16.06.2009 · Vergleichsweise stabil entwickelt sich das Geschäft und damit auch die Bilanz der Deutschen Telekom. Das ist in unruhigen Zeiten sehr gefragt. Entsprechend groß sind die Abstriche, die Anleger an die Rendite machen müssen - auch an die des neuen Dollar-Bonds.
Von Martin HockDie Flut an Emissionen von Unternehmensanleihen guter Bonität will zur Zeit kein Ende nehmen. Jetzt reiht sich auch die Deutsche Telekom abermals in den Kreis der Emittenten ein. Nach dem im Januar begebenen Euro-Bond hat der Konzern diesmal eine Dollar-Anleihe mit einem Volumen von 1,5 Milliarden aufgelegt.
Die Emission teilt sich auf in zwei gleich große Tranchen mit einer Laufzeit von 5 bzw. 10 Jahren auf. Die fünfjährige Tranche mit einem Kupon von 4,875 Prozent rentiert zu 4,968 Prozent und weist damit einen Aufschlag von 2,25 Prozentpunkten gegenüber fünfjährigen amerikanischen Staatsanleihen auf. Der Langläufer hat einen Kupon von 6 Prozent, rentiert zu 6,084 Prozent und darob 2,375 Prozentpunkte über zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihen.
Zinsanpassungsklauseln machen Anleihen attraktiver
Die Deutsche Telekom bietet von jeher ein großes Volumen an Anleihen in unterschiedlichen Fremdwährungen, außer in Dollar vor allem in britischen Pfund, Schweizer Franken und japanischen Yen, ab er sogar eine Emission in tschechischen Kronen.
Die Fremdwährungsanleihen erfreuen sich großer Beliebtheit. So rentiert etwa die im Juni 2010 fällige Dollaranleihe mit einem Kupon von 8 Prozent derzeit lediglich mit 2,81 Prozent. Ursache dafür ist wohl nicht nur der hohe Nominalzins, sondern auch eine Klausel in den Anleihebedingungen, die auch für einige andere T-Anleihen gilt. Bei der Emission im Jahr 2000 wurde eine Zinsanpassungsklausel festgelegt.
Demnach erhöht sich der Kupon im Falle dass das Rating der Deutschen Telekom von den Agenturen Standard & Poor's (S&P) und Moody's schwächer eingestuft würde als mit „A-“ bzw. „A3“, sich der Kupon ab der nächsten Zinsperiode um 0,5 Prozentpunkte erhöhen würde. Analog sinkt der Kupon wieder auf den ursprünglichen Zinssatz, wenn eine Heraufstufung zurück auf A-Niveau erfolgt.
Wenig dynamisch, aber stabil
Im vergangenen Mai haben beide Agenturen das Rating um eine Stufe auf „Baa1“ bzw. „BBB+“ gesenkt, nachdem die Telekom den Kauf der griechischen Hellenic Telecommunications bekannt gab. Durch die Zukäufe habe sich das Verhältnis von Schulden und Gewinn zu deutlich erhöht, um ein A-Rating zu rechtfertigen, schrieben die S&P-Analysten seinerzeit. Zudem könnten die verschärfte Konkurrenz und die Kosten des Personalabbaus die Rentabilität beeinträchtigen.
Diese hat sich seit dem Börsengang des Unternehmens nicht sehr dynamisch entwickelt. Der operative Gewinn des vergangenen Jahres ist mit 17,87 Milliarden Euro kaum höher gewesen als der des Jahres 1994 mit 17,37 Milliarden. Lediglich in den Jahren 2004 und 2005 konnte der Konzern dieses Niveau deutlich übertreffen.
Die Eigenkapitalquote ist seit Ende 2006 sukzessive von 38,2 auf 33,8 Prozent zum 31. März diesen Jahres gesunken. Seit 2007 steigt auch die Nettoverschuldung wieder und ist von 38,7 Milliarden Euro am 31. Dezember 2007 auf 47,2 Milliarden zum 31. März 2009 geklettert.
Rating stabil
Indes haben die Bilanzkennziffern zwar schon besser, aber auch schon deutlich schwächer ausgesehen. So betrug Ende 2002 die Eigenkapitalquote nur 28,2 Prozent das Verhältnis von Nettoschulden zu operativem Gewinn 3,9 und lag in den Jahren davor sogar über 4. Zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres belief es sich lediglich auf 2,3. Der Ausblick für die Entwicklung des Ratings wird von allen Agenturen als stabil bewertet, die damit aus heutiger Sicht offenbar nicht mit einer spürbaren Verschlechterung der finanziellen Verhältnisse rechnen.
Der Mittelzufluss aus dem operativen Geschäft ist in den vergangenen Jahren auf hohem Niveau stets recht stabil geblieben, soll aber in diesem Jahr nach Unternehmensprognosen doch schwächer ausfallen. Nach Ansicht der Analysten der DZ-Bank gilt aber ein Rückgang in der prognostizierten Größenordnung derzeit als nahezu stabil.
Wenig Rendite
Die Rendite der neuen Dollar-Bonds passt sich in die Struktur der schon am Markt befindlichen T-Anleihen ein. Die 2013 fällige Emission rentiert derzeit zu 4,49 Prozent, die neue Anleihe, die 2014 ausläuft mit 4,97 Prozent. Die Langläufertranche nimmt sich gegenüber der ein Jahr früher fälligen Anleihe, die derzeit zu 6,58 Prozent rentiert eher weniger attraktiv aus.
Indes werden die Fremdwährungsanleihen der Telekom recht wenig gehandelt und so sind die Geld-Brief-Spannen recht groß. Im Falle der 2018 fälligen Emission liegen sie an der Börse bei 5 Prozent.
Deswegen und nicht zuletzt angesichts des Wechselkursrisikos sind die liquiden Euro-Anleihen des Unternehmens für deutsche Anleger erheblich interessanter und offenbar auch gefragt. T-Anleihen mit einer Restlaufzeit von weniger als zwei Jahren rentieren derzeit mit weniger als 3 Prozent und werfen damit nicht viel mehr ab als ein zweijähriger Sparbrief.
Auch die T-Anleihen mit längeren Laufzeiten rentieren vergleichsweise niedrig. Die im Januar 2014 fällige Anleihe der Deutschen Post wirft derzeit eine Rendite von 4,06 Prozent ab, eine Bertelsmann-Anleihe gar 6,56 Prozent, der drei Monate früher auslaufende Bond der Telekom nur 3,79 Prozent.