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Emissionskalender der Finanzagentur Deutschland leiht sich wieder mehr als 180 Milliarden

 ·  Neu dürfte im Jahr 2013 die erste Bund-Länder-Anleihe hinzukommen. Der EFSF steigt zum fünftgrößten Emittenten in Europa auf.

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Die Bundesrepublik Deutschland will sich auch im kommenden Jahr gut 180 Milliarden Euro an den Anleihemärkten leihen. Wie aus dem am Donnerstag vorgelegten Emissionskalender der Finanzagentur des Bundes hervorgeht, ist die Plazierung beziehungsweise Aufstockung von Anleihen mit zwei, fünf, zehn und dreißig Jahren Laufzeit im Volumen von 173 Milliarden Euro geplant. Dazu kommen inflationsindexierte Papiere im Volumen von 8 bis 12 Milliarden Euro.

Damit dürfte sich die Summe der Plazierungen am Anleihemarkt abermals auf gut 180 Milliarden Euro belaufen. In diesem Jahr nahm der Bund 184 Milliarden Euro am Anleihemarkt auf und war damit der drittgrößte Emittent an den europäischen Anleihemärkten. Am meisten emittiert hat Frankreich mit gut 200 Milliarden Euro, gefolgt von Italien mit 195 Milliarden Euro. Auf Platz vier hinter Deutschland folgt Spanien mit knapp 100 Milliarden Euro und die Niederlande mit 65 Milliarden Euro.

In diesem Jahr könnte hingegen Deutschland an die Spitze rücken. Die französische Schuldenagentur teilte am Donnerstag mit, 2013 Anleihen im Volumen von 169 Milliarden Euro plazieren zu wollen. Hinzu dürften aber noch Ausgaben für den in Frankreich nicht unüblichen vorzeitigen Rückkauf von Anleihen kommen. Im Jahr 2012 wurden dafür 23 Milliarden Euro aufgewendet. Der Rückgang des französischen Emissionsvolumens wird auf die Reduzierung des Haushaltsdefizits in Frankreich zurückgeführt sowie auf weniger fällige Anleihen im Jahr 2013.

EFSF auf Platz fünf

Auch in Italien wird deshalb mit einem geringeren Emissionsvolumen gerechnet. Italien gibt jedoch keinen detaillierten Emissionskalender bekannt. Das Emissionsvolumen Spaniens dürfte sich nach übereinstimmenden Marktschätzungen 2013 deutlich in den dreistelligen Milliardenbereich erhöhen, da einige Regionen künftig über den Zentralstaat mitfinanziert werden müssen.

Auf Platz fünf der größten Euro-Anleiheemittenten dürfte in diesem Jahr erstmals die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität vorrücken. Sie muss die Hilfsprogramme für Irland, Portugal und Griechenland finanzieren und hat Anleiheemissionen in Höhe von 55 bis 60 Milliarden Euro geplant. Die Niederlande würden mit einem geschätzten Finanzierungsbedarf von 50 Milliarden Euro auf Platz sechs zurückfallen.

Der für gewöhnlich präzise eingehaltene Emissionskalender des Bundes enthält überdies am Ende der Ausführungen zu „Sonstigen Finanzierungsinstrumenten des Bundes“ eine vage Formulierung zu Bund-Länder-Anleihen. Demnach beabsichtige der Bund „gemeinsam mit hieran interessierten deutschen Bundesländern im kommenden Jahr eine nominalverzinsliche Anleihe zu begeben, für die die Emittenten jeweils teilschuldnerisch haften“. Ein Volumen stellte der Bund in seinen Emissionskalender dazu nicht ein. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters sagte der Geschäftsführer der Finanzagentur, Carl-Heinz Daube: „Erste Gespräche haben ein grundsätzliches Interesse bei einer Reihe von Bundesländern erkennen lassen. Bei den Laufzeiten bewegen sich die Überlegungen im mittellangen Bereich, und auch hinsichtlich der Volumina gibt es gleiche Vorstellungen, aber noch keine Festlegungen.“

„Der Bund hat das Zinsniveau am Markt zu akzeptieren“

Neben dem Anleihemarkt wird der Bund auch wieder auf dem Geldmarkt tätig und plant die Begebung von unverzinslichen Schatzanweisungen mit sechs und zwölf Monaten Laufzeit im Volumen von 77 Milliarden Euro. Zusammen mit den Anleiheemissionen und ohne sonstige Finanzierungsinstrumente wie inflationsindexierte Anleihen oder Bund-Länder-Anleihen ergibt sich ein Volumen von 250 Milliarden Euro.

Im Jahr 2013 hat der Bund Tilgungen in Höhe von gut 215 Milliarden Euro zu leisten und rechnet mit Zinszahlungen von 33,5 Milliarden Euro. Im Jahr 2012 waren die Zinszahlungen geringer ausgefallen als zunächst gedacht. „Der Bund hat wie alle Marktteilnehmer das Zinsniveau am Markt zu akzeptieren“, sagt Daube. „Ob die Zinsen weiterhin so historisch niedrig sein werden, bleibt abzuwarten.“ Der Chef der französischen Finanzagentur Philippe Mills konnte die französische Staatsschuld ebenfalls über rekordniedrige Zinssätze finanzieren. Er rechnet im Jahr 2013 allerdings mit einer Normalisierung: „Die Zinsen für Länder, die als fragil angesehen werden, werden sinken und für Kernländer im Falle Deutschlands steigen und für Frankreich wahrscheinlich stabil bleiben oder leicht steigen“, sagte Mills.

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