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Veröffentlicht: 03.03.2017, 11:37 Uhr

Crowdinvesting mit Hanf Cannabis-Startup verspricht Rendite von 5 Prozent

Mit Gras Geld verdienen: Das will die DCI Cannabis Institut GmbH. Über Crowdinvesting sammelt sie Geld für ein Therapiezentrum, das Patienten mit Cannabis-basierter Medizin betreuen soll. Ob sich das Projekt für Anleger auszahlt, wird die Zukunft zeigen.

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© dpa Die DCI Cannabis Institut GmbH hofft auf eine Anbaugenehmigung der staatlichen Cannabis-Agentur des Bundes.

Cannabis ist für so manchen eine schöne Sache. Aber auch eine teure. Man kann zwar damit Geld verdienen, bislang aber oft nicht auf legale Weise. Das könnte sich jetzt gegebenenfalls ändern.

Martin Hock Folgen:

Das Unternehmen DCI Cannabis Institut GmbH hat über die Plattform Transvendo eine Crowd-Finanzierungskampagne gestartet. Zur Finanzierung des Wachstums wollen die Münchener bei Anlegern via Internet ein klassisches Nachrangdarlehen über eine Million Euro plazieren. Bei einer Mindestanlagesumme von 100 Euro und einer Laufzeit von fünf Jahren wird dieses mit 5 Prozent jährlich verzinst. Am Ende der Laufzeit kann zudem noch ein Bonus von zehn Prozent ausgeschüttet werden. Damit ist eine Rendite von 6,75 Prozent möglich.

Zentrum der Aktivitäten der DCI soll ein Cannabis-Therapie- und Informations-Center sein, auf 600 bis 1000 Quadratmetern soll eine Arztpraxis mit Schwerpunkt Naturheilkunde, inklusive Palliativmedizin Patienten mit Cannabis-basierter Medizin betreuen. Ferner soll ein Informationszentrum mit Bistro, Show- und Produktionsküche über den Rohstoff „Hanf“ informieren, an das Infocenter ist ein Einzelhandel für Hanfprodukte angeschlossen.

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In dem Modellprojekt sollen schwerkranke Patienten konzentriert behandelt werden. Laut DCI hatten bisher nur 1020 Patienten durch die Bundesopiumstelle eine Ausnahmeerlaubnis zur Behandlung erhalten. Indes benötigten in Deutschland bis zu 1,6 Millionen Menschen Cannabis-basierte Medizin. Einsatzgebiete seien Schmerztherapie, neurologische und psychische Erkrankungen, Übelkeit und Erbrechen bei AIDS oder Krebs sowie chronisch-entzündliche Leiden wie Rheuma oder Morbus Crohn.

Darüber hinaus soll eine Cannabis-Messe für Einnahmen sorgen. Für Vaclav Wenzel Cerveny, Geschäftsführer der DCI GmbH, gehen dabei Politik und Geschäft Hand in Hand. Das Vorantreiben der Legalisierung sieht er als Anliegen, für das die Messe eine Plattform, gerade im Wahljahr 2017, darstellt. Auf der anderen Seite eröffnet eine Legalisierung und Anerkennung neue Geschäftspotentiale: Eine Gesetzesnovelle soll schwerkranken Patienten ab März 2017 den Zugang zu Cannabis erleichtern. Wenn den Patienten nicht anders geholfen werden kann, sollen die Krankenkassen künftig die Kosten für Cannabis-Arzneimittel übernehmen. Eine staatliche Cannabisagentur soll in Deutschland künftig den Anbau von Hanfpflanzen zu medizinischen Zwecken überwachen.

Gründer Cerveny Vorreiter der Legalisierungsbewegung

DCI ist ein Start-up und als solcher ein unbeschriebenes Blatt. Mitgründer und Geschäftsführer Wenzel Vaclav Cerveny ist als Aktivist in der Legalisierungsbewegung indes kein Unbekannter. Der ehemalige Landtagskandidat der Bayernpartei hatte sich schon 2015 für eine Legalisierung von Cannabis in Bayern eingesetzt und ist Vorsitzender des „Bayerischen Cannabis Verbands“, der auch den Bioladen „Hanf“ betreibt.

2013 hatte der Gastronom Cerveny Unterschriften für ein Volksbegehren zur Raucherlaubnis in kleinen Kneipen gesammelt sowie die Einführung einer Innovationsklausel gefordert, wonach das Rauchen in Gaststätten erlaubt sein sollte, wenn eine Filteranlage kontinuierlich für frische Luft im Inneren sorgt.

Da die DCI ein Start-Up ist, hat sie derzeit auch keine Finanzdaten der Vergangenheit zu bieten. Im laufenden Jahr will Cerveny dennoch 960.000 Euro umsetzen. Ein Drittel davon soll im Juli mit Quadratmeter-Preisen von 150 Euro auf einer Fläche von 2000 Quadratmetern die Messe „Cannabis XXL“ einbringen. Die Planungen gehen von einem kompletten Verkauf der Ausstellungsfläche aus, die auch noch größer ausfallen könnte. Man sei darauf vorbereitet, sagt Cerveny. Eine Kiffer-Messe wolle man sowieso nicht sein – die Planungen gingen eher in Richtung Nahrungsmittel, auch mit Herstellern von veganen Produkten sei man bereits im Gespräch.

Bis 2021 will Cannabis-Institut 3,6 Millionen Euro Jahresumsatz machen

Die erste Messe 2015 mit etwa 50 Ausstellern sei nur eine Promotion-Veranstaltung zur Förderung des damals laufenden Cannabis-Volksbegehren gewesen. Die zurückhaltende Resonanz damals sei auch auf die Angst vor der bayerischen Polizei zurückzuführen gewesen. Aufgrund von Kontakten und Erfahrungen sowie der neuen Gesetzgebung seien die Prognosen für 2017 positiv.

Bis 2021 soll der Jahresumsatz der DCI auf 3,6 Millionen Euro steigen. Vor Zinsen und Steuern soll die DCI 2017 rund 128.000 Euro verdienen, bis 2021 soll der Überschuss 1,14 Millionen Euro erreichen. An Zinsaufwendungen sind dabei nur 30.000 Euro jährlich eingeplant, was dem Mindestziel des Crowdfundingprozesses von 600.000 Euro entspreche.

Holprig war indes der Start: Erst auf Nachfrage von FAZ.NET fiel den Initiatoren auf, dass sie auf der Crowdfunding-Plattform zwei Umsatz- und Gewinnprognosen veröffentlicht hatten, die deutlich voneinander abwichen.

Es ist nicht Cervenys erster Versuch einer Crowd-Finanzierung. Unter dem Namen der Gesellschaft „Petitioning To Legalise Cannabis (Germany) Limited“ sollten vor zwei Jahren Aktien ausgegeben werden. Es sei aber nicht möglich gewesen, diesen Prozess mit einer englischen Firma transparent zu gestalten, so Cerveny. Deshalb sei das Projekt nicht weiter verfolgt worden und auf Empfehlung der Business Angels eine deutsche GmbH gegründet worden, um das Cannabis-Therapie-Center über Crowdinvesting transparent zu realisieren.

Bei Insolvenz droht Totalverlust

Angesichts der teilweisen Legalisierung des Cannabis-Konsums ergibt sich tatsächlich ein neuer Geschäftszweig, mit dem durchaus Geld zu verdienen ist. Es stellt sich allerdings die Frage, ob und inwieweit das Projekt der DCI von Erfolg gekrönt sein wird und ob eine zentrale Praxis, in der cannabis-interessierte Ärzte ihr Fachwissen bündeln, von den Patienten angenommen wird. Damit wäre dann ein zentraler Anlauf- und Austauschpunkt gegeben, an dem auch (moderierte) Gruppengespräche stattfinden könnten. Erfahrene Patienten sollen sich als Vertreter um die Belange neuer Patienten kümmern.

Derzeit fehlen Erfahrungen mit einem solchen Projekt. Die Zinszahlungen scheinen eher unproblematisch zu sein, viel entscheidender wird die Darlehenstilgung 2022 sein. Dies geben die Planzahlen her, aber im Fall eines so neuartigen Projektes ist Papier doch letztlich geduldig, selbst wenn die Planungen nach bestem Wissen und Gewissen gemacht werden. Das Erfolgspotential und damit die tatsächliche Bonität der DCI werden sich womöglich erst 2018/19 herauskristallisieren. Wenn die geplante Cannabis-Agentur des Bundes der DCI eine Anbaugenehmigung erteilen würde, könne das Geschäftsvolumen von heute auf morgen massiv steigen, so Cerveny.

Ob eine mögliche Gesamtrendite von 5 bis 6,75 Prozent die Risiken eines Nachrangdarlehens ausreichend vergütet, ist eine Ermessensentscheidung. Im Falle einer Insolvenz der Gesellschaft ist die Wahrscheinlichkeit eines Totalverlustes jedenfalls sehr hoch. Da die Mindestanlagesumme mit 100 Euro allerdings sehr überschaubar ist, lässt sich das Risiko gut begrenzen.

Allerdings sind derzeit mit dem Crowdinvesting in Immobilienprojekte bei Laufzeiten zwischen 10 und 60 Monaten 5 bis 7 Prozent Rendite zu erzielen. Selbst auf Transvendo sind 6,75 Prozent für 18 Monate im Angebot. Eine Konkurrenz mit diesen Angeboten ist aber für Cerveny nicht entscheidend. Vielmehr solle sich das Angebot ein „Charity-Feeling“ erhalten. Bislang wurden 13.300 Euro eingeworben, der Weg zu den angestrebten mindestens 600.000 Euro ist in den kommenden acht Wochen also noch recht weit.

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