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Europäische Union Kapitalbedarf irischer Banken übersteigert

 ·  Laut Goldman Sachs stattete die irische Regierung die Banken mit deutlich zu viel Kapital aus. Die Verlustszenarien des Staates seien angesischts der Unruhe von Marktteilnehmern und dem angeblich nochmals höheren Kapitalbedarf irischer Banken unrealistisch hart.

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Die irischen Banken werden vom irischen Staat und möglicherweise von Rettungsgeldern der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds mit Eigenkapital in einer Größenordnung ausgestattet, die sich als völlig unrealistisch und überhöht herausstellen könnte. Schon bei Veröffentlichung der Stress-Tests des irischen Staates hatte das Institut Irish Life and Permanent kritisiert, dass die volkswirtschaftlichen Stressannahmen der irischen Zentralbank über den Kollaps des privaten Immobilienmarktes so unrealistisch seien, dass dies in ihrem Portfolio gar nicht darstellbar sei. Die Arbeitslosenquote müsse auf 20 Prozent steigen, um derart hohe Ausfallquoten annehmen zu können.

Angesichts der Unruhe von Marktteilnehmern und dem angeblich nochmals höheren Kapitalbedarf irischer Banken haben Goldman Sachs und Barclays Capital gewarnt, dass derzeitige Verlustszenarien unrealistisch hart seien. „Wenn unsere Stress-Szenarien stimmen, dann werden die wirklichen Verluste und damit die tatsächliche Belastung für den irischen Staat letztlich deutlich niedriger ausfallen, als bisher von der staatlichen Auffanggesellschaft Nama prognostiziert, schreiben die Analysten von Goldman Sachs. „Die Nama wird sogar einen Gewinn auf die von den Banken übernommen gewerblichen Hypothekenkredite erzielen“, vermutet die Investmentbank in einer Analyse der irischen Bankrisiken. „Das bedeutet nichts anderes, als dass die irische Regierung die Banken mit deutlich zu viel Kapital ausgestattet hat, vielleicht in einer Größenordnung von zig Milliarden Euro.“

Gravierendere Verluste als im privaten Hypothekensektor

Zu einem ähnlichen Schluss kommt die Investmentbank Barclays Capital, die ebenfalls eine Stressberechnung irischer Bankenverluste durchgeführt hat. Verlustprognosen, die derzeit am Markt mit Blick auf die Bank of Ireland und Allied Irish Bank angestellt würden, setzten voraus, dass das Ausmaß der katastrophalen Verluste vom Hypothekenbuch der Anglo Irish Bank auf die anderen Banken übertragen würde und der Markt für private Hypotheken komplett zusammenbrechen würde. „Wir glauben nicht, dass dies plausibel ist“, heißt es bei Barclays Capital.

Die Einschätzungen erklären sich mit den Unterschieden des gewerblichen Hypothekenportfolios, das die Auffanggesellschaft Nama von den irischen Banken übernimmt und dem bei den irischen Banken verbleibenden Restportfolio privater Hypotheken. Die staatliche irische Auffanggesellschaft Nama wurde gegründet, um den irischen Banken nur die Hypothekenkredite abzukaufen, die an Unternehmen, also zum Beispiel Bauunternehmer ausgegeben wurden. Die Banken treten an die Nama keine Hypotheken ab, die sie an die Bevölkerung für den privaten Haus- und Wohnungsbau erteilt haben. Erfahrungsgemäß sind die Verluste, die Banken bei einer schweren Immobilienkrise im gewerblichen Hypothekensektor erleiden, gravierender als im privaten Hypothekensektor. Dies um so mehr, als der Beleihungswert irischer gewerblicher Hypothekenkredite bei 70 bis 100 Prozent lag und damit so hoch ist, dass die Nama ihre Stress-Szenarien anpassen, und damit die Abschreibungswerte für die Banken extrem heraufsetzen musste.

Extrem pessimistische Annahmen der Nama

Obwohl an beiden Märkten die Immobilienpreise stark sinken, steht der private Hypothekenmarkt dennoch besser da: 75 Prozent der privaten Hypotheken werden variabel und damit derzeit extrem günstig verzinst. Private Bankkunden können sich nicht wie in den Vereinigten Staaten aus ihrer langfristigen Rückzahlungsverpflichtung stehlen. Die Bedienung der Hypotheken bei Arbeitslosigkeit wird vom Staat übernommen und Banken gewährend Haushalten in Zahlungsschwierigkeiten ein einjähriges Moratorium. Die derzeit am Markt ausgemalten Verlustszenarien der Banken am privaten Hypothekenmarkt sind daher überzogen, heißt es in London. Goldman Sachs kalkuliert, bei einer realistischen Berechnung müssten die irischen Banken auf ihr gesamtes Hypothekenbuch - also gewerbliche und private Hypothekenkredite - mit einem Verlust von insgesamt 35 Milliarden Euro und damit 8,4 Prozent der Hypothekensumme rechnen. Abschreibungen in Höhe von 40,7 Milliarden Euro haben die Banken bereits vorgenommen, was sogar eine Verlustquote von 10,5 Prozent berücksichtige.

Die extrem pessimistischen Annahmen der Nama zwingen die irischen Banken allerdings, 56 Prozent der an die Nama verkauften gewerblichen Immobilienkredite von 81 Milliarden Euro abzuschreiben. Dies entspricht Abschreibungen von 42,2 Milliarden Euro nur für die Nama-Hypotheken. Damit verlangt die Nama ein Ausmaß an Abschreibungen auf gewerbliche Hypotheken, das nach realistischer Berechnung für das gesamte Portfolio der irischen Banken mehr als ausreichen würde. Die Nama habe indessen im internationalen und historischen Vergleich extreme pessimistische Annahmen getroffen. Diese Annahmen aber jetzt auf das gesamte Hypothekenbuch der irischen Banken zu übertragen sei „völlig überdreht.“

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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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