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Escada-Anleihe : Wahrscheinlich Verluste von 40 Prozent und mehr

Das Warten hat sich nicht gelohnt: Escada muss in die Insolvenz Bild: dpa

Dem Luxusmodekonzern Escada ist es nicht gelungen, eine erforderliche Mehrheit der Anleihe-Inhaber zur Annahme des Umschuldungsangebots zu bewegen. Nun folgt wohl die Insolvenz. Den Gläubigern drohen Verluste von 40 Prozent, eher mehr.

          Der Modekonzern Escada hat es nicht geschafft. Um einen Insolvenzantrag zu vermeiden, hätten mindestens 80 Prozent der Anleihegläubiger eine Umtauschofferte annehmen müssen. Tatsächlich erklärten sich dazu nur 46 Prozent der Anleihe-Gläubiger bereit.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nun wird der Hersteller von Luxusdamenmode in die Insolvenz gehen müssen, da damit auch die geplante und vereinbarte Kapitalerhöhung gescheitert ist, deren Durchführung an die Annahme des Umtauschangebots gekoppelt war. Zudem wird eine Kreditlinie durch die Hypovereinsbank nicht verlängert.

          „Das Votum der Anleihe-Gläubiger ist aus zwei Gründen sehr bedauerlich: Erstens hatten zuvor alle Interessengruppen - Aktionäre, Banken, Mitarbeiter - ihren Teil zur finanziellen Restrukturierung beigetragen“, sagte der erst seit gut einem Jahr amtierende Vorstandschef Bruno Sälzer. „Zweitens zeigt die Neuausrichtung in der Mode erste positive Ergebnisse.“

          Bild: F.A.Z.

          Ablehnung zeichnete sich ab

          Schon am Montag hatte sich abgezeichnet, dass der Plan scheitern würde, als das Unternehmen mitteilte, es werde bei einem Scheitern des Angebots noch in dieser Woche Insolvenzantrag wegen unmittelbar drohender Zahlungsunfähigkeit stellen. Zudem kündigte Escada für Mittwoch eine Aufsichtsratssitzung an, in der der Vorstand den Aufsichtsrat über die Folgen und die weiteren Schritte informieren werde.

          Dies war von manchen Beobachtern als verzweifelter Hilferuf interpretiert worden. Aufsichtsratschef Reinhard Pöllath räumte das Scheitern fast schon vorweg ein: „Beim jetzigen Stand kann es natürlich so kommen, dass beim Umtausch die erforderlichen 80 Prozent am Fristende nicht erreicht werden“, sagte er dem Handelsblatt.

          Dass es eng werden würde, hatte sich von Anfang an abgezeichnet. Ursprünglich sollten die Anleihe-Gläubiger bis zum 31. Juli Gelegenheit haben, ihre Alt-Anleihen gegen neue Rentenpapiere mit einem Abschlag von rund 50 Prozent einzutauschen. Kurzentschlossenen bot der Konzern zudem noch 25 Euro in bar.

          Doch die Resonanz war gering. Unter anderem lehnte auch die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) das ursprüngliche Angebot ab. Escada verlängerte und verbesserte das Angebot. Auf die ursprünglich vorgesehenen zwei Umtauschanleihen mit Zinsen von 10 bzw. 17,5 Prozent legte Escada noch 10 Aktien aus dem Bestand der Altaktionären drauf und bot die Barkomponente bis zum Angebotsende an. Das rang auch der SdK eine Annahmeempfehlung ab. Genutzt hat alles nichts.

          Was ist einbringlich?

          Ob diejenigen Gläubiger sich tatsächlich einen Gefallen damit getan haben, das Angebot abzulehnen, sich schon jetzt mit Verlusten von rund 50 Prozent abzufinden, ist nicht ohne weiteres zu beantworten.

          Auf der einen Seite kann niemand die Frage beantworten, ob der Umtausch überhaupt den gewünschten Erfolg gehabt hätte und Escada nicht dennoch in die Insolvenz geraten wäre. Auf der anderen Seite schätzt die Rating-Agentur Moody's die Einbringlichkeit der Alt-Anleihe auf 51 Prozent. Von Standard & Poor's wird der Titel mit einem Einbringlichkeits-Rating von „3“ bewertet, was einer Quote von 50 bis 70 Prozent entspricht.

          Doch auch die Einbringlichkeit der Anleihe des irischen Luxusgüterkonzerns Waterford Wedgwood wurde zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags mit rund 20 Prozent angesetzt und dennoch wird für die Anleihen-Inhaber offenbar nichts übrig bleiben, obwohl die Marken verkauft wurden.

          Verluste von 40 bis 50 Prozent

          Derzeit scheinen die Anleger mit einer spürbaren Einbringlichkeit zu rechnen. Die Anleihe wird an der Börse mit Kursen zwischen 21 bis 22 Prozent gehandelt, ebenso im Telefonhandel. Das deutet eine Spekulation auf eine Einbringlichkeitsquote von rund 30 Prozent hin. Doch das ist, was es ist, nämlich eine Spekulation.

          Für Anleger, die die Papiere vor ihrem endgültigen Absturz im September 2008 gekauft haben, belaufen sich die Verluste bei dieser Einbringlichkeitsquote auf etwa 50 Prozent. Wer dagegen seit der Emission im März 2005 dabei ist, käme dank der Zinszahlungen etwas besser mit einem Verlust von rund 40 Prozent davon. Mit einer Einbringlichkeit von rund 70 Prozent hätten sie nominal nichts verloren. Aber das scheint nicht überaus wahrscheinlich.

          In Branchenkreisen heißt es, der Konzern werde ein sogenanntes Insolvenzplanverfahren anstreben. Hier wäre die Sanierung des Unternehmens das Ziel und nicht die Zerschlagung. Doch auch dessen Erfolg ist nicht per se gegeben. Es ist zudem fraglich, ob diese Art der Sanierung ohne Zugeständnisse der Anleihegläubiger gelingen kann und ob diese am Ende nicht höher ausfallen würden als durch das am Dienstag ausgelaufene freiwillige Umtauschangebot.

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