02.06.2010 · Das Bundeskabinett hat am Mittwoch ein Verbot ungedeckter Leerverkäufe beschlossen. Ob es etwas bringt, ist offen. Im Zweifel verkaufen Anleger zweifelhafte Papiere direkt, statt ihre Risiken abzusichern. Der Effekt ist derselbe.
Das Bundeskabinett hat am Mittwoch ein Verbot ungedeckter Leerverkäufe beschlossen. Das teilte der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans am Mittwoch in Berlin mit. Der „Gesetzentwurf zur Vorbeugung gegen missbräuchliche Wertpapier- und Derivategeschäfte“ wurde gegenüber den ursprünglichen Planungen entschärft und enthält nunmehr nur noch ein optionales Verbot von Währungsderivaten.
Verboten werden sollen ungedeckter Leerverkäufe von Aktien und Schuldtiteln von Staaten der Eurozone, die an einer inländischen Börse zum Handel im regulierten Markt zugelassen sind. Für entsprechende Derivategeschäfte ist im Entwurf kein ausdrückliches Verbot mehr vorgesehen.
Ob regulatorische Verbote etwas bringen, ist offen
Die Regierung behält sich vielmehr die Option vor, diese durch Rechtsverordnung zu verbieten, sofern es die Situation erfordere. Verboten werden soll außerdem der Abschluss bestimmter ungedeckter Kreditausfallsversicherungen auf Verbindlichkeiten von EU-Mitgliedstaaten, sogenannte Credit Default Swaps (CDS), bei denen kein eigener Absicherungszweck besteht.
Ob Verbote dieser Art überhaupt etwas bringen, ist offen. Denn alleine schon aufgrund der Tatsache, dass so genannte Market Maker davon ausgenommen sind, schafft abgesehen von der regionalen sowie börsen- und instrumentspezifischen Begrenztheit alle nur denkbaren Umgehungsmöglichkeiten offen.
Fakt ist dagegen, dass auch am Mittwoch die Prämien für die Absicherung von Kreditausfällen von Banken weiter steigen, nachdem sie schon in den vergangnen Wochen deutlich zugenommen hatten. Die Prämien sind für Kontrakte mit einer Laufzeit von fünf Jahren am höchsten für die spanische BBVA mit 241,6 Basis- oder 2,416 Prozentpunkten je Nominalwert des versicherten Papiers. Mehr als 200 Basispunkte sind auch für die Versicherung der Anleihen von Morgan Stanley, RBS, Lloyds TSB und der Banco Santander fällig.
Während die Prämien für die Absicherung von Papieren europäischer - vor allem spanischer und italienischer - Banken in den vergangenen Wochen auf erhöhtem Niveau weiter stiegen, gingen die amerikanischen Finanzunternehmen leicht zurück. Das mag mit der aktuellen Wahrnehmung zu tun haben, dass die europäischen Banken als riskanter betrachtet werden als ihre stark angeschlagenen amerikanischen Pendants.
Im Zweifel verkaufen Anleger Papiere direkt, statt Risiken abzusichern
Tatsächlich gibt es in Europa viel zu viele Banken, die in der Vergangenheit um jeden Preis im internationalen Geschäft wachsen wollten und dabei unkalkulierbare Risiken eingingen. Diese zeigten sich in Form von Pleiten sowie auch im enormen Abschreibungsbedarf bei vielen anderen Unternehmen der Branche. Und die Lage ist noch nicht bereinigt. Denn europäischen Banken werden in diesem Jahr mehr Kredite als im Jahr 2009 abschreiben müssen, erklärt die Europäische Zentralbank in ihrem am Montagabend vorgelegten Stabilitätsbericht.
Gleichzeitig dürfte die Fähigkeit der Geldinstitute, Anleihen aufzulegen, durch die Anstrengungen der Regierung zur Finanzierung ihrer Defizite gebremst werden. Insgesamt werde die Rentabilität im Bankensektor kurz- bis mittelfristig „bescheiden“ bleiben, hieß es weiter. Weitere Kreditverluste, der andauernde Druck auf den Sektor, die Verschuldung zu reduzieren, sowie möglicherweise steigende Finanzierungskosten, stärkere Regulierung und zunehmende Besteuerung stellen weitere Ertragsrisiken dar.
Die Kombination solcher Faktoren kann dazu führen, dass der Verkaufsdruck auf die Anteilsscheine von Finanzunternehmen anhält. Leerverkaufsverbote und andere regulatorische Eingriffe können an fundamentalen Problemen nichts ändern. Wenn sich die Inhaber entsprechender Papiere nicht gegen Risiken absichern können, werden sie die Papiere im Zweifel eben direkt verkaufen. Der Effekt ist derselbe.