19.11.2008 · Erstmals hat Ecuador einen Zinstermin ohne Zahlung verstreichen lassen. Eine für Donnerstag erwartete Entscheidung, ob die Schulden weiter bedient werden, blieb aus. Während der Markt auf Zahlung spekuliert, rechnen Experten mit einem Ausfall spätestens im Februar.
Von Martin HockInhaber von Staatspapieren des südamerikanischen Ecuador haben in den vergangenen Jahren ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Seit damals der linksgerichtete Präsident Raffael Correa an die Macht kam, stand stets die Drohung im Raum, dass das Land die Zahlungen auf seine Auslandsschulden verweigern würde.
Nun hat Ecuador am 15. November erstmals einen Termin für Zinszahlungen über 30 Millionen Dollar (23,8 Millionen Euro) auf die auch in Deutschland gehandelte, 2012 fällige Dollar-Anleihe verstreichen lassen.
Emission „gegen die Interessen des Landes“
Begründet wurde die mögliche Zahlungsverweigerung von jeher nicht mit der mangelnden Zahlungsfähigkeit, sondern mit rechtlichen Argumenten. Am Donnerstag nun gab eine Regierungskommission bekannt, „Unrechtmäßigkeiten und Gesetzesverstöße“ in den Fremdwährungsanleihen des Landes gefunden zu haben. Das könnte Correa nun zum Anlass nehmen, die Bedienung der Anleihen tatsächlich einzustellen. Ursprünglich war eine Entscheidung für den Donnerstag in Aussicht gestellt worden. Nun will Correa die Karenzfrist von einem Monat nutzen, um den Abschlussbericht der Kommission zu prüfen und zu entscheiden.
In dem auf ihrer Website veröffentlichten Abschlussbericht moniert die Kommission, die Emission der 2012 und 2030 fälligen Globalanleihen des Landes sei nicht von der Regierung genehmigt worden. Die Schulden Ecuadors seien in den vergangenen drei Jahrzehnten angeschwollen „zum Nutzen des Finanzsektors und internationaler Konzerne“ und dies sei „eindeutig gegen die Interessen des Landes“ gewesen, schreibt die Kommission in ihrem Bericht.
Die Bedienung der Schulden „verletzt die grundlegenden Rechte der Menschen und Gemeinden, verschlimmert die Armut und fördert die Migration.“ Die Kommission gibt in ihrem Bericht jedoch keine Empfehlung ab, welche Maßnahmen die Regierung
ergreifen soll.
Renditen auf Rekordniveau
Der Anleihemarkt reagierte in den vergangene Tagen deutlich. Die Rendite der 2012 fälligen Anleihe im Volumen von 510 Millionen Dollar stieg seit Ende der vergangenen Woche an der Börse in Stuttgart von 40,16 auf 60,38 Prozent. Auch die Kurse der 2015 fälligen, mit 9,375 Prozent verzinsten Rente und der 2030 fälligen Stufenzinsanleihe erreichten neue Tiefstände. Insgesamt wird in Deutschland ein Volumen von 4,16 Milliarden Dollar gehandelt.
Der Absturz der im Sommer noch zu pari gehandelten Renten begann indes schon im September, als sich abzuzeichnen begann, dass Correa ein Referendum gewinnen würde, wodurch in der Landesverfassung die freie Marktwirtschaft durch ein „soziales und solidarisches“ Wirtschaftssystem ersetzt wurde und die Position des Präsidenten so gestärkt wurde, dass Correa nun bis 2017 im Amt bestätigt werden kann.
Spekulationen auf ein Einlenken
Doch ob sich Ecuador einen Zahlungsausfall leisten können wird, gilt nicht als sicher. Weiterhin wird spekuliert, dass das Land doch zahlen wird. Immerhin droht Correa seit zwei Jahren mit der Zahlungseinstellung, ohne dass es bislang dazu kam. Zudem würde ein Zahlungsausfall dem engsten Verbündeten Venezuela schaden, der strukturierte Papiere hält, die auf ecuadorianischen Staatsanleihen basieren. Stellt Ecuador die Zahlungen ein, entstehen Venezuela nach Schätzungen von Barclays Capital Zahlungsverpflichtungen in Höhe von 400 Millionen Dollar.
Niedrigerer Ölpreis bringt Staatskassen unter Druck
Sowohl Ecuador als auch Venezuela brauchen darüber hinaus den Zugang zum internationalen Kapitalmarkt, um die versprochenen höheren Sozialausgaben im kommenden Jahr zu finanzieren.
Seit der Ölpreis drastisch gefallen ist, fließen die Einnahmen aus der Ölförderung spärlicher. Die Kalkulation des venezolanischen Haushalts für 2009, wonach die Staatsausgaben um mehr als 20 Prozent steigen sollen, beruhen aber auf einem Preis von mindestens 60 Dollar bei höherer Fördermenge. Analysten halten weit höhere Preise für notwendig.
Venezuelas Präsident Hugo Chavez nannte unlängst einen Ölpreis von 55 Dollar ausreichend, damit die Finanzkrise keine Auswirkungen auf das Land habe. Derzeit liegt der Preis knapp darunter.
Ecuador leidet zudem unter einem Rückgang des Tourismus als Folge einer schwächeren Weltwirtschaft. Die Preise für das wichtige Exportgut Kakao ist trotz einer deutlichen Erholung in den vergangenen Tagen seit Juli um gut ein Drittel gefallen und die Nachfrage nach Bananen ging zuletzt stark zurück.
Zahlungsausfall eine Frage der Zeit?
Laut Finanzministerin Viteri verfügt Ecuador über die erforderlichen Mittel, um die überfällige Zinszahlung zu leisten. Gleichzeitig verhandelt das Land aber mit der Inter-American Development Bank über einen Kredit im Volumen von 1 Milliarde Dollar. Obendrein sind Mitte Dezember weitere 61 Millionen Dollar und im Februar 134 Millionen Dollar an Zinsen fällig.
Die Rating-Agenturen bewerten die Anleihen des Landes mit sehr niedrigen Bonitätsnoten. Standard & Poor's haben es mittlerweile auf „C“ gesenkt, eine Bewertung, die normalerweise vergeben wird, wenn Emittenten einen Konkursantrag stellen, aber die Zahlungen noch aufrecht erhalten. Der Ausblick ist indes negativ.
Edwin Guiterrez, Fondsmanager bei Aberdeen Asset Management erwartet daher auch einen Zahlungsausfall - wenn nicht jetzt, dann im Februar. Es sei eine Frage der Zeit, denn Correa werde die Sozialausgabenprogramme nicht opfern, um ausländische Gläubiger zu bezahlen.
Ein Zahlungsausfall Ecuadors wäre der erste größere Ausfall von Schwellenländerpapieren seit dem Moratorium Argentiniens im Jahr 2002. Im laufenden Jahr haben bislang nur die Seychellen die Bedienung einer Anleihe im Volumen von 200 Millionen Dollar eingestellt.
Für Ecuador wäre es nicht der erste Zahlungsausfall. Seit der Abspaltung von Groß-Kolumbien im Jahr 1830 hat der Staat sechsmal die Zahlungen eingestellt. Gerade die in Frage gestellten 2012 und 2030 fälligen Papiere sind Anleihen, die nach dem bisher letzten Zahlungsausfall im Jahr 1999 umstrukturiert wurden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |