26.04.2011 · Die europäische Schuldenkrise erreicht weitere Höhepunkte. Dei Renditen staatlicher Zinspapiere aus Griechenland, Portugal und Irland steigen stark. In Spanien dagegen gibt es große Finanzprobleme im Privatsektor und den autonomen Regionen.
Die europäische Schuldenkrise erreicht beinahe täglich neue Höhepunkte in Form der Renditen staatlichen Zinspapieren aus Griechenland, Portugal und Irland. Am Osterdienstag liegen die Renditen der Staatsanleihen Griechenlands mit einer Restlaufzeit von zwei Jahren bei knapp 24 Prozent. Das ist der höchste Stand seit Einführung des Euro und der Trend zeigt weiterhin steil nach oben.
Gleichzeitig sind die Prämien, die von Anlegern für die Bereitstellung einer Versicherung gegen Kreditereignisse verlangt werden durch die Decke gegangen. Sie liegen bei Kontrakten mit einer Laufzeit von fünf Jahren bei 1424 Basis- oder 14,24 Prozentpunkten. Wer eine Anleihe mit einem Nominalwert von einer Millionen Euro gegen einen Zahlungsausfall versichern will, muss dafür 142400 Euro zahlen. Das ist enorm.
Deutlich steigende Renditen machen eine Umschuldung immer unumgänglicher
Ähnlich deutlich steigen die Renditen der Staatsanleihen von Irland und Portugal mit vergleichbarer Laufzeit, wenn auch auf hohem, aber noch deutlich tieferem Niveau. Bei Papieren von Portugal liegen sie bei 11,13 Prozent und bei Irland bei 10,97 Prozent. Auch die Prämien für die Absicherung gegen adverse Vorkommen liegen beinahe gleich hoch, nämlich bei 673 und bei 666 Basispunkten.
Die Gründe sind einfach auszumachen, auch wenn sie von politischer Seite so bisher nicht wahrgenommen werden wollen: Die Schulden dieser Staaten sind gemessen an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit dieser Staaten bei gegebenen Strukturen zu hoch und damit nicht tragbar. Für Griechenland und Portugal gilt das für die staatlich angehäuften Schulden, während in Irland zunächst die Misswirtschaft der Banken für die Schwierigkeiten verantwortlich war. In dem Moment, in dem jedoch der Staat die Risiken übernahm und für die Bilanzen der Banken garantierte, wurden sie zum Finanzrisiko für das gesamte Land.
Längst fordern kritische Stimmen, Irland möge doch dem Beispiel Islands folgen und die Sozialisierung der privaten Schulden der Banken zu verweigern (siehe:„Irland sollte die Bankschulden nicht bezahlen“). In diesem Falle würde die Krise in Europa weitere Kreise ziehen, da nach dem Platzen der irischen Immobilienblase viele Gläubiger auf beachtlichen, uneinbringlichen Verbindlichkeiten sitzen blieben. Mag das noch Zukunftsmusik sein, so kehrt in Bezug auf Griechenland langsam aber sicher die Einsicht in die Realität der Lage ein. Griechenland sollte seine Verbindlichkeiten eher früher als später umschulden, erklärte sogar Lars Feld, Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung. Griechenland könnte eine Umschuldung nicht vermeiden. Ähnliches gilt auch für Portugal.
Aus beiden Staaten kamen in den vergangenen Stunden kritische Nachrichten, die den Kursverfall ihrer Anleihen beschleunigten. Griechenlands Staatsdefizit sei noch höher als bislang bekannt. Der Fehlbetrag im Haushalt 2010 belief sich auf 10,5 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP), wie die Statistikbehörde Eurostat am Dienstag in Luxemburg mitteilte. Das Haushaltsdefizit Portugals war schon am Montag um 0,5 Prozentpunkte auf 9,1 Prozent nach oben korrigiert worden.
Große Finanzprobleme in Spaniens Privatsektor und den autonomen Regionen
Spanien gilt zwar als solider und wird von den Finanzmärkten noch nicht so kritisch wie Griechenland, Irland und Portugal betrachtet. Allerdings sitzen dort viele Banken auf beachtlichen Risiken, die bisher nur in Ansätzen transparent geworden sind. Gleichzeitig begeben die verschuldeten autonomen Regionen Spaniens so viele Anleihen wie seit einem Jahr nicht mehr und zahlen dafür etwa dieselben Renditen wie Portugal kurz vor dem Ersuchen um Hilfsgelder.
Katalonien, das sich den von Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero geforderten Ausgabenkürzungen widersetzt, hat im März Anleihen im Volumen von 2,3 Milliarden Dollar an den Markt gebracht und liegt damit an der Spitze der Regionen des Landes. Katalonien zahlte am 28. März für ein 2013 fälliges Papier über 400 Millionen Euro eine Rendite von 5,5 Prozent. Valencia begab einen Bond mit zwei Jahren Laufzeit mit einem Koupon von 5,5 Prozent.
Besorgt sind die Anleihegläubiger wegen der Weigerung der Regionalregierungen, die Ausgaben für Gesundheitsfürsorge und öffentliche Vorhaben zu senken. Das wird die Sparmaßnahmen behindern, mit denen die Regierung den Renditeaufschlag von spanischen Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen in diesem Jahr um 74 Basispunkte senken konnte. Über die Hälfte der 17 „comunidades autonomas“ Spaniens haben liegen mit ihren Haushaltsdefiziten über den im Vorjahr angepeilten Zielen. „Die Anleihen der spanischen Regionen haben von der Verringerung des Spreads der Staatsanleihen in diesem Jahr nicht profitiert“, sagt Leef Dierks, Analyst bei Morgan Stanley in London, der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Es bestehen nach wie vor Bedenken, ob sie ihre Defizite senken können.“
Die „Haushaltszahlen für 2010 zeigten, dass der Weg der Fiskalkonsolidierung für einige spanische Regionalregierungen unklar beleibt“, schrieb Moody's Investors Service am 10. März in ihrer Begründung für die Ratingherabstufung Spaniens. Am nächsten Tag setzte Moody's die Bonitätseinschätzung für Katalonien, Valencia, Castilla La Mancha und Murcia herab. Angesichts der Regionalwahlen am 22. Mai sträuben sich die Regierungen der Regionen, Haushaltskürzungen umzusetzen, die ihre Chancen auf eine Wiederwahl schmälern könnten. Der Vorsprung der oppositionellen Volkspartei gegenüber Zapateros Sozialisten hat sich in den Meinungsumfrage im Februar auf 10,1 Prozentpunkte ausgeweitet. Bevor die landesweiten Haushaltskürzungen im Mai 2010 angekündigt wurden, lag dieser nur bei 1,5 Prozentpunkten.
Längst sind die spanischen Finanzprobleme zu politischen Problemen geworden. Wurden solche in der Vergangenheit gerne mit der budgetairen Gießkanne gelöst, wird das künftig kaum noch möglich sein, ohne die Glaubwürdigkeit weiter zu untergraben.
Spekulanten
b schick (besc66)
- 26.04.2011, 18:32 Uhr
Aktuelle Eindrücke aus Portugal
Otto Fragender (Fragender)
- 27.04.2011, 11:54 Uhr
@b schick (besc66) Bedenken Sie bitte
Karl Theodor (karl.theodor)
- 27.04.2011, 13:31 Uhr
@ b schick (besc66): Spekulanten
Samuel Weise (samweis2111)
- 27.04.2011, 13:35 Uhr
Das bitterste an der ganzen Geschichte ist,
Michael Arndt (Mikel1962)
- 27.04.2011, 14:01 Uhr