Seitdem François Hollande und seine Sozialisten Frankreich regieren, entspannt sich die Lage an den Märkten für französische Staatsanleihen und Kreditausfallderivate (CDS) auf französische Staatspapiere. Nicht nur liegt die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen mit 2,07 Prozent in der Nähe ihres historischen Tiefs. Seit Mai - also vor der Ankündigung Mario Draghis aus dem Juli, die Europäische Zentralbank (EZB) werde das Nötige zur Rettung des Euro tun - fällt der Preis für den CDS auf fünfjährige Staatspapiere.
Bei Anwendung der technischen Analyse zeigt der Chart ein sogenanntes „Todeskreuz“, also eine Situation, in der die 50-Tage-Linie die 200-Tage-Linie von oben schneidet. Ein solches „Todeskreuz“ gilt in der Charttechnik als ein Indiz für weiter sinkende Preise - wobei die Erkenntnisse der Charttechnik mit gehöriger Vorsicht interpretiert werden sollten. Frankreich ist jedoch kein Einzelfall; insofern muss hier keineswegs ein „Hollande-Effekt“ eine Rolle spielen.
Geldpolitik spielt eine stimulierende Rolle
Begleitet von einer Welle von Kommentaren aus der angelsächsischen Welt, wonach erhebliche Kosten aus der Euro-Rettung den deutschen Anleihemarkt belasten würden, ist der Preis für CDS auf deutsche Bundesanleihen ebenfalls unerwartet deutlich auf zuletzt 65 Basispunkte und damit auf seinen tiefsten Stand seit August 2011 gefallen. Auch hier begann der Fall vor der Ankündigung des EZB-Präsidenten.
Das Bild, das die Finanzmärkte derzeit von der Lage in der Europäischen Währungsunion zeichnen, ist widersprüchlich. Es gibt noch andere Anzeichen für eine leichte Entspannung. Hierzu wäre die unerwartete Rückkehr Irlands an den Kapitalmarkt vor rund zwei Wochen ebenso zu zählen wie die deutlich rückläufigen Anleiherenditen und CDS-Preise in Portugal. Die europäischen Aktienmärkte scheinen - in der Grafik dargestellt am 100 Werte umfassenden F.A.Z.-Euro-Performance-Index - wieder etwas Fuß zu fassen, obgleich sich die Konjunktur im Euroraum verschlechtert. Hier spielt nach Ansicht vieler Analysten die Geldpolitik eine stimulierende Rolle.
Interessant ist auch ein Blick auf den Euro/Dollar-Swap für drei Monate am Devisenmarkt. Er zeigt, zu welchem Preis sich Vereinbarungen über einen Tausch („Swap“) von Euro in Dollar und zurück abschließen lassen. Dieser Preis ist in der Krise zu einem wichtigen Indikator für die Fähigkeit europäischer Banken geworden, befristet Euro in Dollar tauschen zu können, da viele Banken heute nur noch eingeschränkt durch die Ausgabe von Dollar-Wertpapieren amerikanische Währung aufnehmen. Der Preis für den Swap lag lange Zeit bei rund 20 Basispunkten. Er verteuerte sich erheblich im Sommer 2011 mit der Eskalation der Krise im Euroraum. Seitdem ist der Preis deutlich zurückgegangen. Diese Tendenz dürfte durch eine geringere Dollarnachfrage europäischer Banken und die Bereitstellung von Dollar-Notkrediten durch die EZB unterstützt worden sein.
Abstände bleiben enorm
Keine durchgreifende Besserung ist allerdings bei einem anderen typischen „Angst-Indikator“, dem Renditeabstand zwischen deutschen und italienischen Staatsanleihen, erkennbar. Im historischen Vergleich ist der Abstand für zehn- wie für zweijährige Papiere immer noch sehr hoch, auch wenn er unter seinem Höchststand liegt. In dieser Differenz drückt sich das geringe Vertrauen in die italienische Reformpolitik aus, aber auch eine Art „Ansteckungseffekt“ durch die Lage in Spanien.
Deutlich erkennbar ist ein kräftiger Rückgang der Renditedifferenzen nach der Ankündigung zweier Geldmarktgeschäfte durch die EZB („Dicke Bertha“) um den Jahreswechsel 2011/12. Diese Tendenz kehrte sich im März wieder um, nachdem die Regierung Rajoy völlig unerwartet mitteilte, Spanien werde seine Defizitziele nicht einhalten. Zeitgleich mit dem spanischen begannen auch die italienischen Renditen deutlich zu steigen. Seitdem hat die Ankündigung der EZB, gegen Auflagen Staatsanleihen zu kaufen, vor allem die zweijährigen Renditen wieder etwas sinken lassen. Auch sind die CDS-Preise gefallen. Die Abstände zu Bundesanleihen bleiben aber enorm.
Frankreich
Wolfgang Richter (langweiler2)
- 15.08.2012, 22:35 Uhr
Schreibt hier das Avatar von Wolfgang Schäuble??
Werner Mueller (MerkelsNemesis)
- 15.08.2012, 19:36 Uhr
Und was
Jürgen Dannenberg (Schleswig)
- 15.08.2012, 12:35 Uhr