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Drohende Pleite : Prokon wird zum Skandal

Windenergie: Nicht unbedingt eine sichere Anlage Bild: dpa

Reich werden mit grüner Energie: Acht Prozent Rendite hat Prokon versprochen. Nun ist das Geld in Gefahr.

          Die Werbeanzeigen des Windenergieunternehmens Prokon waren stets wie ein Ausflug in eine wundersame, heile Welt: Von „sauberer Stromerzeugung“ war dort die Rede, von Nachhaltigkeit und von der Hoffnung auf eine ökologische, eine bessere Zukunft. Natürlich stets garniert mit dem Hinweis: „Eine Investition in Erneuerbare Energien mit attraktiver Verzinsung – zuverlässig sechs Prozent.“

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Seit vergangenem Freitag allerdings ist von dieser heilen Welt nicht mehr viel übrig. Die Prokon-Werbeanzeigen, die S-Bahnfahrer in vielen deutschen Großstädten täglich auf dem Weg zur Arbeit lesen können, müssen vielen Anlegern nun so vorkommen wie blanker Hohn. Denn Freitagnacht hat Prokon ein Schreiben auf seiner Internetseite veröffentlicht, das es in sich hat: „Wichtig! Verhinderung einer Insolvenz.“

          Der mögliche Zusammenbruch der Windenenergiefirma wäre wohl die größte Pleite, der deutsche Anleger in den vergangenen Jahren ausgesetzt waren: Die gewaltige Summe von fast 1,4 Milliarden Euro haben insgesamt 75.000 Sparer dort in den vergangenen Jahren investiert – nun ist ihr Geld in Gefahr. Von sicheren Renditen kann keine Rede mehr sein.

          Werde reich mit grüner Energie!

          Dabei hatte Prokon genau die stets versprochen, seitdem Firmenchef Carsten Rodbertus das Unternehmen 1995 in Itzehoe gegründet hatte. Seine Masche, mit der er um Anleger warb, war dabei immer die Gleiche: Setze auf grüne Energie und werde damit reich! Daran wäre zunächst einmal nichts auszusetzen. Doch die Art und Weise, wie Prokon mit dem Geld seiner Anleger umgeht, ist hochriskant. Das Unternehmen setzt die eingesammelten Summen nämlich hauptsächlich zur Entwicklung von Windparks ein, 54 solcher Parks betreibt die Firma nach eigenen Angaben in Deutschland und Polen. Allein das ist wegen der vielen Ungewissheiten der Energiewende schon lange kein Selbstläufer mehr.

          Noch unsicherer aber sind die Wertpapiere, die Anleger im Gegenzug für ihr Geld erhalten: sogenannte Genussrechte. Dabei handelt es sich im Prinzip um Anleihen, die einen besonders hohen Zinssatz abwerfen – bei Prokon waren dies bis zu acht Prozent. Das Gefährliche an diesen Anleihen ist nur: Geht es dem Unternehmen schlecht, kann es nicht nur auf die Zinszahlungen an die Anleger verzichten. Sogar die gesamte Rückzahlung des Genussrechts kann schon dann ausfallen, wenn das Unternehmen die Gelder nur zum Ausgleich eigener Verluste braucht. Dass es je zu einer solchen Situation komme könnte, hatte Prokon trotz Kritik von Organisationen wie der „Stiftung Warentest“ stets weit von sich gewiesen. Und die Anleger, die gerne auch auf Verkaufsveranstaltungen in guten Hotels umworben wurden, ließen sich in Zeiten niedriger Zinsen gerne von den Renditeaussichten hinreißen: Acht Prozent Zinsen klingen schließlich nur allzu verlockend.

          Doch nun verlieren immer mehr Investoren den Glauben an Prokon, zu schlecht waren in letzter Zeit die Nachrichten: Ende Dezember hatte das Unternehmen bereits angekündigt, Zinszahlungen einzubehalten und nur bei Widerspruch auszuzahlen; kurz zuvor war es lange nicht in der Lage gewesen, eine Bilanz für 2012 vorzulegen. Der Vorwurf eines Schneeballsystems, bei dem neu gewonnene Anleger quasi die Zinsen für Alt-Investoren zahlen, steht schon länger im Raum. Ein solches funktioniert nämlich nur solange, wie ständig neue Anleger einsteigen.

          Kein Wunder, dass viele Anleger nun ihr Geld abziehen wollen: Von „überstürzten Kündigungen“ spricht Prokon, die „uns in eine sehr ernste Bedrängnis bringen“. Bis Mitte Februar seien Gelder in Höhe von 150 Millionen Euro fällig. Direkt zu erreichen ist die Windkraftfirma derzeit nicht, am Samstag waren dort alle Leitungen ständig besetzt. Dennoch setzt das Unternehmen auf seiner Internetseite die Anleger unter Druck: Die Investoren sollten bitte bis zum 20.Januar von ihrer Kündigung zurücktreten. Anderenfalls müssten sich die Anleger bewusst sein, dass sie „damit entscheidend zur Planinsolvenz und zur möglichen Vernichtung von Prokon beitragen“. Es finde dann eine „aktive Vermögensvernichtung“ statt.

          Drastische Aussagen, die aber nicht untypisch sind für den Bereich der Finanzmärkte, auf dem Prokon agiert – dieser sogenannte „graue Kapitalmarkt“ hat vor allem zum Merkmal, dass Firmen hier kaum von den Aufsichtsbehörden überwacht werden. Das lockt auch immer wieder Betrüger an.

          Prokon macht für seine Lage auch die Medien verantwortlich und beschwört auf seiner Internetseite die Anleger: „Hören Sie auf Ihren gesunden Menschenverstand!“ In der Tat sollten das besorgte Anleger tun und etwa mit ihrem Rechtsanwalt das weitere Vorgehen besprechen. Eines aber sollte ihnen jetzt schon klar sein: Bei einem „Vorzeigeunternehmen mit einmaliger, fairer Philosophie“ (Prokon über Prokon) haben sie ihr Geld wohl eher nicht angelegt.

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