Der Markt für Mittelstandsanleihen erlebt derzeit wieder so etwas wie eine Renaissance. Nachdem lange Zeit Neuemissionen eher wenig Erfolg beschieden war, überholen sich die Emittenten derzeitig gegenseitig.
Erfolgreich waren zuletzt vor allem Konsumgüterhersteller. Nachdem der Bierbrauer Karlsberg 30 Millionen Euro binnen weniger Stunden plazieren konnte, gelang dies auch der Eterna Mode Holding.
Fünffach überzeichnet
Fünffach überzeichnet sei die Emission im Volumen von 35 Millionen Euro gewesen, teilte der 1863 gegründete Hemden‐ und Blusenhersteller mit. Immerhin 8 Prozent beträgt der Kupon der fünfjährigen Anleihe. Das sind noch einmal 0,675 Prozentpunkte mehr als Karlsberg Anfang des Monats geboten hatte und 0,75 Prozentpunkte mehr als der Wettbewerber Seidensticker im März für ein Jahr Laufzeit mehr wollte.
In Hinblick auf Seidensticker scheintbei einem Creditreform-Rating von „BB-„ der Aufschlag gerechtfertigt, war der Konkurrent doch mit „BB+“ bewertet worden. Karlsberg hingegen hatte nicht besser abgeschnitten. Allerdings erklärt sich der höhere Kupon für die Eterna-Anleihe zumindest zum Teil aus den schwächeren Finanzkennziffern.
Hohe Gesellschafterdarlehen
Die bilanzielle Eigenkapitalquote beträgt weniger als 5 Prozent, finanziert wird das Unternehmen nicht zuletzt durch hohe Gesellschafterdarlehen. Diese betrugen zuletzt knapp 28 Millionen Euro, rund das Neunfache des Eigenkapitals. Laut Prospekt sind sie gegenüber Konsortialkredit von rund 51 Millionen Euro nachrangig, offenbar aber nicht gegenüber der Anleihe.
Gesellschafter der Eterna sind die Finanzinvestoren Alpha und Quadriga, die insgesamt rund 88 Prozent der Anteile halten. 2006 übernahmen diese Eterna vom Modeunternehmen Ahlers und luden, wie in der Branche üblich, den Kaufpreis dem Unternehmen auf. Die
Abschreibungen auf den Kaufpreis sorgen derzeit immer noch für Verluste.
Mit rund 23,6 Millionen Euro aus dem Emissionserlös will Eterna einen Teil des noch aus der Übernahme resultierenden Konsortialkredits umschulden. Ein Teil des Kredits wird schon zum 30. Juni 2013 fällig, der Rest bis spätestens Ende 2015. Auch die Rückzahlung der Gesellschafterdarlehen ist grundsätzlich schon für Ende 2015 vorgesehen. Insgesamt wären sind bis Ende 2015 und noch vor der Anleihe damit rund 55 Millionen Euro fällig.
Indes müssen die Gesellschafterdarlehen gemäß einer Eigenkapitalbelassungserklärung bis zur vollständigen Begleichung der Bankverbindlichkeiten im Unternehmen belassen werden, so dass die Rückzahlung Ende 2015 zwar unter Umständen möüglich, aber wenig wahrscheinlich ist.
Baldiger Bruch der Kreditvereinbarungen möglich
Aktuell ist die Finanzierungssituation des Unternehmens nach einem schwachen ersten Halbjahr nicht sehr günstig. Eternas Jahresumsatz betrug 2011 96,5 Millionen Euro und war laut Prospekt in den ersten sieben Monate des laufenden Jahres rückläufig. Zwar habe sich das Periodenergebnis durch niedrigere Aufwendungen verbessert. Dennoch sind Mittel aus dem Unternehmen abgeflossen. Steigende Tilgungen und Lagerbestände seien hierfür die Hauptgründe gewesen, während der schwächere Umsatz auf den deutlich geringeren Hemdenumsatz im Großhandel zurückgeführt wird.
Noch dicker kommt es auf der Ertragsseite dadurch, dass Reinergebnis und operatives Ergebnis rückläufig sind. Daher nehme die Wahrscheinlichkeit eines Kennzahlenbruches zum 30.9.2012 und 31.12.2012 zu, heißt es im Prospekt. Bei einem Kennzahlenbruch könnte das Bankkonsortium die Darlehen kurzfristig fällig stellen. Aber es würden Gespräche mit den Hauptbanken geführt und Eterna geht von einer günstigen Anpassung der Finanzkennzahlen aus.
Letztlich sollen die verbleibenden Kredite ganz oder teilweise auch über 2015 hinaus prolongiert werden, gerade um das Unternehmen nicht zu überlasten. Ein Baustein ist auch die Anleihe, die sich aber wiederum belastend auf die Finanzkennzahlen auswirkt. Immerhin mehr als 10 Millionen Euro sollen für die Wachstumsfinanzierung eingesetzt werden und erhöhen damit die Verschuldung, wenngleich zu hoffen steht, dass die Anleihe günstiger verzinst ist als der Konsortialkredit und so der Zinsaufwand nicht noch weiter steigt.
Sollte es in den kommenden Jahren trotz allem zur Fälligstellung kommen, dürfte für die Anleihegläubiger wenig übrig bleiben. Denn den Banken wurden umfangreiche Sicherheiten eingeräumt, so dass bereits ab einer teilweisen Verwertung die Geschäftstätigkeit negativ beeinträchtigt werden könne.
Große Pläne
Insgesamt steht Eterna damit unter hohem Druck. Das Unternehmen muss deutlich wachsen und Ertragslage und den zwar vergleichsweise hohen Mittelzufluss von durchschnittlich 5,8 Millionen Euro weiter verbessern, um seine umfangreichen Verbindlichkeiten bedienen oder refinanzieren zu können.
Bis 2015 soll die Gesamtleistung auf rund 119 Millionen Euro wachsen, die operative Marge von zuletzt rund 14 auf 16,6 Prozent und das Reinergebnis auf 2,5 Millionen Euro steigen. Eterna will dabei nicht weniger als die begehrteste Hemdenmarke Europas zu werden, so Geschäftsführer Peter Rentsch. Derzeit kommt Eterna auf dem schrumpfenden Markt für Herrenhemden in Deutschland auf einen Marktanteil von 11 Prozent und damit deutlich weniger als der Marktführer Olymp. Allerdings wachsen die drei Großen Olymp, Eterna und Seidensticker derzeit zulasten der Kleinen.
Der Exportanteil betrug zuletzt 28 Prozent und ist der entscheidende Wachstumsbringer. Eterna besaß zuletzt ein Franchise-Geschäft in der Schweiz und sechs in Russland. Der Weg zur begehrtesten Hemdenmarke Europas scheint noch weit. Wachsen will Eterna auch im Online-Geschäft und mit eigenen Läden.
Als künftiger Wettbewerbsvorteil mag gelten, dass Eterna einer der wenigen Konfektionäre weltweit ist, der das Label Oeko-Tex Standard 100plus führen darf, das schadstoffgeprüfte Textilprodukte kennzeichnet, die auf allen Stufen der Verarbeitung unter nachhaltigen Bedingungen hergestellt werden.
Risiken sind evident
Wichtig ist, dass das Schuldenmanagement funktioniert. Positiv zu vermerken ist, dass die Schulden seit 2006 schon von ursprünglich 90 Millionen Euro deutlich reduziert wurden. Bei Beibehaltung der Gesellschafterdarlehen und der Reduzierung des Konsortialkredits soll der Schuldendienst aus dem Mittelzufluss geleistet werden. 2,8 Millionen Euro wird indes allein die Anleihe jährlich kosten, mit 35 Millionen Euro nach jetzigem Stand der größte Block.
Dennoch würde der Löwenanteil des Mittelzuflusses für Zinszahlungen verwendet werden, so dass eine Verbesserung hier sehr wünschenswert wäre. Immerhin sind die Gesellschafter verpflichtet, bei Unterschreiten definierter Liquiditätsschwellen zusätzliche Finanzmittel in Höhe von 3 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen.
Das Konzept für den Hemdenhersteller kann durchaus aufgehen, aber die Risiken liegen auf der Hand. Es erscheint nicht ganz undenkbar, dass sich eine Situation ergibt, in der die Gesellschafter einen Schlussstrich unter ihr Investment zu ziehen wünschen.
Ob unter den gegebenen Umständen der Kupon von 8 Prozent die Risiken angemessen entlohnt, muss wohl jeder Anleger für sich entscheiden. Momentan scheint es, als ob die Anleger dies bejahen würden. Bei einem Kurs von 103,5 Prozent ist die Rendite auf 7,15 Prozent gefallen.