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Euroraum Zinszertifikate trotzen Niedrigzinsumfeld

 ·  Auch bei historischem Leitzinstiefstand sind Renditen von mehr als 4 Prozent möglich. Der Anleger trägt das Risiko der Zahlungsunfähigkeit der Bank.

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© F.A.Z. Renditen und Zinsen seit 2006

Auch nach der Leitzinssenkung im Euroraum auf den historischen Tiefststand von 0,75 Prozent bieten einige Zinszertifikate den Anlegern noch ansehnliche Renditen. Je nach Bank und Produktausgestaltung können die jährlichen Zinszahlungen 5 Prozent betragen. So ist ein Stufenzinsanleihe genanntes Zinszertifikat der amerikanischen Bank Morgan Stanley noch bis 30. Juli unter der Wertpapierkennnummer (WKN) MSOKHG in der Zeichnung, das den Anlegern steigende Zinszahlungen während der Laufzeit zusichert. Nach einem Jahr Laufzeit erhalten die Anleger Anfang August 2013 eine Zinszahlung von 3 Prozent, im zweiten Jahr sind es 3,25 Prozent, im dritten 3,5 Prozent, im vierten 4 Prozent und im fünften 4,5 Prozent.

Mindestanlagesumme sind 100 Euro. Es fällt ein Ausgabeaufschlag von 1 Prozent an. Das Zertifikat wird zu einem Kurs von 100 Prozent in den Börsenhandel an den Börsen Scoach in Frankfurt und Euwax in Stuttgart kommen. Der Rückzahlungskurs am Ende der Laufzeit beträgt ebenfalls 100 Prozent. Bei Verkäufen während der Laufzeit, die börsentäglich möglich sind, können Kursgewinne, aber auch Kursverluste entstehen. Der Rückzahlungskurs wird nur zum Ende der Laufzeit gewährleistet und hängt von keinerlei Bedingungen ab, außer dem Fortbestand der Zahlungsfähigkeit von Morgan Stanley.

Vertrauen stark angeschlagen

Die Zweifel an der Zahlungsfähigkeit sind jedoch der Grund für die vergleichsweise hohen Renditemöglichkeiten im Niedrigzinsumfeld. Das Vertrauen in die Banken ist stark angeschlagen. Der Deutsche Derivate Verband (DDV) führt eine täglich aktualisierte Übersicht, in der die Versicherungsraten gegen Kreditausfall der Emittenten am deutschen Derivatemarkt aufgeführt sind, die sogenannten Credit Default Swaps (CDS). Die Übersicht gibt das Zutrauen der Marktteilnehmer in die Zahlungsfähigkeit der Institute wieder. Morgan Stanley liegt in der Rangliste besonders schlecht, jedoch noch weit von den Rekordwerten des Jahres 2008 entfernt, als der Zertifikateemittent Lehman Brothers zahlungsunfähig wurde. Die immer noch hohen Zweifel im Markt zwingen die Banken jedoch dazu, relativ hohe Zinsen zu zahlen, um an das Kapital der Anleger zu gelangen.

Wesentlich sicherer eingestufte Zertifikateemittenten können daher kaum mit den Konditionen einer Morgan Stanley oder aber auch der Royal Bank of Scotland oder der Société Générale mithalten. Sie bieten dafür aber - gemessen an der Einschätzung der Marktakteure - eine höhere Sicherheit vor einem Zahlungsausfall der Bank. Als besonders sicher wird - gemessen an den CDS-Raten - die DZ Bank eingestuft, das Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken. Eine vergleichbare Stufenzinsanleihe mit Laufzeit bis Juli 2017 notierte am Montag bei einem Kurs von etwa 100 Prozent. In der Zinsperiode bis Juli 2013 beträgt die Verzinsung ebenfalls 3 Prozent, danach 3,25 Prozent und 3,5 Prozent, 2016 mit 3,75 Prozent und 2017 mit 4 Prozent liegt sie jedoch jeweils unterhalb der Verzinsung des Morgan-Stanley-Zertifikats.

Erhebliche Verluste am Aktienmarkt

Gleichwohl ist die Verzinsung weitaus höher als auf den meisten Tages- und Festgeldkonten, deren Verzinsung sich während der Finanzkrise deutlich verschlechtert hat (siehe Grafik). Bis auf Lehman Brothers kam es noch zu keinen Ausfällen von Emittenten am Zertifikatemarkt, so dass viele Anleger das Ausfallrisiko angesichts der höheren Verzinsung in Kauf nehmen. Die vergleichsweise sicheren Zinszertifkate erfreuen sich daher angesichts stark schwankender Aktienkurse steigender Beliebtheit.

Die European Derivatives Group (EDG) und die Zertifikatebörse Scoach haben einen Index für Kapitalschutzzertifikate entwickelt, der 20 für diese Produktgruppe repräsentative Zertifikate enthält und von der EDG regelmäßig angepasst wird. Der Index weist eine insbesondere im Vergleich zum Aktienmarkt sehr viel kontinuierlichere Entwicklung auf (siehe Grafik). Die Rendite ist mit durchschnittlich gut 2 Prozent im Jahr seit der Auflage des Index im Jahr 2006 zwar nicht üppig. Am Aktienmarkt waren in dieser Zeit unter dem Strich jedoch erhebliche Verluste zu verzeichnen. Insgesamt sind in den risikoarmen Zertifikatekategorien mit Kapitalschutz derzeit rund 70 Milliarden Euro angelegt und damit gut zwei Drittel des gesamten Zertifikatemarktes.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Wirtschaft.

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