http://www.faz.net/-gv6-8cyla
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 30.01.2016, 17:07 Uhr

Hybridanleihen Anleihe-Gläubiger der Deutschen Bank werden nervös

Nicht nur bei den Aktionären schrumpft das Vertrauen in die Deutsche Bank. Auch die Gläubiger einiger riskanter Anleihen werden nervös. Hat die Bank noch das Geld, um Zinsen zu zahlen? Sie hat jedenfalls großen Anreiz, das zu tun.

von
© dpa Es läuft nicht gut: Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, John Cryan

Die Deutsche Bank enttäuscht nicht nur ihre Aktionäre, sondern macht zunehmend auch ihre Anleiheinvestoren nervös. Dabei geht es um die Hybridanleihen, die von den Aufsehern als Ergänzungskapital anerkannt werden und bei der Erfüllung der Verschuldungsgrenze (Leverage Ratio) eine wichtige Komponente darstellen.

Markus Frühauf Folgen:

Diese Papiere standen nach der Bekanntgabe des Rekordverlustes von 6,8 Milliarden Euro besonders unter Druck, weil Investoren fürchteten, dass die Bank nicht mehr genügend ausschüttungsfähige Mittel haben könnte, um den Zinskupon zu zahlen. Dem traten am Donnerstag auf der Analystenkonferenz der Ko-Vorstandsvorsitzende John Cryan und Finanzvorstand Marcus Schenck entgegen. Demnach verfügt die Deutsche Bank noch immer über ausreichende Rücklagen, um die Zinsen für sämtliche Hybridanleihen in diesem Jahr zahlen zu können.

  Die Hybrid-Anleihe der Detuschen Bank
Aktueller Kurs -- 
Veränderung -- (--)
52 Wochen Hoch --
52 Wochen Tief --

Nach Angaben eines Sprechers beträgt diese Zahlungsverpflichtung insgesamt 852 Millionen Euro. Davon entfallen knapp 350 Millionen Euro auf die neuen Hybridanleihen, die im Marktjargon auch als Coco-Bonds bezeichnet werden. Das ist die Kurzform für die angelsächsische Bezeichnung Contingent Convertible Bonds. Nach Aussage von Schenck beträgt der ausschüttungsfähige Puffer der Deutschen Bank 2,9 Milliarden Euro. Dieser Puffer speist sich normalerweise aus dem Bilanzgewinn, was bei der Deutschen Bank angesichts des Fehlbetrags nicht der Fall ist.

An Kreditwürdigkeit verloren

Hinzu kommen Gewinnrücklagen aus früheren Jahren. Die Deutsche Bank, die nach dem Willen ihres Vorstandsvorsitzenden Cryan eine weitere Kapitalerhöhung vermeiden will, muss diese Coco-Anleihen bedienen, ansonsten wäre der Vertrauensverlust unter den Gläubigern gefährlich. Denn im Herbst hatte sie ihre Absicht mitgeteilt, in den Jahren bis 2020 weitere Coco-Bonds im Volumen von bis zu 4 Milliarden Euro aufnehmen zu wollen. Bislang hat sie vier solche Titel, zwei in Dollar, jeweils einer in Euro und in Pfund, über insgesamt 4,6 Milliarden Euro im Umlauf. Am Markt wird erwartet, dass die Deutsche Bank sehr bald aktiv werden und sogar bis zu 7 Milliarden Euro aufnehmen könnte. Lässt sich darüber doch das Eigenkapital stärken, ohne die enttäuschten Aktionäre ein weiteres Mal anzapfen zu müssen.

Mehr zum Thema

Jedoch stehen neben der Aktie auch die Coco-Anleihen unter Druck. Diese Titel werden abgeschrieben, wenn das Eigenkapital unter eine bestimmte Marke fällt. Das Fremdkapital wird gemindert, um das Eigenkapital aufzufüllen. Der Kurs der Hybridanleihe über 1,75 Milliarden Euro, die jährlich mit 6 Prozent verzinst wird, liegt bei 88 Prozent des Nominalbetrags (100 Prozent). Er hat sich seit der Aussage von Schenck etwas erholt. Aber der vergleichbar ausgestaltete Coco-Bond der französischen Société Générale notiert knapp über 99 Prozent. Dass die Deutsche Bank an Kreditwürdigkeit verloren hat, zeigt sich auch an den Kreditausfallversicherungen, den sogenannten Credit Default Swaps (CDS). Um eine Forderung von 100.000 Euro abzusichern, müssen die Investoren bei der Deutschen Bank eine jährliche Prämie von 1360 Euro zahlen. Im März 2015 waren es noch 589 Euro. Bei der Commerzbank sind es 1130 Euro.

  Die Aktie der Deutschen Bank
Aktueller Kurs -- 
Veränderung -- (--)
52 Wochen Hoch --
52 Wochen Tief --

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Niedrigzinspolitik Immer mehr Unternehmen zahlen Strafzins

Die Deutsche Bundesbank weist erstmals einen negativen durchschnittlichen Einlagenzins für Firmenkunden aus. Wie lange werden Privatkunden noch verschont? Mehr Von Markus Frühauf

10.05.2016, 09:46 Uhr | Finanzen
Finanzen Die deutsche Sparer-Seele

Wäre da nicht schon der Adler, dann hätte mit Sicherheit das Sparschwein einen Platz im deutschen Wappen gefunden. Sparen liegt den Deutschen im Blut. Und daran wird auch unverdrossen festgehalten: Woher kommt dieser Drang der Deutschen, für schlechte Zeiten etwas zurückzulegen? Mehr

04.05.2016, 16:37 Uhr | Finanzen
Hackerangriffe Banken bangen um ihre Computersysteme

Die Deutsche Bank legt vor dem Brexit-Stichtag Erneuerungsarbeiten auf Eis. Die Stabilität wird zudem durch die Angriffe von Hackern auf die Probe gestellt. Mehr Von Markus Frühauf

19.05.2016, 09:19 Uhr | Finanzen
Die Vermögensfrage Ohne Zins fehlt im Alter viel Geld

Die private Altersvorsorge braucht eine regelmäßige Verzinsung. Ohne Zins und Zinseszins geht die Rechnung einfach nicht auf. Wie die Niedrigzinspolitik zur Schicksalsfrage für die Generationen wird. Mehr Von Daniel Mohr

14.05.2016, 15:56 Uhr | Finanzen
Kursverlust Kapitallücke drückt Kurs der Deutsche-Bank-Aktie

Schlusslicht im Dax und Vorletzter im Euro Stoxx 50: Die Deutsche Bank gibt an den Märkten derzeit eine katastrophale Figur ab. Analysten erkennen aber auch Fortschritte Mehr Von Markus Frühauf

19.05.2016, 19:37 Uhr | Finanzen
Wertpapiersuche
Zinsen