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Strafzins : Commerzbank verlangt von Mittelständlern Guthabengebühren

Die Commerzbank weitet den Strafzins auf ihre 100.000 mittelständischen Unternehmenskunden aus. Bild: dpa

Nun trifft es die mittelständischen Kunden der Commerzbank. Deutschlands zweitgrößte Bank weitet den Strafzins aus. Unangenehme Gespräche mit dem Kundenberater sind vorprogrammiert.

          Die Commerzbank gibt die von der Europäischen Zentralbank verlangten Negativzinsen an immer mehr Kunden weiter. Seit Dezember 2014 erhebt Deutschlands zweitgrößte Bank schon von einzelnen großen Firmenkunden Strafzinsen, wenn sie hohe Einlagen bei ihr vorhalten. Jetzt weitet die Commerzbank dieses Vorgehen auf ihre 100.000 mittelständischen Unternehmenskunden aus. Von ihnen muss sich etwa jeder Zehnte auf unangenehme Gespräche mit dem Kundenberater gefasst machen. „Bei Firmenkunden, großen Konzernen, institutionellen Kunden und Kunden des öffentlichen Sektors, die hohe Guthaben als Einlagen bei uns parken, vereinbaren wir verstärkt für die überschüssige Liquidität eine individuelle Guthabengebühr“, bestätigte ein Sprecher der Commerzbank dieser Zeitung.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit dem Begriff „individuelle Guthabengebühr“ versucht die Commerzbank dem Eindruck entgegenzutreten, es handele sich um eine für alle Kunden gleichermaßen fällige Strafzahlung. Tatsächlich werden auf Einlagen von Privat- und Geschäftskunden, also in der Regel selbständige Freiberufler mit weniger als 2,5 Millionen Euro Jahresumsatz, keine Gebühren fällig, zumindest noch nicht.

          Größere Kunden dagegen müssen künftig dafür bezahlen, wenn sie der Commerzbank kurzfristig viel Geld leihen. Die Bank versucht aber, ihre mittelständischen Firmenkunden, zu denen sie Unternehmen mit Jahresumsatz zwischen 2,5 und 250 Millionen Euro zählt, dazu zu bewegen, ihre Überschussliquidität fest anzulegen. „Unser Ziel ist es nicht, diese Gebühr zu erheben, sondern in Gesprächen mit den Kunden gemeinsam alternative Anlagekonzepte zu entwickeln“, sagt der Sprecher der Mittelstandsbank in der Commerzbank.

          Lage der Banken hat sich verschärft

          Es gibt aber Firmenkunden, die über die notwendige Liquidität hinaus Geld horten, weil sie Rentenfonds misstrauen oder den Kauf eines anderen Unternehmens planen. Mit diesen Kundeneinlagen kann die Commerzbank offenbar derzeit wenig anfangen. Wie andere Banken auch kann sie Einlagen entweder als Kredit ausgeben oder an den Kapitalmärkten zu niedrigen Zinsen und mit beträchtlichem Risiko anlegen. Markus Beumer, für die Mittelstandsbank verantwortlicher Vorstand, beklagt aber oft, dass nur rund die Hälfte aller Firmenkunden die ihnen zugesagten Kredite tatsächlich abgerufen hat.

          Die Europäische Zentralbank verlangt seit Sommer 2014 auf die bei ihr geparkten Einlagen der Geschäftsbanken negative Zinsen. So will sie deren Kreditvergabe anregen. Doch in Deutschland ist weniger das Kreditangebot als die Kreditnachfrage schwach. Ein Großteil der Einlagen landet also bei der EZB. Nun versucht die Commerzbank mit ähnlichen Strafzinsen wie die EZB, die Einlagen der Firmenkunden zu begrenzen. Die Lage der Banken hat sich verschärft, seit die EZB seit Dezember den Zins für Geschäftsbanken auf minus 0,3 Prozent Zins verschärft hat. Im gerade laufenden Abverkauf an den Aktienmärkten gehören Banken auch zu den größten Verlierern.

          Hohe Einbussen: Unter dem Vorstandsvorsitzenden Martin Blessing verlor die Aktie der Commerzbank in diesem Jahr 30 Prozent.
          Hohe Einbussen: Unter dem Vorstandsvorsitzenden Martin Blessing verlor die Aktie der Commerzbank in diesem Jahr 30 Prozent. : Bild: dpa

          Die Aktie der Commerzbank hat in diesem Jahr schon 30 Prozent verloren. Am Montag kostete sie nach einem Tagesverlust von 9,5 Prozent mit 6,60 Euro so wenig wie zuletzt im Juli 2013. Am Freitag wird die Bank ihr Geschäftsergebnis für 2015 vorlegen. Die Mittelstandsbank ist die Paradedisziplin. In den ersten neun Monaten trug die Sparte 851 Millionen Euro zum Vorsteuerergebnis von 1499 Millionen Euro bei. Der verantwortliche Vorstand Beumer gilt als erster interner Nachfolgekandidat für den spätestens im Oktober ausscheidenden Vorstandsvorsitzenden Martin Blessing.

          Quelle: F.A.Z.

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