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Egan-Jones SEC bestraft Rating-Revoluzzer

Die kritische Ratingagentur Egan-Jones darf 18 Monate lang keine Staatsanleihen bewerten. Die Börsenaufsicht, die selbst in der Kritik steht, bemängelt falsche Angaben auf einem Anmeldeformular.

© Röth, Frank Vergrößern Im Fokus: Sean Egan, Chef der Ratingagentur Egan-Jones

Die amerikanische Börsenaufsicht SEC verpasst der kleinen Kreditbewertungsagentur Egan-Jones Ratings einen schmerzhaften Denkzettel. Die Agentur, die sich in den vergangenen Jahren als scharfer Kritiker ihrer Branche einen Namen gemacht hatte, darf mindestens 18 Monate lang keine Staatsanleihen und Kreditverbriefungen mehr offiziell bewerten. Darauf verständigte sich Egan-Jones in einem außergerichtlichen Vergleich mit der Behörde.

Norbert Kuls Folgen:  

Laut SEC hatte Egan-Jones in ihrem Antrag auf Anerkennung als offizielle Ratingagentur vor viereinhalb Jahren falsche Angaben gemacht. Anleihen von Unternehmen, Banken und Versicherungen darf die Agentur jedoch weiter bewerten. „Wir glauben nicht, dass uns das aus dem Markt drängt, weil wir vor allem Unternehmensanleihen bewerten“, sagte William Hassiepen, ein Manager von Egan-Jones, gegenüber dem „Wall Street Journal“. Ein Rufschaden sei allerdings nicht auszuschließen. „Jede Art von SEC-Maßnahme ist Anlass zur Sorge.“

Egan-Jones Ratings (EJR) hatte im Zulassungsantrag angegeben, aktuell 150 Kreditverbriefungen und 50 Staatsanleihen zu bewerten und diese Wertpapierkategorien seit ihrer Gründung 1995 kontinuierlich zu analysieren. „Tatsächlich hatte EJR zum Zeitpunkt des Antrags im Juli 2008 noch nie Kreditbewertungen für Emittenten von Kreditverbriefungen oder Staatsanleihen im Internet oder über andere leicht zugängliche Wege veröffentlicht“, hieß es nun im Bescheid der SEC.

Mit dem Auftrag, die Branche zu regulieren

Die falschen Angaben untergraben die Integrität des Registrierungsprozesses für offiziell anerkannte Ratingagenturen, sagte der Leiter der Strafverfolgungssparte der SEC, Robert Khuzami. „Sorgfalt und Transparenz im Registrierungsverfahren sind für die Aufsicht der Ratingagenturen durch die SEC entscheidend“.

Eine Bewertung durch eine offiziell anerkannte Ratingagentur ist für bestimmte Investoren eine Voraussetzung für den Kauf von Wertpapieren. Die SEC bekam angesichts des häufigen Versagens der großen drei Ratingagenturen Standard & Poor’s (S&P), Moody’s Investors Service und Fitch Ratings 2006 den Auftrag, die Branche zu regulieren und für mehr Wettbewerb zu sorgen. Das führte zur Zulassung von Egan-Jones und anderen kleineren Anbietern.

Als die Vorwürfe der SEC im vergangenen Jahr bekannt wurden, hatte Egan-Jones der Behörde zunächst vorgeworfen, sie als Zielscheibe zu wählen und gleichzeitig große Konkurrenten zu verschonen. Egan-Jones und andere Branchenkritiker geben S&P, Moody’s und Fitch eine Mitschuld an der Finanzkrise. Diese Ratingagenturen hatten zweitklassige Hypothekenpapiere, die im Zentrum der Krise standen, lange zu hoch bewertet. „Das Vorgehen der SEC kann nur als Versuch erklärt werden, Egan-Jones zum Schweigen zu bringen und den Status quo eines Monopols von Ratingagenturen zu erhalten, die Interessenkonflikte haben“, hieß es damals in einer Mitteilung von Egan-Jones.

„Den Verstand verloren“

Dieser Einschätzung folgten auch einflussreiche Kommentatoren an der Wall Street. In einem Beitrag für die „New York Times“ warf der Enthüllungsjournalist Jesse Eisinger von der Publikation „Pro Publica“ der SEC vor, Egan-Jones wegen des falschen Ausfüllens von Formularen zu jagen. „Der Schluss ist unausweichlich, dass die SEC Vertreter von Moody’s und S&P entkommen lässt, während Egan wegen nichtiger Formalien verfolgt wird.“

Der Bloomberg-Kolumnist William Cohan warf der SEC vor, „scheinbar den Verstand verloren“ zu haben. Er wies darauf hin, dass die Probleme von Egan-Jones begannen, nachdem sie die Bonität der Vereinigten Staaten im Juli 2011 wegen der hohen Staatsverschuldung heruntergestuft hatte. Als auch S&P amerikanischen Staatsanleihen einen Monat später die Spitzennote „AAA“ aberkannte, kritisierte dies die Regierung scharf. Moody’s und Fitch halten dagegen bisher an der Spitzenbonitätsnote für Amerika fest.

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Egan-Jones wirft den führenden Ratingagenturen Interessenkonflikte vor, weil sie von Emittenten der Wertpapiere für deren Bewertung bezahlt werden. Emittenten haben ein Interesse an möglichst hohen Noten, weil das niedrige Zinssätze bei der Ausgabe von Anleihen garantiert. Egan-Jones wird dagegen von Anlegern für die Bewertung bezahlt. Das führt nach Ansicht von Geschäftsführer und Mitbegründer Sean Egan zu besseren Ergebnissen.

Egan führt eine Liste mit der Zahl der Bewertungen von Unternehmens- oder Staatsanleihen, bei denen die großen Agenturen den Analysen von Egan-Jones in den vergangenen Jahren tendenziell gefolgt sind. Seit 2001 war demnach Egan-Jones fast ausnahmslos in mindestens 95 Prozent aller Fälle schneller.

Egan-Jones warnte unter anderem im Fall der später verstaatlichten Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac frühzeitig vor negativen Auswirkungen für Anleihebesitzer. Anfang des vergangenen Jahrzehnts hatte Egan-Jones auch die Bonität der später in Betrugsskandale verwickelten Unternehmen Enron und Worldcom früher herabgestuft als die Konkurrenz.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 23.01.2013, 19:30 Uhr

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