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Dicke Bertha Hohe Sondertilgung bei der EZB

 ·  Weiteres Zeichen der Entspannung: Die Banken des Euroraums haben eine unerwartet große Summe aus den Langfristgeschäften mit der EZB vorzeitig getilgt. Der Marktzins könnte dadurch steigen.

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© Lucas Wahl Vergrößern Die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main

Die Europäische Zentralbank wird in den kommenden Tagen eine unerwartet große Rückzahlung von den Banken des Euroraums erhalten. Diese haben erstmals das Recht, Geld aus den beiden vor einem Jahr vergebenen Notkrediten mit der ungewöhnlich langen Laufzeit von drei Jahren vorzeitig zu tilgen - und machen davon in großem Umfang Gebrauch. Die EZB meldete am Freitag, dass 278 Banken am 30. Januar rund 137 Milliarden Euro tilgen wollen. In Marktumfragen hatten Analysten für diesen ersten Termin mit etwa 80 Milliarden Euro gerechnet. Für alle Sondertilgungen bis zum Ende der Laufzeit der Ausleihungen in zwei Jahren lagen die Schätzungen bei 100 bis 300 Milliarden Euro.

Die hohe Summe bei der ersten Rückzahlung Ende dieses Sommers deutet daraufhin, dass die vielen Prognosen übertroffen werden könnten. Denn die Banken haben von nun an im Wochenrhythmus die Möglichkeit zur Tilgung. Außerdem stammen die ersten 137 Milliarden Euro nur aus dem ersten der beiden Langfristgeschäfte, die EZB-Präsident Mario Draghi im vergangenen Jahr in Anlehnung an eine besonders große Kanone scherzhaft als „Dicke Bertha“ bezeichnet hatte. Dieses Geschäft hatte einem Umfang von 489 Milliarden Euro, beim zweiten kamen noch einmal mehr als 500 Milliarden Euro hinzu.

Solide Adressen kommen wieder leichter an privaten Kredit

Draghi sagte am Freitag, die beiden Geschäfte hätten im vergangenen Jahr dazu beigetragen, eine Kreditklemme zu verhindern. Im ersten Quartal vergangenen Jahres mussten die Banken des Euroraums allein für die Tilgung fälliger Bankenanleihen mehr als 200 Milliarden Euro auftreiben, wobei die Begebung neuer Anleihen wegen des Misstrauens der Investoren nahezu unmöglich war. Die Banken griffen deshalb gern zur „Dicken Bertha“. Zum Teil erhöhten sie damit ihre Vorsichtskasse, zum Teil wurden andere EZB-Geschäfte reduziert - so dass der Nettogeldzufluss etwa 500 Milliarden Euro betrug -, und zum Teil investierten die Banken das Geld in Staatsanleihen ihrer Heimatländer.

© F.A.Z. Vergrößern Die Entwicklung bei lang- und kurzfristigen Finanzierungsgeschäften der EZB

Inzwischen hat sich jedoch die Lage auf den Finanzmärkten deutlich verbessert. Insbesondere Banken aus den finanzschwachen Euroländern gelten zwar noch nicht als vollumfänglich kreditwürdig. Aber solide Adressen aus den finanzstärkeren Euroländern kommen wieder leichter an privaten Kredit und sind weniger umfangreich auf direkte Geschäfte mit der Notenbank angewiesen. In diesem Sinn wurde die hohe Rückzahlung am Freitag auf den Kapitalmärkten als weiteres Indiz für die fortschreitende Normalisierung der Finanzierungsbedingungen gewertet.

Überschussliquidität derzeit fast 600 Milliarden Euro

Die EZB nehme durch die Rückzahlungen Liquidität aus dem Bankensystem, sagte Christian Schulz, Analyst der Berenberg Bank. Das stehe im Kontrast zu den Notenbanken in Japan, Großbritannien und Amerika, die ihre Bilanzen ausweiteten. Deshalb sei es kein Wunder, dass der Außenwert des Euro steige. Der Euro legte am Freitag um etwa einen halben Cent auf 1,3450 Dollar je Euro zu.

Einige Banken äußerten die Sorge, die unerwartet hohe Rückzahlung könne zu höheren Zinssätzen auf dem Geldmarkt führen. Dort können sich Eurobanken, sofern die Konkurrenz keine Zweifel an ihrer Kreditwürdigkeit hat, zu Zinsen nahe null Geld über Nacht leihen. Daran werde sich auch bei hohen Rückzahlungen nichts ändern, argumentiert die DZ-Bank. Denn die Überschussliquidität des Bankensystems betrage derzeit fast 600 Milliarden Euro. Erst bei Werten unterhalb von 300 Milliarden Euro sei mit einer Aufwärtsbewegung der Tagesgeldsätze zu rechnen. Allerdings haben die Termingeldsätze und die Zinsen für längere Laufzeiten schon am Freitag spürbar auf die hohe Tilgungssumme reagiert.

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