Anleger an den internationalen Finanzmärkten sind bereit, immer höhere Preise für Schuldtitel mit besten Kreditbenotungen zu zahlen. Deutsche Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit rentierten am Mittwoch mit weniger als 1,3 Prozent so niedrig wie noch nie, entsprechende amerikanische Treasuries wiesen eine Rendite von 1,7 Prozent auf, zehnjährige britische Gilts eine etwas höhere. Spiegelbildlich dazu legen die Kurse dieser Papiere zu - eine Entwicklung, die bereits im Jahr 2007 mit Beginn der Finanzkrise in den Vereinigten Staaten losging.
Ein Teil dieses starken Preisanstiegs ist mit der offenbar gestiegenen Zahlungsbereitschaft für Ausfallsicherheit generell zu erklären. Wesentlich dürfte allerdings auch sein, dass das Angebot an Schuldtiteln mit besten Bonitätsnoten (AAA-Rating) zurückgegangen ist. Nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich wurden im Jahr 2010 noch entsprechend bewertete Anleihen von Staaten, staatseigenen Unternehmen und Institutionen sowie der privaten Wirtschaft im Volumen von rund 6 Billionen Dollar emittiert. Ein Jahr später waren es nur noch gut 5 Billionen Dollar gewesen. Die amerikanische Ratingagentur Standard & Poor’s bewertete im Jahr 2007 noch 18 Länder mit ihrer höchsten Kreditwürdigkeitseinschätzung, nun sind es noch 13. „Solange die Nachfrage nach AAA-gerateten Titeln robust bleibt, werden allein angesichts des gesunkenen Angebots die Preise künstlich hoch bleiben“, sagt Stefan Kreuzkamp, der das Rentengeschäft der Fondsgesellschaft DWS leitet.
Bundesrepublik und Vereinigte Staaten am sichersten
Hinweise darauf, dass das so ist, lieferten in diesem Jahr die Anleiheemissionen von „sicheren Häfen“ wie der Bundesrepublik und den Vereinigten Staaten. Die Bundesfinanzagentur hat gerade erstmals problemlos eine zweijährige Anleihe plaziert mit einem Kupon von null Prozent. Für jeden der insgesamt 903 Milliarden Dollar, die von den Vereinigten Staaten im bisherigen Jahresverlauf über alle Fristigkeiten begeben wurden, haben Anleger rund 3,2 Dollar nachgefragt, hat der Finanzdatenanbieter Bloomberg ausgerechnet. Das liegt über dem Nachfragerekord nach amerikanischen Staatsschulden aus dem Jahr 2011. Dass die Vereinigten Staaten mühelos an neuen Kredit kommen, obwohl Standard & Poor’s der größten Volkswirtschaft der Welt im Sommer 2011 die Kreditbestnote entzog - die Ratingagenturen Moody’s und Fitch bewerten das Land weiter mit Bestnote -, liegt neben der Rolle des Dollar als Weltleitwährung an der Politik der amerikanischen Zentralbank. Diese nehmen Anleger so wahr, dass sie einen Zahlungsausfall nicht zulassen wird.
Dasselbe Argument wird häufig auch dafür angeführt, warum britische Staatsanleihen auf ähnlich niedrigem Niveau rentieren; die Bank von England hält mittlerweile rund ein Drittel des britischen Schuldenportfolios auf ihrer Bilanz. Bemerkenswert dabei ist, dass Staatsanleihen des Eurolandes Deutschland seit einiger Zeit verglichen mit Gilts und insbesondere mit amerikanischen Treasuries merklich niedrigere Renditen aufweisen und dass dieser Trend bestehen bleiben könnte. Die Ökonomen der japanischen Bank Nomura erwarten, dass die deutsche Zehnjahresrendite deutlich unter 1 Prozent fällt und die Fünfjahresrendite negativ wird, sollten die Anleger sehr wahrscheinlich finden, dass die europäischen Währungsunion auseinanderbricht. Ihre Wettbewerber von der Citigroup halten für diesen Fall auch eine Zehnjahresrendite von null Prozent für denkbar - unter dem Gesichtspunkt, dass eine neue deutsche Währung gegenüber dem Rest der Welt deutlich aufwerten würde und so einen Währungsgewinn einbrächte.
Bisher spielt für den Abstand zumal zwischen der Bund-Rendite und der Gilt-Rendite aber vor allem auch eine Rolle, dass der Euro als zweitwichtigste Währung der Welt reger nachgefragt wird als das Pfund und Bundesanleihen als sicherste und zugleich liquideste Möglichkeiten für Euro-Engagements gelten. Allein am Donnerstag wurden über den Tag rund 1,3 Millionen Kontrakte im Euro-Bund-Future gehandelt, ein Vielfaches des entsprechenden Gilt-Futures.
Ausfallsicher?
Thomas Weber (internetweber)
- 30.05.2012, 22:34 Uhr