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Europäische Union Österreich profitiert von der Schuldenkrise

 ·  In der zurückliegenden Woche haben Anleger von österreichischen Staatsanleihen von den Unsicherheiten in Griechenland und Italien profitiert: Die Kurse der österreichischen Schuldpapiere sind gestiegen, die Zinsen gesunken.

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Was des einen Leid, ist des anderen Freud. Das gilt auch für die aktuelle Schuldenkrise der südeuropäischen Länder. Anleger von österreichischen Staatsanleihen haben in der zurückliegenden Woche von den Unsicherheiten in Griechenland und Italien profitiert: Die Kurse der österreichischen Schuldpapiere sind gestiegen, die Zinsen gesunken. Martha Oberndorfer, Geschäftsführerin der Österreichischen Bundesfinanzierungsagentur (ÖBfA) – dem Pendant zur deutschen Finanzagentur – erklärt das mit einer „Flucht in die Qualität“. Österreich ist eines von einem halben Dutzend Ländern im Euro-Raum, die über eine erstklassige Bonität verfügen. Weltweit erfüllen dies rund ein Dutzend Staaten.

Die Verzinsung für zehnjährige Anleihen ist seit April von über 3,8 auf nun 3,3 Prozent gefallen. Noch stärker sind die deutschen Renditen wegen ihrer Leitfunktion gesunken. Wegen der Flucht in die Qualität sank die Verzinsung der österreichischen Papiere zwischen dem 5. und 12. Juli um 0,17 Prozentpunkte auf 3,35 Prozent. Allerdings ist der Zinsaufschlag gegenüber zehnjährigen deutschen Bundesanleihen in diesem Zeitraum von 0,5 auf gut 0,6 Prozentpunkte gestiegen. Die für das Schuldenmanagement der Republik verantwortliche Oberndorfer hält diese Aufschläge für höher, als es der guten fundamentalen Daten Österreichs angemessen wäre. Auch gegenüber vergleichbaren Staaten wie Finnland oder den Niederlanden erscheint ihr der Zinsaufschlag als zu hoch. Gleichwohl ist dieser von seinem Höchststand von 1,4 Prozentpunkten im Frühjahr 2009 weit entfernt. Damals kam die Alpenrepublik wegen ihres starken Osteuropaengagements des Finanzsektors ins Gerede.

22 bis 25 Milliarden Euro

Österreich profitiere derzeit „von einer extrem starken Nachfrage nach kurzlaufenden Papieren wie Schatzscheinen, was den Status Österreichs als sicherer Hafen untermauert“, meint die Chefin der Finanzagentur. Die Republik Österreich benötigt neben den monatlich begebenen Anleihen auch immer wieder kurzfristige Mittel vom Geldmarkt. Wie Oberndorfer sagt, ist die Nachfrage nach diesen Papieren besonders hoch, was wiederum zu besonders günstigen Konditionen für die Republik führt.

Die ÖBfA hat drei Viertel ihres Finanzierungsplans für das laufende Jahr abgearbeitet. Dazu trägt das relativ geringe Finanzierungsvolumen Österreichs bei, welches rund 1,3 Prozent des Finanzierungsvolumens des gesamten Euroraums ausmacht. Es verschafft Österreich viel Flexibilität, was im aktuellen Umfeld kein Nachteil ist. Im laufenden Jahr wird die Republik Bundesanleihen im Umfang von 16 bis 19 Milliarden Euro emittieren. Einschließlich aller Finanzierungsinstrumente sind es 22 bis 25 Milliarden Euro.

Eine konservative Refinanzierungsstrategie

Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das eine Verringerung um 15 Prozent, im Vergleich zum Höhepunkt 2009 sogar 35 Prozent. Was der Rückgang der Zinsen für die Staatsschuld bedeutet, kann Oberndorfer nicht beziffern, denn die Republik Österreich finanziert sich über die ganze Zinskurve – vom Ein-Monatsgeld bis zum 30-Jahresgeld. Kurzlaufende Papiere können günstiger emittiert werden. Zudem hat das aktuelle Zinsniveau nur auf die Neuaufnahmen Auswirkungen. Im Herbst 2010, als die Zinsprognosen für das Budget erstellt wurden, rechnete der Markt mit deutlichen Zinsanstiegen für dieses Jahr. Das aktuelle Marktniveau liegt deutlich darunter.

Mit einem Haushaltsdefizit von voraussichtlich 3,7 Prozent der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr und einer Schuldenlast von fast drei Viertel des Bruttoinlandsprodukts steht Österreich zwar besser als der Euroraum da, doch ist die Schieflage der öffentlichen Finanzen im historischen Vergleich rekordverdächtig. In den zurückliegenden Jahren hat Österreich mit gut vier Prozent eine geringere Durchschnittsverzinsung der Staatsverschuldung erreicht als der Euroraum. Das liegt zum einen an der guten Bonität. Zum anderen erfolgt das Schuldenmanagement über eine konservative Refinanzierungsstrategie mit einem niedrigen Geldmarktanteil- und einem höheren Anteil an fix verzinslichen Papieren. Die durchschnittliche Laufzeit des Schuldenportfolios der Republik Österreich beträgt rund neun Jahre, womit das Refinanzierungsrisiko gering gehalten wird.

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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

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