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Europäische Zentralbank Weitere Zinspause erwartet

 ·  Wegen der Schwäche der Wirtschaft spekulieren viele Investoren auf eine weitere Zinssenkung der EZB. Die dürfte bei ihrer nächsten Zinssitzung am Donnerstag jedoch den Leitzins konstant halten.

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© F.A.Z. Vergrößern

Die nach unten korrigierten Prognosen für Inflation und Wachstum im Euroraum haben auf den Kapitalmärkten die Spekulation auf eine weitere Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) verstärkt. Doch zumindest bei ihrer nächsten monatlichen Ratssitzung an diesem Donnerstag dürfte die EZB ihr Abwarten verlängern und den Leitzins bei 0,75 Prozent belassen. Das ist fast ausnahmslos die Erwartung der von der Nachrichtenagentur Reuters befragten 73 Banken.

Die wirtschaftliche Lage könne eine Zinssenkung rechtfertigen, sagt Carsten Brzeski, Ökonom der niederländischen Bank ING. Aber die EZB glaube derzeit nicht an die heilende Wirkung einer Zinssenkung um einen Viertelpunkt und wolle lieber ihr letztes Pulver trocken halten. Nur eine abermalige Verstärkung des Abschwungs könne sie in diesem Jahr noch zu einer Zinssenkung verleiten, glaubt Brzeski. Mit dieser Einschätzung ist er allerdings in der Minderheit. Die Mehrheit seiner Kollegen erwartet durchaus noch mindestens eine Senkung auf 0,5 Prozent - nur eben jetzt noch nicht.

Allein nach der fallenden Inflationsrate und der für dieses Jahr erwarteten Rezession im Euroraum zu urteilen, sei ein Leitzins knapp über null Prozent zu erwarten, schreibt Commerzbank-Analyst Michael Schubert. Der EZB-Rat werde sich aber wahrscheinlich dennoch gegen eine Senkung entscheiden. Eine Reihe von EZB-Direktoren hätten sich zuletzt für ein Abwarten ausgesprochen und darauf hingewiesen, dass die Geldpolitik schon sehr stimulierend auf die Konjunktur wirke.

Anzeichen für Besserung

Auch Goldman Sachs rechnet mit dem Abwarten der EZB am Donnerstag. Im Dezember habe es zwar im Rat Stimmen für eine Senkung gegeben, aber nach Aussagen des EZB-Präsidenten Mario Draghi habe der Konsens für ein Abwarten überwogen. Inzwischen seien jedoch die meisten wirtschaftlichen Daten günstig gewesen und die Inflationsrate sei nur langsam gesunken, argumentiert Goldman-Analyst Dirk Schumacher.

Wichtiger noch sei, dass der EZB-Rat eine Zinssenkung derzeit nicht als effektives Instrument zur Stützung der Konjunktur ansieht. Die auseinander gedrifteten Finanzierungsbedingungen für die Unternehmen in den finanzstarken und den finanzschwachen Ländern wieder etwas anzunähern, sei aus der Sicht der EZB wirksamer.

Ermutigend sei in dieser Hinsicht, dass sich die Kreditvergabe insbesondere in Italien zuletzt belebt habe. Die Kreditvergabe ist im Euroraum insgesamt zwar immer noch schwach. Auch wegen der Zurückhaltung der Banken ist die jährliche Veränderungsrate den siebten Monat in Folge negativ gewesen. Aber es gibt zumindest Anzeichen für eine Besserung. So sind in einigen Krisenländern die Kreditzinsen für Unternehmen weiter gesunken.

Rekordtief von knapp 3,7 Prozent

Die EZB veröffentlichte am Dienstag Daten für den vergangenen November, die das belegen. Die Zentralbank hatte ihre Ankündigung, notfalls unter Auflagen unbegrenzt zugunsten der finanzschwachen Eurostaaten auf dem Staatsanleihemarkt zu intervenieren, unter anderem mit der wachsenden Fragmentierung der Finanzierungsbedingungen gerechtfertigt. Zuvor hatten sich die Zinsen, die etwa deutsche Unternehmen zahlen müssen, immer mehr verringert, während sie für spanische und italienische Unternehmen stark gestiegen waren.

Dieser Trend scheint sich allmählich umzukehren oder zumindest abzuschwächen. So haben sich zwar die Zinsen, die kleine deutsche Unternehmen für Kredite bis zu einer Millionen Euro für ein bis fünf Jahre durchschnittlich ihren Banken zahlen müssen, seit dem Sommer weiter verringert - von gut 4 Prozent im Juli auf das Rekordtief von knapp 3,7 Prozent im November.

Für italienische Kleinunternehmen haben sich die Finanzierungsbedingungen aber noch mehr verbessert. Im Juli lag der Durchschnittszins für neue Kredite noch bei 6,2 Prozent, im Januar sogar bei 6,4 Prozent und ist inzwischen auf 5,4 Prozent gesunken.

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