzins, den die EZB von den Geschäftsbanken für Einlagen verlangt, die sie bei ihr parken. Deshalb drohen der EZB bald die Bundesanleihen auszugehen, die sie noch kaufen kann. Denn 60 Prozent weisen Marktzinsen auf, die schon unter dieser Marke liegen.

          Videografik : Die Anleihekäufe der EZB erklärt

          Die Renditen der bis zum 15. Juli erworbenen Unternehmensanleihen lagen nach Angaben der EZB zwischen minus 0,3 und mehr als 3 Prozent. Dabei hat ihre Ankündigung im März, Unternehmensanleihen in das Kaufprogramm einzubeziehen, die Renditen spürbar gedrückt, was bei Anleihen mit entsprechenden Kursgewinnen verbunden ist.

          Die EZB hat also die Preise für diese Wertpapiere selbst hoch und ihre Renditen nach unten getrieben. Zwischen dem 10. März, dem Tag der Ankündigung, und dem 24 März seien die Renditen von Unternehmensanleihen aus den oberen Bonitätsklassen (Investment Grade) um 0,16 Prozentpunkte oder 16 Basispunkte gesunken. Allein elf Basispunkte sind nach Angaben der EZB auf die Ankündigung der Käufe von Unternehmensanleihen zurückzuführen. 

          Auch Renditen von Hochzinsanleihen gesunken

          Darüber hinaus seien auch die Risikoaufschläge für Anleihen gesunken, die nicht zum Kaufprogramm gehören. Das sind die sogenannten High-Yield-Anleihen bonitätsschwacher Unternehmen und die Anleihen von Banken. Die Renditen für High-Yield-Anleihen seien um 25 Basispunkte gesunken. Ein weiterer Effekt der Ankündigung war eine deutliche Zunahme der Neuemissionen von Unternehmensanleihen.

          In dem Berichtszeitraum erwarb die EZB 458 verschiedene Anleihen von 175 Unternehmen. In der Regel kaufen die EZB und die dafür beauftragten Notenbanken aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Belgien und Finnland die Anleihen in einem Volumen von weniger als 10 Millionen Euro an. Darauf entfallen 58 Prozent der Transaktionen.

          Gut ein Drittel liegt in der Spanne von 10 bis 50 Millionen Euro. Größer als 50 Millionen Euro waren 8 Prozent der Käufe. Die Unternehmen, deren Anleihen erworben wurden, stammen zu 28 Prozent aus der Branche der Konsumgüterhersteller. Versorger machten 22 Prozent aus und 11 Prozent Unternehmen aus dem Bereich Kommunikation (Telekom, Medien).

          Nach einer früheren Auswertung der Analysten der DZ Bank entfielen 29 Prozent der EZB-Käufe im Zeitraum von 8. Juni bis 15. Juli auf Unternehmensanleihen aus Frankreich. Das sind rund 3 Milliarden Euro. An zweiter Stelle liegen deutsche Unternehmen mit einem Anteil von fast einem Viertel oder knapp 2,6 Milliarden Euro. Darunter befanden sich namhafte Unternehmen wie Allianz, Bayer, BASF, VW, Siemens, Linde, Lanxess, BMW, Daimler oder SAP, aber auch Familienunternehmen wie Würth oder Robert Bosch.

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