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Anlegen in Anleihen : Die Schwellenländer sind zurück

Die Christus-Statue in Rio. Bild: Hotel Santa Teresa

Anleger kaufen wieder Anleihen aus wachstumsstarken Ländern. Auch die Krisenstaaten Brasilien und Russland rücken in den Blickpunkt.

          In Europa und in den Vereinigten Staaten drehen sich die Debatten um die unsichere konjunkturelle Lage und die möglichen geldpolitischen Reaktionen. Dabei ist lange Zeit in den Hintergrund gerückt, dass sich in den Schwellenländern eine konjunkturelle Erholung abzeichnet. Ganz vorne dabei sind die BRIC-Staaten, also Brasilien, Russland, Indien und China, die aufgrund ihrer Größe für das Wachstum der Weltwirtschaft bedeutend sind.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          An den Finanzmärkten stehen diese Länder derzeit hoch im Kurs. Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des niederländischen Vermögensverwalters NN Investment Partners erwarten 54 Prozent der institutionellen Investoren, dass das Engagement in Anleihen der Schwellenländer in den kommenden drei Jahren zunehmen wird.

          Für Marco Ruijer, Portfoliomanager bei NN Investment Partners, ist das Umfeld aufgrund der lockeren Geldpolitik in Industrieländern derzeit sehr günstig für die Schwellenländer. Es sei reichlich Liquidität in die Märkte geflossen. Rob Kapito, Präsident von Blackrock, dem größten Vermögensverwalter der Welt, sagte am Dienstag in New York, dass die Bargeldbestände der Investoren mit derzeit 70 Billionen Dollar so hoch seien wie nie zuvor. Er erwartet deshalb eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten.

          Angesichts von 12 Billionen Dollar an Staatsanleihen aus den Industrieländern, die negative Zinsen aufweisen, rücken aber auch die Schwellenländer in den Blickpunkt. „Mit Schwellenländeranleihen lassen sich attraktive Einkünfte erzielen. Das ist für Investoren, die seit geraumer Zeit auf der Suche nach Renditen sind, besonders interessant“, ist Ruijer überzeugt.

          Lohnt es sich jetzt noch, in Schwellenländeranleihen zu investieren? „Diese Frage ist nie einfach zu beantworten“, sagt Scott McKee, Leiter Unternehmenanleihen für Schwellenländer bei der Fondsgesellschaft JP Morgan Asset Management. „Aber ich denke, dass der Rest des Jahres für die Anlageklasse günstige Bedingungen bietet.“ Vor allem die technische Lage treibe derzeit die Bewertungen nach oben, da besonders institutionelle Investoren derzeit nicht viele Alternativen hätten. Wenn Versicherer ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen wollten, kämen sie mit Staatsanleihen aus entwickelten Ländern nicht sehr weit.

          Daran werde auch eine mögliche Zinserhöhung in Amerika nichts ändern. Da diese klein ausfallen werde, überwögen letztlich die positiven Effekte. Die Zinserhöhung komme ja wegen der guten Konjunktur. Die sorge für eine gute Rohstoffnachfrage, und das sei für Schwellenländer positiv. Ein Ausweichen der Anleger auf amerikanische Staatsanleihen fürchtet McKee nicht: Amerikanische Investoren seien in Schwellenländern eher weniger stark investiert und europäische Anleger an Treasuries nicht übermäßig interessiert.

          Eher vorsichtig schätzt Benjamin Melman, Anlagestratege beim französischen Vermögensverwalter Edmond de Rothschild, die weitere Entwicklung ein. Die Schwellenländeranleihen, die in harter Währung wie Dollar oder Euro begeben wurden, haben nach seinen Angaben in diesem Jahr schon 15 Prozent an Wert gewonnen. Er begründet diese Kursgewinne auch mit den Zweifeln der Anleger, dass die amerikanische Notenbank Federal Reserve an einer Leitzinserhöhung festhalte.

          Eine Zinserhöhung in Amerika und eine damit verbundene Aufwertung des Dollars hatte zuvor als größtes Risiko für die Schwellenländer gegolten. In China und Brasilien sind viele Unternehmen in Dollar verschuldet. Wertet die amerikanische Währung auf, dann steigt die Verschuldung dieser Unternehmen in heimischer Währung. Doch Melman erwartet eine geldpolitische Straffung der Fed noch in diesem Jahr. Dies sei an den Märkten noch nicht ausreichend berücksichtigt worden.

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