Home
http://www.faz.net/-gvt-7666f
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Zertifikate und ETFs

Erholung auf dem Geldmarkt Banken kommen leichter an Kredit

Die Erholung des Bankensystems hat sich fortgesetzt - auch Banken aus den Krisenländern kommen wieder an Kredit. Allerdings steigen die Zinsen, zumal die Banken Geld an die EZB zurückgeben.

© Rosenkranz, Henner Vergrößern Die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main

Die Banken im Euroraum haben ihre langfristigen Ausleihungen bei der Europäischen Zentralbank weiter reduziert. Das neue dreimonatige Finanzierungsgeschäft wurde am Mittwoch nur noch mit 3,7 Milliarden Euro in Anspruch genommen. Fällig wurden 6,2 Milliarden Euro. In der vergangenen Woche hatten 278 Banken für diesen Mittwoch 137 Milliarden Euro an vorzeitiger Tilgung für den im vergangenen Jahr aufgenommen ersten dreijährigen EZB-Kredit angekündigt. Allein die Commerzbank zahlte 10 Milliarden Euro und damit die gesamte Summe aus dem ersten der beiden Langfristgeschäfte zurück.

Genaue Angaben über die Herkunft der 137 Milliarden Euro gibt es nicht. Das Geld aus den beiden Finanzierungsgeschäften mit der ungewöhnlich langen Laufzeit von drei Jahren war zu einem großen Teil spanischen und italienischen Banken zugeflossen. Anders als von Pessimisten befürchtet, scheinen sich diese nun auch an der frühzeitigen Tilgung zu beteiligen. Spanische Zeitungen meldeten, die Banken des Landes hätten rund 44 Milliarden Euro getilgt.

Einige Marktbeobachter hatten erwartet, dass manche Banken im Gegenzug die Ausleihungen in der kürzeren, dreimonatigen Laufzeit erhöhen könnten. Doch zu dieser Umschichtung kam es nicht, was auf den Kapitalmärkten als weiteres Indiz für die Erholung des Bankensystems gewertet wurde.

Infografik / Überschussliquidität im Bankensystem

Allerdings hat die Ankündigung der unerwartet großen Sondertilgungen auch zu einem merklichen Anstieg der Zinssätze auf dem Geldmarkt geführt. Der Zins für Geschäfte über Nacht hat sich zwar fast gar nicht bewegt. Aber in den Terminsätzen für den Drei-Monats-Euribor, einen wichtigen Maßstab für die Finanzierung der Banken, ist die Erwartung steigender Zinssätze abzulesen. Der im Dezember fällige Terminkontrakt signalisiere die Erwartung eines Euriborsatzes am Jahresende von 0,56 Prozent, heißt es bei der Commerzbank.

Im Dezember lag dieser Erwartungswert noch bei 0,4 Prozent. Eine große Belastung der Banken sei diese Bewegung allerdings noch nicht. Die DZ Bank führt die steigenden Geldmarktzinsen überwiegend darauf zurück, dass die Banken einen Rückgang der Liquidität im Bankensystem erwarten. Veränderte Leitzinserwartungen spielten keine große Rolle. Diese Einschätzung wird durch eine Reuters-Umfrage bestätigt. Die meisten der befragten Banken rechnen mindestens bis zur Jahresmitte mit unveränderten Leitzinsen.

Noch ist das Bankensystem überreichlich mit Geld versorgt. Seit Beginn der Finanzkrise können sich die Banken gegen die Stellung von Sicherheiten so viel Geld leihen, wie sie wünschen. Aus Vorsichtsgründen haben sie deshalb viel mehr geliehen, als für Erfüllung der Mindestreserven erforderlich ist. Je schärfer die Krise war, desto größer war die Überschussliquidität im Bankensystem. Zeitweise stieg dieser Wert im vergangenen Jahr auf mehr als 800 Milliarden Euro. Zuletzt lag er bei 580 Milliarden Euro und dürfte nun um weitere mehr als 100 Milliarden Euro sinken. Auch der Bundesverband deutscher Banken berichtet von einer Entspannung auf dem Geldmarkt. Die Spareinlagen

Mehr zum Thema

in vielen Krisenländern stiegen wieder, die Kapitalflucht sei gestoppt, zum Teil komme es sogar zu Rückflüssen. „Und etliche Banken können auch wieder unbesicherte Anleihen plazieren“, sagte Bankenverbands-Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer am Mittwoch.

Die verbesserten Finanzierungsbedingungen haben allerdings bislang nichts an der zurückhaltenden Kreditvergabe der Banken geändert. Laut einer vierteljährlichen Umfrage der EZB haben die Großbanken des Euroraums ihre Kreditstandards im vierten Quartal 2012 verschärft und rechnen für das erste Quartal dieses Jahres mit einer abermaligen Verschärfung. Als Gründe für die strengeren Maßstäbe bei der Kreditvergabe führten die Bankmanager vor allem die verschlechterte Risikoeinschätzung an, hieß es.

Insbesondere die deutschen Banken meldeten nach Angaben der Bundesbank eine deutliche Verbesserung ihrer Finanzierungsbedingungen. Bessere Bedingungen gab es auch im restlichen Euroraum. Allerdings habe in einigen Ländern die Staatsschuldenkrise immer noch zu begrenzten Belastungen der Finanzierungskonditionen beigetragen.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Konjunktur im Euroraum EZB unter Druck - hohes Wachstum in Spanien

Schwache Konjunkturdaten aus Italien, Frankreich, Belgien und Finnland, hohes Wirtschaftswachstum in Spanien: Die Erwartung an die Europäische Zentralbank wächst. Mehr

28.08.2014, 13:38 Uhr | Wirtschaft
Niedrige Hypothekenzinsen Der Vergleich von Baudarlehen zahlt sich aus

Derzeit sind die Hypothekenzinsen niedrig wie nie. Bauwillige sollten dabei auf eine lange Zinsbindung achten - desto höher kann die Ersparnis sein. Experte erwartet auch in den nächsten Jahren keine Änderung des Zinsniveaus. Mehr

20.08.2014, 10:03 Uhr | Finanzen
Deflationsgefahr EZB-Banker besorgt über niedrige Inflation

Die Europäischen Zentralbank hatte im Juni die Zinsen auf ein Rekordtief gesenkt. Die niedrige Inflation in der Euro-Zone gibt nach Einschätzung vom österreichischen EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny aber Anlass zur Sorge. Mehr

29.08.2014, 08:24 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 31.01.2013, 06:30 Uhr

Wertpapiersuche
Zinsen