28.05.2009 · Schwach liefen die Geschäfte des Spezialchemie-Unternehmens Cognis im ersten Quartal. Die Anleihegläubiger kann dies nicht erschüttern: Noch sind mehr als 4 Jahre Zeit bis zu ersten Fälligkeit.
Von Martin HockDie Chemieindustrie gehört zu den Branchen, die unter der derzeitigen Wirtschaftskrise am härtesten zu leiden hat. Das hat auch viele Inhaber von Anleihen getroffen, so etwa die der britischen Lyondell-Basell, die zu Jahresbeginn insolvent wurde (vgl. ) oder auch Unylon oder Pongs & Zahn, die derzeit um ihre Gelder bangen müssen (vgl. Unternehmensanleihen: Unylon und Pongs & Zahn in in Bedrängnis).
Überraschend ruhig bleibt es hingegen um den Spezialchemiekonzern Cognis, der auch unter einer hohen Schuldenlast leidet und der seit Jahren schon mit negativem Eigenkapital operieren muss. Die Renditen der von den Rating-Agenturen mit „B/B1“ bzw. „CCC+/Caa1“ bewerteten Anleihen stiegen im Oktober 2008 stark an.
Starke Erholung seit März
Die Rendite der im Mai 2014 und mit 9,5 Prozent verzinste und von den Rating-Agenturen mit „CCC+/Caa1“ bewerteten Anleihen stieg von 12,3 auf 28,4 Prozent und erreichte danach im März einen Höchststand von 30,5 Prozent. Der Kurs der im September 2013 fälligen und mit einem Aufschlag von 2 Prozent auf den 3-Monats-Euribor verzinsten Rente mit einem Rating von „B/B1“ stürzte von 92,25 bis auf 47 Prozent ab.
Doch seit Jahresbeginn haben sich die Kurse deutlich erholt, der des variabel verzinslichen Papiers erreichte mittlerweile wieder den Stand von 82 Prozent. Die Rendite des festverzinslichen Papiers liegt wieder bei 16,75 Prozent. Im gleichen Zeitraum fielen die Kosten der Kreditversicherungen von noch fast 2000 Basispunkten auf unter 1.000.
Weiter mehr Schulden als Vermögen
Dies lässt sich eigentlich nur mit der wieder gestiegenen Risikoneigung der Anleger erklären. Nach den am Mittwoch vorgelegten Zahlen zum ersten Quartal ist das Eigenkapitaldefizit des Unternehmens gegenüber dem Jahresende von 811 auf 836 Millionen Euro angestiegen. Das korrespondiert mit einem Anstieg der Verschuldungsquote von 138,8 auf 139,7 Prozent.
Unter dem Strich fiel im ersten Quartal ein Verlust von 33 Millionen Euro nach einem bescheidenen Gewinn von 10 Millionen Euro vor Jahresfrist. Der operative Gewinn sank um 19 Prozent auf 73 Millionen Euro.
Wie auch anderen Chemiefirmen macht Cognis zu schaffen, dass Kunden Lagerbestände abbauen. So schrumpfte der Absatz bei Cognis im Auftaktquartal um 18 Prozent, der Umsatz um 14 Prozent auf 659 Millionen Euro.
Nach schwachem Jahresauftakt Hoffnung auf Besserung
Cognis sieht aber Anzeichen für eine Besserung. „Im März ist das Absatzvolumen wesentlich langsamer gesunken als in den Vormonaten“, sagte Konzernchef Antonio Trius. Cognis sieht sich zudem mit seiner Ausrichtung auf Kunden in den Kosmetik-, Gesundheits- und Lebensmittelbranchen besser gegen den Abschwung gefeit als Chemiefirmen, die vor allem Massenchemikalien produzieren.
Finanzchef Klaus Edelmann sieht gleichfalls eine Erholung der Geschäfte kommen. Das zweite Quartal werde tendenziell besser ausfallen als das erste, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Eine konkrete Prognose für das Gesamtjahr wagte er allerdings nicht.
Der Konzern setzt auch auf ein Sparprogramm, das dieses Jahr die Kosten um 70 Millionen Euro drücken soll. Das relativiert sich allerdings angesichts eines Kostenvolumens von rund 619 Millionen Euro allein im ersten Quartal.
Kleine Erfolge im Schuldenabbau
Nach dem Verkauf von drei Geschäftsbereichen wurden die ausgewiesenen Jahresgewinne für 2007 und 2006 angepasst. Damit verschwand auch der einzige magere Gewinn von 2 Millionen Euro des Jahres 2006, den Cognis seit dem bislang letzten Gewinnjahr 2001 ausgewiesen hat, aus den ausgewiesenen Geschäftszahlen.
Doch das langfristig schwerwiegendste Problem ist die Verschuldung des Konzerns, die sich derzeit auf brutto knapp 3 Milliarden und netto 2,16 Milliarden Euro beläuft. Die Entschuldung treibt der Konzern weiter voran. So nutzte Cognis die Kursschwäche der Hochzinsanleihen dazu, weitere PIK-Anleihen zurückzuerwerben.
Diese war im Januar 2005 aufgelegt worden. Bei dieser Form der Anleihe werden die Zinsen erst am Laufzeitende ausgezahlt und in der Zwischenzeit durch die Ausgabe neuer Schuldverschreibungen ausgeglichen. Bis heute hat das Unternehmen Darlehen mit einem Nennwert von 187 Millionen Euro erworben, wodurch die Nettoverschuldung gegenüber dem Vorjahr um 7,6 Prozent verringert wurde.
Entlastend wirkt derzeit auch die Zinsentwicklung. Betrug der Kupon der variabel verzinslichen Anleihe im dritten Quartal 2008 noch 6,958 Prozent, so waren es im ersten Quartal 2009 nur noch 3,65 Prozent. Aktuell notiert der 3-Monats-Euribor auf einem historischen Tief von 1,27 Prozent.
Es ist noch Zeit
All diese Erfolge können nicht darüber hinwegtäuschen, dass im September 2013 ein Anleihevolumen von 610 Millionen Euro und im Mai 2014 von 345 Millionen Euro tilgen oder refinanzieren muss. Zudem schaut sich Cognis weiter nach kleineren Zukäufen um.
Alles in allem müsste sich die Geschäftsentwicklung in den kommenden Jahren deutlich verbessern. Durch seine vergleichsweise langfristig angelegte Finanzierung bleibt Cognis dazu noch Zeit, in der sich auch die Konjunktur noch deutlich verbessern kann.
Das Risiko eines Scheiterns ist allerdings nicht zu verkennen und so überrascht auch letztlich nicht, dass es bei der liquideren festverzinslichen Anleihe seit Mittwoch offenkundig zu Gewinnmitnahmen gekommen ist.