Home
http://www.faz.net/-gv6-757ub
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Emissionskalender der Finanzagentur Deutschland leiht sich wieder mehr als 180 Milliarden

Neu dürfte im Jahr 2013 die erste Bund-Länder-Anleihe hinzukommen. Der EFSF steigt zum fünftgrößten Emittenten in Europa auf.

© Eilmes, Wolfgang Auf die Finanzagentur kommt auch im nächsten Jahr viel Arbeit zu

Die Bundesrepublik Deutschland will sich auch im kommenden Jahr gut 180 Milliarden Euro an den Anleihemärkten leihen. Wie aus dem am Donnerstag vorgelegten Emissionskalender der Finanzagentur des Bundes hervorgeht, ist die Plazierung beziehungsweise Aufstockung von Anleihen mit zwei, fünf, zehn und dreißig Jahren Laufzeit im Volumen von 173 Milliarden Euro geplant. Dazu kommen inflationsindexierte Papiere im Volumen von 8 bis 12 Milliarden Euro.

Daniel Mohr Folgen:

Damit dürfte sich die Summe der Plazierungen am Anleihemarkt abermals auf gut 180 Milliarden Euro belaufen. In diesem Jahr nahm der Bund 184 Milliarden Euro am Anleihemarkt auf und war damit der drittgrößte Emittent an den europäischen Anleihemärkten. Am meisten emittiert hat Frankreich mit gut 200 Milliarden Euro, gefolgt von Italien mit 195 Milliarden Euro. Auf Platz vier hinter Deutschland folgt Spanien mit knapp 100 Milliarden Euro und die Niederlande mit 65 Milliarden Euro.

In diesem Jahr könnte hingegen Deutschland an die Spitze rücken. Die französische Schuldenagentur teilte am Donnerstag mit, 2013 Anleihen im Volumen von 169 Milliarden Euro plazieren zu wollen. Hinzu dürften aber noch Ausgaben für den in Frankreich nicht unüblichen vorzeitigen Rückkauf von Anleihen kommen. Im Jahr 2012 wurden dafür 23 Milliarden Euro aufgewendet. Der Rückgang des französischen Emissionsvolumens wird auf die Reduzierung des Haushaltsdefizits in Frankreich zurückgeführt sowie auf weniger fällige Anleihen im Jahr 2013.

EFSF auf Platz fünf

Auch in Italien wird deshalb mit einem geringeren Emissionsvolumen gerechnet. Italien gibt jedoch keinen detaillierten Emissionskalender bekannt. Das Emissionsvolumen Spaniens dürfte sich nach übereinstimmenden Marktschätzungen 2013 deutlich in den dreistelligen Milliardenbereich erhöhen, da einige Regionen künftig über den Zentralstaat mitfinanziert werden müssen.

Mehr zum Thema

Auf Platz fünf der größten Euro-Anleiheemittenten dürfte in diesem Jahr erstmals die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität vorrücken. Sie muss die Hilfsprogramme für Irland, Portugal und Griechenland finanzieren und hat Anleiheemissionen in Höhe von 55 bis 60 Milliarden Euro geplant. Die Niederlande würden mit einem geschätzten Finanzierungsbedarf von 50 Milliarden Euro auf Platz sechs zurückfallen.

Der für gewöhnlich präzise eingehaltene Emissionskalender des Bundes enthält überdies am Ende der Ausführungen zu „Sonstigen Finanzierungsinstrumenten des Bundes“ eine vage Formulierung zu Bund-Länder-Anleihen. Demnach beabsichtige der Bund „gemeinsam mit hieran interessierten deutschen Bundesländern im kommenden Jahr eine nominalverzinsliche Anleihe zu begeben, für die die Emittenten jeweils teilschuldnerisch haften“. Ein Volumen stellte der Bund in seinen Emissionskalender dazu nicht ein. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters sagte der Geschäftsführer der Finanzagentur, Carl-Heinz Daube: „Erste Gespräche haben ein grundsätzliches Interesse bei einer Reihe von Bundesländern erkennen lassen. Bei den Laufzeiten bewegen sich die Überlegungen im mittellangen Bereich, und auch hinsichtlich der Volumina gibt es gleiche Vorstellungen, aber noch keine Festlegungen.“

„Der Bund hat das Zinsniveau am Markt zu akzeptieren“

Neben dem Anleihemarkt wird der Bund auch wieder auf dem Geldmarkt tätig und plant die Begebung von unverzinslichen Schatzanweisungen mit sechs und zwölf Monaten Laufzeit im Volumen von 77 Milliarden Euro. Zusammen mit den Anleiheemissionen und ohne sonstige Finanzierungsinstrumente wie inflationsindexierte Anleihen oder Bund-Länder-Anleihen ergibt sich ein Volumen von 250 Milliarden Euro.

Im Jahr 2013 hat der Bund Tilgungen in Höhe von gut 215 Milliarden Euro zu leisten und rechnet mit Zinszahlungen von 33,5 Milliarden Euro. Im Jahr 2012 waren die Zinszahlungen geringer ausgefallen als zunächst gedacht. „Der Bund hat wie alle Marktteilnehmer das Zinsniveau am Markt zu akzeptieren“, sagt Daube. „Ob die Zinsen weiterhin so historisch niedrig sein werden, bleibt abzuwarten.“ Der Chef der französischen Finanzagentur Philippe Mills konnte die französische Staatsschuld ebenfalls über rekordniedrige Zinssätze finanzieren. Er rechnet im Jahr 2013 allerdings mit einer Normalisierung: „Die Zinsen für Länder, die als fragil angesehen werden, werden sinken und für Kernländer im Falle Deutschlands steigen und für Frankreich wahrscheinlich stabil bleiben oder leicht steigen“, sagte Mills.

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Staatshaushalt Niedrigste Zinsausgaben seit der Wiedervereinigung

Niedrige Zinsen und der ausgeglichene Haushalt machen’s möglich: Der Bund muss für Zinsen so wenig Geld ausgeben wie seit 24 Jahren nicht mehr. Trotzdem sind es viele Milliarden. Mehr

01.09.2015, 08:19 Uhr | Wirtschaft
Videografik Die Anleihekäufe der EZB erklärt

Die Europäische Zentralbank (EZB) will eine drohende Inflationsspirale verhindern, indem sie jeden Monat Anleihen für 60 Milliarden Euro aufkauft - anderthalb Jahre lang. Welche Folgen eine Deflation hätte und wie die Anleihekäufe das verhindern sollen, erklärt eine Videografik. Mehr

12.03.2015, 09:59 Uhr | Wirtschaft
Kabinettsbeschluss Kommunen bekommen mehr finanzielle Hilfen für Flüchtlinge

Immer mehr Flüchtlinge kommen nach Deutschland. Um die Kommunen zu entlasten, werden die Hilfen für die Unterbringung und Versorgung nun aufgestockt. Bald könnten sie weiter steigen. Mehr

26.08.2015, 10:47 Uhr | Wirtschaft
Albanien Das Marihuana-Dorf

In einem abgelegenen Bergdorf in Südalbanien ernten die Bauern jedes Jahr um die 900 Tonnen Marihuana. Der geschätzte Marktwert: viereinhalb Milliarden Euro. Dabei ist der private Marihuana-Anbau auch in Albanien illegal. Einwohner des Dorfs Lazarat schotten sich ab und bedrohen Fremde mit Waffen. Die Polizei hat seit Jahren kaum etwas gegen Drogenanbau ausgerichtet. Angeblich steuern Mafiabanden aus Albanien und Italien die Drogengeschäfte - zumeist geschützt von Justiz und Politik, die Schweigegeld kassieren. Mehr

31.08.2015, 14:22 Uhr | Gesellschaft
Niedriger Ölpreis Die Scheichs sind nicht mehr (so) reich

Saudi-Arabien sieht schweren Zeiten entgegen: Der niedrige Ölpreis zwingt die Regierung zum Sparen. Doch soziale Wohltaten kann das Königshaus aus innenpolitischen Gründen nicht kürzen. Mehr Von Rainer Hermann

02.09.2015, 16:34 Uhr | Wirtschaft

Veröffentlicht: 20.12.2012, 17:49 Uhr

Wertpapiersuche
Zinsen