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Bundesanleihen Absicherung wird teurer

 ·  Am Anleihemarkt fallen die Renditen der Bundesanleihen auf ein Rekordtief. Dagegen steigen die Prämien für die Kreditausfallderivate.

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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kann sich in der Euro-Staatsschuldenkrise damit trösten, dass die Finanzierungsbedingungen für den Bund immer günstiger werden. Am Freitag flüchteten die Investoren nach enttäuschenden Arbeitsmarktzahlen aus den Vereinigten Staaten einmal mehr in den „sicheren Hafen“ der Bundesanleihen. Entsprechend fiel die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf das historische Tief von 1,588 Prozent. Die günstigen Zinsen für den Bund gehen einher mit Kursgewinnen für die Anleihen. Dies lässt sich am Terminkontrakt Bund-Future ablesen, der am Freitag mit 142,01 Prozent ein Rekordhoch markierte.

Doch am Markt für Kreditausfallderivate, wo sich Investoren gegenüber möglichen künftigen Ausfällen absichern, ist die Entwicklung umgekehrt: Hier steigt die Risikoprämie für Deutschland. Aktuell kostet der sogenannte Credit Default Swap (CDS) auf den deutschen Staat eine jährliche Versicherungsprämie von 0,85 Prozentpunkten oder 85 Basispunkten.

Das bedeutet, dass ein Investor, der Bundesanleihen im Wert von 1 Million Euro gegen einen Zahlungsausfall des deutschen Staats absichern will, eine jährliche Prämie von 8500 Euro zahlen muss. Mitte März waren dafür noch weniger als 7000 Euro erforderlich. Allerdings lag die CDS-Prämie für Deutschland Ende November schon auf 110 Basispunkten. Jedoch zogen damals gleichzeitig die Anleiherenditen wegen wachsender Sorgen über eine Eskalation der europäischen Staatsschuldenkrise an.

Investoren zielen auf Kreditrisiken

Das aktuell vorliegende Paradox unterschiedlicher Entwicklungen der Anleihen und der Kreditausfallderivate begründet Morgan-Stanley-Analyst Leef Dierks mit den verschiedenen Investorengruppen. Am Anleihemarkt gebe es für die auf Sicherheit bedachten Investoren wie Lebensversicherer oder Pensionsfonds gegenwärtig kaum Alternativen zur Bundesanleihe, da es immer weniger Schuldtitel von Emittenten mit erstklassigen Bonitätsnoten („AAA“) gebe, die zudem eine ausreichend hohe Liquidität aufwiesen.

Dagegen sieht Dierks am CDS-Markt hauptsächlich Investoren, die auf Kreditrisiken abzielten. Dazu zählt er Hedgefonds. Mitte April gab es Meldungen, wonach der amerikanische Hedgefonds-Manager angeblich auf eine Zuspitzung der Euro-Krise und damit auf eine schlechtere Bonität Deutschlands setzt (F.A.Z. vom 20. April). Wenn eine Ausweitung der Euro-Staatsschuldenkrise etwa durch eine Verschärfung der Probleme Spaniens auf die Kurse deutscher Anleihen drückt, stiegen umgekehrt die CDS-Prämien. Investoren, die sich rechtzeitig mit CDS-Kontrakten eingedeckt haben, könnte diese dann mit Gewinn verkaufen.

„Die Musik spielt am Anleihemarkt“

Commerzbank-Analyst David Schnautz misst der Entwicklung am CDS-Markt nur eine untergeordnete Bedeutung zu: „Die Musik spielt am Anleihemarkt.“ Dafür sprechen auch die Zahlen: Im Umlauf befinden sich Bundesanleihen über 1079 Milliarden Euro. Dagegen sind nach Angaben des amerikanischen Wertpapierabwicklers DTCC am CDS-Markt brutto nur 92 Milliarden Euro abgesichert.

Da auf den CDS-Handel spezialisierte Banken wie etwa die Deutsche Bank gleichzeitig Kauf- und Verkaufspositionen aufweisen, sinkt bei Verrechnung dieser sich gegenseitig aufhebenden Positionen die tatsächliche Absicherung auf netto 15 Milliarden Euro. Dass die deutsche CDS-Prämie zuletzt wieder gestiegen ist, führt Schnautz vor allem auf technische Faktoren zurück. So müssten zum Beispiel viele ausländische Banken Zinstauschgeschäfte über CDS absichern. Vereinzelt dürften sich auch Investoren positioniert haben, die mit negativen Auswirkungen der Euro-Krise auf Deutschland rechneten.

Ähnlich wie am Anleihemarkt gehört Deutschland am CDS-Markt noch immer zu den günstigsten Euro-Staaten: Für die Absicherung französischer Staatsanleihen über 1 Million Euro muss der Investor schon eine jährliche Prämie von 19.000 Euro zahlen. Für die Niederlande wären es 11800 Euro und für Österreich 16.700 Euro. Einzig Finnland steht mit 8000 Euro unter den Euroländern noch günstiger als Deutschland da. Noch günstiger ist die Absicherungsprämie auf Großbritannien mit 6450 Euro, auf die Schweiz mit 4900 Euro oder auf die Vereinigten Staaten mit 3860 Euro.

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Jahrgang 1967, Redakteur in der Wirtschaft.

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