27.04.2011 · Dass es zu einer Umschuldung der griechischen Schulden kommt, wird auf dem Kapitalmarkt als immer wahrscheinlicher eingestuft. Von den Forderungen liegen 40 Milliarden Dollar bei deutschen Banken. Dies birgt ein hohes Risiko für den deutschen Steuerzahler.
Von Stefan RuhkampWährend auf den Kapitalmärkten das Risiko einer Umschuldung der griechischen Schulden immer höher bemessen wird, bangen auch deutsche Banken und Versicherer um ihr Geld. Die griechische Notenbank beziffert die gesamten Auslandsschulden des Landes auf einen Marktwert von 410 Milliarden Euro. Davon entfallen auf Staatstitel 190 und auf Forderungen gegen griechischen Finanzinstitute gut 200 Milliarden Euro. Von einer Umschuldung wären unmittelbar vor allem die Forderungen gegen den griechischen Staat betroffen, die auf dem Anleihemarkt bei den längsten Laufzeiten nur noch mit 50 Cent je Euro Nennwert gehandelt werden. In der Folge wäre wohl auch mit Wertverlusten für Forderungen gegen Banken und andere private Schuldner zu rechnen. Entsprechend gespannt verfolgen Banken und auch die Europäische Zentralbank die Entwicklung in Griechenland und warnen vor den Folgen einer Umschuldung.
Von den Forderungen gegen griechische Schuldner lagen nach Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) Ende September 2010 rund 170 Milliarden Dollar bei ausländischen Banken. Zählt man auch den Marktwert von Derivaten und Kreditzusagen hinzu, steigen die im Falle einer Umschuldung im Feuer stehenden Werte der Banken auf rund 278 Milliarden Dollar. Davon entfällt etwa ein Viertel auf das deutsche Bankensystem, das mit 69 Milliarden Dollar – ohne Derivate und Kreditzusagen sind es 40 Milliarden Dollar – nach Frankreichs Banken die größten Risiken trägt.
Nennenswerte Positionen halten unter anderem die deutschen Pfandbriefbanken. Die Mitglieder des Pfandbriefverbands haben in ihren Büchern Ende 2010 griechische Anleihen im Wert von knapp 9 Milliarden Euro bilanziert. Davon dienen rund 2,5 Milliarden Euro für die Besicherung der öffentlichen Pfandbriefe. Der Rest wird außerhalb des Deckungsstocks gehalten. Die Forderungen gegen die schwachen Eurostaaten Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien summieren sich bei den Pfandbriefbanken auf 70 Milliarden Euro, wovon 35 Milliarden Euro im Deckungsstock liegen. Die öffentlichen Pfandbriefe sind etwa mit der doppelten Summe übersichert, heißt es beim Pfandbriefverband. Selbst im schlimmsten Fall müssten sich also die Inhaber der Pfandbriefe keine Sorgen machen, lautet die mit der Zahl verbundene Botschaft des Verbands.
Die Risiken sind unverändert
Als Bank mit dem größten Griechenland-Risiko in Deutschland galt lange die verstaatlichte Hypo Real Estate. Seit Herbst vergangenen Jahres hält sie selbst fast keine Forderungen mehr gegen den griechischen Staat. Auch die Risiken gegen andere schwache Eurostaaten sind stark reduziert worden. Allerdings sind diese fast vollständig auf die FMS Wertmanagement übergegangen, eine Anstalt öffentlichen Rechts, für die der Bund haftet. Die Risiken des deutschen Steuerzahlers haben sich also nicht verändert. FMS dürfte derzeit Anleihen und andere Forderungen gegen den griechischen Staat im Nennwert von 9,5 Milliarden Euro halten. Zählt man die Positionen von HRE und FMS zusammen, summieren sich die Forderungen gegen staatliche Schuldner in den fünf schwachen Euroländern auf 77 Milliarden Euro.
Weitere Risiken liegen bei der KFW-Bankengruppe, für die der Bund garantiert. Über die staatliche Bank fließt der deutsche Anteil an dem Stabilisierungsprogramm für Griechenland. Griechenland hat bei der KFW-Bankengruppe einen Darlehensrahmen von 22,3 Milliarden Euro, für das der Bund bürgt. Von dieser Summe sind bislang 8,4 Milliarden Euro ausgezahlt. Die deutschen Versicherer geben sich in der Schuldenkrise bislang gelassen. Auf griechische Staatstitel entfalle weniger als 1 Prozent der gesamten Kapitalanlagen von rund 1200 Milliarden Euro, heißt es beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Genaue Zahlen über das Engagement in den anderen Euroländern gibt es nicht. Es werden in der Branche jedoch Schätzungen genannt, wonach die Positionen in Irland und Portugal ebenfalls unter 1 Prozent liegen und in Spanien und Italien größer sind.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.843,87 | −0,93% |
| FAZ-INDEX | 1.524,59 | −0,88% |
| TecDAX | 777,52 | −1,00% |
| MDAX | 10.380,20 | −0,84% |
| SDAX | 5.072,21 | −0,82% |
| REX | 421,52 | +0,23% |
| Eurostoxx 50 | 2.519,00 | −0,89% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,41 | −0,89% |
| Dow Jones | 12.952,90 | −0,10% |
| Nasdaq 100 | 2.583,58 | −0,26% |
| S&P500 | 1.362,21 | +0,07% |
| Nikkei225 | 9.554,00 | +0,96% |
| EUR/USD | 1,3254 | +0,18% |
| Rohöl Brent Crude | 122,48 $ | +0,85% |
| Gold | 1.748,00 $ | 0,00% |
| Bund Future | 138,83 € | +0,63% |