27.02.2007 · Eine starke Erholung zeigt der Bund-Future in den vergangenen Tagen. nach sieben Wochen wurde auch die Marke von 116 Prozent wieder übertroffen. dennoch sind die Prognosen mittelfristig eher zurückhaltend.
Fast zwei Monate hat es gedauert, aber am Dienstag ist es nun soweit. Der für den Anleihenmarkt richtungweisende Euro-Bund-Future hat nach rund sieben Wochen die Marke von 116 Punkten wieder überwunden und zeigt damit eine deutliche Wende nach oben.
Schon im Vorfeld hatten Analysten das Überschreiten der 116 Prozent prophezeit. Mit dem Sprung über das Hoch vom 7. Februar bei 115,68 Prozent, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt, sei dem Index die Komplettierung eines Doppelbodens gelungen. Dies habe Anschlusskäufe nach sich gezogen. Auch die HSH Nordbank sah den Bund-Future, nachdem er am Montag bis auf fast 116 Punkte durchmarschiert sei, mit ausreichend positivem Momentum versehen, um in die dort beginnende Widerstandszone einzudringen.
Kritische Lage bei amerikanischen Hypothekenkrediten hilft
Der Bund wird vor allem durch den Effekt des „sicheren Hafens“ nach oben getrieben, der von dem amerikanischen Rentenmärkten auf die europäischen übergreift. Gerade am Dienstag trafen mehrere schlechte Nachrichten zusammen.
Erstens ziehen sich über den Kreditmärkten dunkle Wolken zusammen, die darauf hindeuten, dass das Ende des Immobilienbooms wohl doch nicht so glimpflich verläuft wie bislang angenommen. Große Abschreibungen auf zweitklassige (Subprime-) Hypothekenkredite durch HSBC Holdings, und die Nummer zwei des Marktes New Century Financial, und der Konkurs von ResMAE lösten die Sorgen aus.
Mittlerweile gilt die Besorgnis dem gesamten Finanzsektor. Die Preise für Kreditversicherungen auf Subprime-Hypothekenanleihen stiegen seit nunmehr sieben Tagen, die Renditen für BBB-Anleihen dieser Art sind in den vergangenen zwei Wochen um 1,75 Prozentpunkte auf 4,75 Prozent gestiegen.
Einbruch an Chinas Aktienmarkt treibt Anleger in die Rentenmärkte
Zweitens zeigten die am vergangenen Mittwoch veröffentlichten Daten zu den amerikanischen Verbraucherpreisen einen so starken Anstieg, dass eine Senkung der Leitzinsen kaum noch wahrscheinlich angesehen wurde.
Zum dritten erlebten die chinesischen Aktien am Dienstag ihren größten Einbruch seit zehn Jahren. In Schanghai verlor der wichtigste Aktienindex knapp neun Prozent, nachdem Profianleger wie Fonds und Versicherungen in großem Stil Gewinne mitgenommen hatten.
Auslöser sind Befürchtungen, dass die chinesische Regierung gegen illegale Investitionen vorgehen will, die den Index mit auf Rekordhöhe getrieben haben. Der Markt befürchte strengere Vorschriften, kommentierte eine Beobachterin die kräftigen Kursabschläge. Der Druck zu Gewinnmitnahmen sei nun hoch, sagte Lu Xinwen, Analyst von China Merchants Securities. Zahlreiche Titel seien mit der Aufwärtsbewegung seit Mitte 2005 teuer geworden, hieß es weiter. Dies belebe die Angst vor einer Spekulationsblase.
Greenspan erschüttert immer noch
Viertens sorgte der ehemalige amerikanische Notenbankpräsident Alan Greenspan für Unruhe, der seinem Nachfolger Ben Bernanke, unter dessen Amtsführung die Fed eher zu schwammigen Konjunkturaussagen neigt, in die Parade fuhr. Auf einer Konferenz in Hongkong sagte Greenspan, das Haushaltsdefizit der Vereinigten Staaten gebe „weiter Anlass zur Sorge“ und könne die amerikanische Wirtschaft bis zum Ende des Jahres in eine Rezession rutschen lassen. Indes sei eine solche Entwicklung nur sehr schwer vorhersagbar. Das wiederum stärkt die Hoffnung, im laufenden Jahr dann doch noch eine Zinssenkung durch die Fed erleben zu können.
Kurzfristig könnten weitere anstehende Konjunkturdaten dem Bund weiteren Auftrieb geben. Denn am Mittwochnachmittag werden die Daten zu Hausverkäufen, dem Index zum Verbrauchervertrauen und Auftragseingängen und am Donnerstag zum Bruttoinlandsprodukt des vierten Quartals veröffentlicht.
Noch immer im Bärenmarkt
Da derzeit die Konjunkturerwartungen eher pessimistisch sind, wird mit einer weiteren Abschwächung gerechnet, so die Analysten der HSH Nordbank. Entsprechend würden wohl überraschend gute Daten als Ausreißer abgetan und ignoriert werden, schwache Zahlen als Bestätigung gefeiert und zum Anlass für zusätzliche Käufe von Staatsanleihen genommen werden, in deren Fahrwasser auch Euro-Staatsanleihen fester tendieren dürften.
Mittelfristig erscheinen die Perspektiven nicht ganz so eindeutig. Die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt sehen zunächst einmal bei 116,43 Prozent noch ein einen hartnäckigen Widerstand von entscheidender Bedeutung. Bis dahin handele es sich bei einem Kursanstieg immer noch um eine Bärenmarkt-Rally. Nichtsdestoweniger seien die technischen Signale aber gut, wollen aber die Lage noch nicht neu bewertet sehen.
Den Analysten der DZ-Bank fehlt die Reflexion der Futures-Gewinne am Kassamarkt und weisen daraufhin, dass sich ein teil der Käufe eben an den amerikanischen Schatzanweisungen orientierte. Indes spiele das „Subprime-Problem“ in Europa keine Rolle und so „mögen Käufe auf dieser Basis eher früher als später bereut werden“.
Hohes M3-Wachstum deutet auf weitere Zinserhöhungen im Euroraum
Von anderer Seite her könnte dem europäischen Rentenmarkt noch Ungemach drohen. Zum einen übertraf die Wachstumsrate der Geldmenge M3 auf Jahresbasis im Januar das Vorjahresniveau um 9,8 Prozent, wohingegen im Durchschnitt mit lediglich 9,5 Prozent gerechnet wurde. Zudem zeigt das Wachstum von 0,9 Prozent gegenüber dem
Dezember eine markante Zunahme der Überschussliquidität, so die Analysten der Commerzbank Research, wobei diese darauf hinweisen, dass dieses Bild durch höhere Zinsen verzerrt sein könnte, zumal gerade Geldmarktfonds und Termingeldeinlagen Treiber der Expansion gewesen seien - jene Komponenten also, deren Rendite sich in den letzten Quartalen merklich verbessert habe.
Indes stiegen auch die Kredite an den privaten Sektor gegenüber dem Vormonat um 0,8 Prozent, just also eine der Komponenten, bei denen die EZB Risiken für die Geldwertstabilität sieht. Zwar weist die Commerzbank auch hier darauf hin, dass dies zum großen Teil von der Kreditvergabe an Versicherungen und an Pensionsfonds herrühre.
Nichtsdestoweniger sind die Analysten im allgemeinen der Ansicht, dass diese saisonal eher ungewöhnliche Entwicklung für eine weitere geldpolitische Straffung spricht. Dagegen scheint sich der Mehrwertsteuerschock in Grenzen zu halten. Nachdem Sachsen und Nordrhein-Westfalen am Dienstag Verbraucherpreisdaten vorlegten, tendierten Volkswirte eher dazu die Preissteigerungen als moderater als erwartet einzustufen. „Jetzt kann man den Alarm von rot auf gelb runterschalten. Wenn noch was kommt auf der Preisseite, dann eher von den Lohnrunden.“, so Jens-Oliver Niklasch von der LBBW.
Erholungsrally von begrenzter Dauer
Dies alles scheint für eine Erholungsrally auf den Rentenmärkten zu sprechen, wobei niemand genau vorhersagen kann, wie weit diese geht und wie lange sie anhalten wird. Während die DZ-Bank sogar ein kurzfristiges „Durchschnaufen“ nicht ausschließen will, sieht die Commerzbank die Rentenmärkte als teuer an, so dass die Analysten nur moderat positiv gestimmt sind.
Das scheint insgesamt auch die Stimmungslage recht gut zu treffen. Für die kurze Frist dürften die Bullen die Oberhand gewinne können, aber von einer neuen Hausse kann wohl derzeit noch keine Rede sein, so dass die alten Höchstkurse über 120 Prozent wohl außer Reichweite sein dürften.