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Veröffentlicht: 30.01.2016, 17:07 Uhr

Hybridanleihen Anleihe-Gläubiger der Deutschen Bank werden nervös

Nicht nur bei den Aktionären schrumpft das Vertrauen in die Deutsche Bank. Auch die Gläubiger einiger riskanter Anleihen werden nervös. Hat die Bank noch das Geld, um Zinsen zu zahlen? Sie hat jedenfalls großen Anreiz, das zu tun.

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© dpa Es läuft nicht gut: Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, John Cryan

Die Deutsche Bank enttäuscht nicht nur ihre Aktionäre, sondern macht zunehmend auch ihre Anleiheinvestoren nervös. Dabei geht es um die Hybridanleihen, die von den Aufsehern als Ergänzungskapital anerkannt werden und bei der Erfüllung der Verschuldungsgrenze (Leverage Ratio) eine wichtige Komponente darstellen.

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Diese Papiere standen nach der Bekanntgabe des Rekordverlustes von 6,8 Milliarden Euro besonders unter Druck, weil Investoren fürchteten, dass die Bank nicht mehr genügend ausschüttungsfähige Mittel haben könnte, um den Zinskupon zu zahlen. Dem traten am Donnerstag auf der Analystenkonferenz der Ko-Vorstandsvorsitzende John Cryan und Finanzvorstand Marcus Schenck entgegen. Demnach verfügt die Deutsche Bank noch immer über ausreichende Rücklagen, um die Zinsen für sämtliche Hybridanleihen in diesem Jahr zahlen zu können.

Nach Angaben eines Sprechers beträgt diese Zahlungsverpflichtung insgesamt 852 Millionen Euro. Davon entfallen knapp 350 Millionen Euro auf die neuen Hybridanleihen, die im Marktjargon auch als Coco-Bonds bezeichnet werden. Das ist die Kurzform für die angelsächsische Bezeichnung Contingent Convertible Bonds. Nach Aussage von Schenck beträgt der ausschüttungsfähige Puffer der Deutschen Bank 2,9 Milliarden Euro. Dieser Puffer speist sich normalerweise aus dem Bilanzgewinn, was bei der Deutschen Bank angesichts des Fehlbetrags nicht der Fall ist.

An Kreditwürdigkeit verloren

Hinzu kommen Gewinnrücklagen aus früheren Jahren. Die Deutsche Bank, die nach dem Willen ihres Vorstandsvorsitzenden Cryan eine weitere Kapitalerhöhung vermeiden will, muss diese Coco-Anleihen bedienen, ansonsten wäre der Vertrauensverlust unter den Gläubigern gefährlich. Denn im Herbst hatte sie ihre Absicht mitgeteilt, in den Jahren bis 2020 weitere Coco-Bonds im Volumen von bis zu 4 Milliarden Euro aufnehmen zu wollen. Bislang hat sie vier solche Titel, zwei in Dollar, jeweils einer in Euro und in Pfund, über insgesamt 4,6 Milliarden Euro im Umlauf. Am Markt wird erwartet, dass die Deutsche Bank sehr bald aktiv werden und sogar bis zu 7 Milliarden Euro aufnehmen könnte. Lässt sich darüber doch das Eigenkapital stärken, ohne die enttäuschten Aktionäre ein weiteres Mal anzapfen zu müssen.

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Jedoch stehen neben der Aktie auch die Coco-Anleihen unter Druck. Diese Titel werden abgeschrieben, wenn das Eigenkapital unter eine bestimmte Marke fällt. Das Fremdkapital wird gemindert, um das Eigenkapital aufzufüllen. Der Kurs der Hybridanleihe über 1,75 Milliarden Euro, die jährlich mit 6 Prozent verzinst wird, liegt bei 88 Prozent des Nominalbetrags (100 Prozent). Er hat sich seit der Aussage von Schenck etwas erholt. Aber der vergleichbar ausgestaltete Coco-Bond der französischen Société Générale notiert knapp über 99 Prozent. Dass die Deutsche Bank an Kreditwürdigkeit verloren hat, zeigt sich auch an den Kreditausfallversicherungen, den sogenannten Credit Default Swaps (CDS). Um eine Forderung von 100.000 Euro abzusichern, müssen die Investoren bei der Deutschen Bank eine jährliche Prämie von 1360 Euro zahlen. Im März 2015 waren es noch 589 Euro. Bei der Commerzbank sind es 1130 Euro.

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