Home
http://www.faz.net/-gvt-16fwp
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Euro-Anleihen Der Euphorie folgt Ernüchterung

11.05.2010 ·  Der Euro-Kurs gibt wieder nach. Verloren haben vor allem die Bankaktien, die am Montag am meisten von dem Rettungspaket profitiert hatten. Derweil kritisieren Investoren die hohe Schuldenlast der Staaten.

Von Bettina Schulz, London
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (5)

Die Euphorie an den Finanzmärkten über das europäische Stabilisierungsprogramm und die Hilfsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank ist am Dienstag Ernüchterung gewichen. Nach den Rekordgewinnen von Montag eröffneten die europäischen Aktienmärkte mit Abschlägen. Es verloren vor allem Bankaktien wieder an Wert, die am Montag am meisten von dem Rettungspaket profitiert hatten.

Der Wechselkurs des Euro gab am Dienstag während des Handels auf 1,2667 Dollar nach. An den Anleihemärkten für hochverschuldete Staaten der Währungsunion sorgten offenbar anhaltende Käufe der Notenbanken dafür, dass sich die Risikoaufschläge im Handel der Anleihen und der entsprechenden Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) weiter reduzierten. So gaben die Renditen für Papiere mit zwei Jahren Restlaufzeit von Griechenland auf 7,14 Prozent nach, von Portugal auf 2,1 Prozent und Irland auf 1,61 Prozent. Die Rendite für griechische Anleihen mit zehn Jahren Restlaufzeit sank auf 7,3 Prozent, obwohl die Rating-Agentur Moody's warnte, die Bonität Griechenlands an den Anleihemärkten könne in der nächsten Zeit weiter auf „Ramsch“ (also Non-Investment-Grade) herabgestuft werden. An den Märkten für Kreditausfallversicherungen von Banken zogen die Risikoprämien indessen wieder an.

Ein Spiegelbild der Skepsis

Die Zustimmung der Marktteilnehmer zu dem am Wochenende vereinbarten Stabilisierungsprogramm war größer als gegenüber jeder anderen bisherigen Hilfsanstrengung in der Griechenland-Krise. „Wir glauben, das jetzige Stabilisierungsprogramm erzielt eine nachhaltige Wirkung“, berichten Analysten der Citigroup. „Die Tatsache, dass es umfassend und vorausschauend ist, heißt, dass es die Märkte mit viel größerer Wahrscheinlichkeit stabilisiert als alle bisherigen Versuche.“ Zu dem Lob von Marktteilnehmern, die Politiker hätten mit dem gewaltigen Hilfspaket von 720 Milliarden Euro und den direkten Anleihekäufen der EZB endlich die Panik aus den Märkten genommen, gesellte sich am Dienstag aber auch Skepsis: „Die Unabhängigkeit der EZB könnte jetzt immer stärker in Frage gestellt werden“, warnte der volkswirtschaftliche Stratege der Deutschen Bank, Jim Reid. Die nur kurze Erholung des Euro sei ein Spiegelbild dieser Skepsis am Markt.

Am Dienstag begannen die Marktteilnehmer zwischen den kurz- und den langfristigen Effekten der am Wochenende vereinbarten politischen Lösung zu unterscheiden: Kurzfristig sei das Hilfspaket groß und konkret genug, um dem Markt die Angst zu nehmen, dass neben Griechenland auch andere Staaten der Währungsunion in eine Situation gleiten könnten, in der sie sich an den freien Kapitalmärkten nicht mehr würden refinanzieren können. Dieses Risiko sei jetzt „signifikant“ reduziert, hieß es bei Barclays Capital. Aus diesem Grund gab es in der Londoner City auch Marktteilnehmer wie Morgan Stanley und Goldman Sachs, die Investoren daran erinnerten, dass sich das Augenmerk auch wieder auf die guten volkswirtschaftlichen Daten richten sollte.

Einbindung der EZB steigert die Nervosität

Mit Blick auf die langfristige Entwicklung äußerten sich allerdings viele Marktbeobachter zurückhaltend: „Das Stabilisierungsprogramm ändert nichts an der Tatsache, dass westliche Regierungen insgesamt einen zu hohen Schuldenberg aufgetürmt haben“, betonte Reid. „Es bleibt die Gefahr, dass Griechenland, möglicherweise auch Portugal und Spanien die fiskalpolitisch harten Maßnahmen letztlich nicht werden umsetzen können“, warnte Azad Zangana, Europavolkswirt des Vermögensverwalters Schroders. Voraussichtlich würden dann die Kreditbedingungen an diese Länder aufgeweicht. Skeptischer ist die Citigroup: sie warnt, dass ohne fiskalpolitische Hilfe Griechenland und möglicherweise andere Länder umschulden müssten, allerdings nicht in diesem Jahr. Manche Investoren investieren angesichts dieser Unsicherheit weiter in Gold, wie der am Dienstag auf 1220 Dollar je Feinunze gestiegene Preis signalisierte.

Banken berichteten am Dienstag, dass Großinvestoren ihnen gegenüber auch Ängste geäußert hätten: Barclays-Capital-Analysten äußerten, Investoren interpretierten die direkten Anleihekäufe der EZB als Schritt in Richtung quantitativer Lockerung der Geldpolitik, egal, was die EZB mit Verweis auf die sterilisierten Transaktionen beteuere. Es werde erwartet, dass die scharfen fiskalpolitischen Sparmaßnahmen von Ländern wie Griechenland, Portugal, Spanien und Irland notwendigerweise eine expansive Geldpolitik der EZB erforderten. Dies werde auf dem Wechselkurs des Euro lasten, der nach Einschätzung von Barclays Capital in den kommenden Monaten bis auf 1,20 Dollar nachgeben könne.

Die Einbindung der EZB in fiskalpolitische Rettungspakete steigere die Nervosität um ihre Unabhängigkeit. Gleichzeitig wird befürchtet, dass es künftig erhebliche Auseinandersetzungen innerhalb der Währungsunion um die künftige Fiskalpolitik geben werde. Auch dies erhöhe die Unsicherheit mit Blick auf den Euro, urteilten die Analysten von Barclays Capital.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Wirtschaftskorrespondentin in London.

Jüngste Beiträge

25.05.2012 22:03 Uhr
  Vortag
BUND 144,35 +0,25%
 OK
Zinsen
25.05.2012 11:45 Uhr
  Vortag
REXP 422,77 +2,82%
 OK